Digitale Souveränität als Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft

Fr, 25. September 2020, Lioh Möller

Digitale Souveränität und Nachhaltigkeit sind die Basis für eine selbstbestimmte Zukunft. Doch wie lässt sich dies realisieren? Zunächst einmal hört es sich nach viel Arbeit an, und das ist es auch, wenn man die Infrastruktur dazu selbst betreibt. Im privaten Bereich gibt es mehrere Projekte, die sich dem Problem angenommen haben und ein einfaches SelfHosting ermöglichen. Dazu zählen beispielsweise YunoHost oder Freedombox. Mit ihnen lassen sich Dienste wie Nextcloud, Matrix, Mastodon und viele weitere auch von weniger erfahrenen Anwendern selbst betreiben. Die grösste Hürden stellen meist die Konfiguration des Routers und die Domaineinrichtung dar. Mit guten Anleitungen und einem gesunden Selbstvertrauen lassen sich aber auch diese meistern.

Doch im Unternehmensumfeld sieht es leider immer noch anders aus. In erster Linie stehen Betriebskosten im Vordergrund. Wenn ein digital souveränes System mittelfristig mehr kostet, wird schnell zu einer vermeintlich einfacheren Lösung wie Microsoft 365 oder den Google Diensten gegriffen. Anbieter wie zum Beispiel IONOS versuchen dem mit vorkonfigurierten Apps entgegenzuwirken und bieten beispielsweise eine gehostete Nextcloud an.

Neben dem Abfluss der eigenen Daten gehen aber auch Kompetenzen verloren. Systemadministratoren werden heutzutage in erster Linie auf die Nutzung von Cloud-Angeboten geschult und weniger auf den selbstbestimmten Betrieb von Diensten im eigenen Hause. Microsoft verkündet immer wieder lauthals, dass niemand besser Infrastruktur verwalten kann als sie, was vom Management dankbar aufgegriffen wird. Der einst engagierte Administrator verliert dadurch schnell die Lust und kann das Gefühl des mangelnden Vertrauens in die eigene Arbeit bekommen. Das allerdings zu Unrecht, denn die selbst betriebenen Lösungen haben mit Sicherheit in der Vergangenheit gute Dienste geleistet. Das Paradoxe daran ist, dass solche Prozesse in Unternehmen schnell zu Frustration bei den Beteiligten führen können und das ausgelöste Verhalten dann als Fortschrittsverweigerung abgetan wird.

Doch genau das ist es nicht. Fortschritt bedeutet auch innezuhalten und zu überdenken, ob der nächste Schritt (in diesem Falle in die proprietäre Cloud), wirklich nachhaltig ist oder ob kurzfristige vermeintliche Einsparungsmöglichkeiten im Vordergrund stehen.

Digitale Souveränität steht auch für ein Vertrauen in die eigenen Kräfte und die Stärke der Gemeinschaft. Sich nicht von Microsoft und Co. in den eigenen Fähigkeiten infrage stellen zu lassen und konkrete Alternativen anzubieten ist die Aufgabe vor der wir stehen. Freie Alternativen zum Betrieb der eigenen Cloud stehen mit Lösungen wie OKD, Rancher, Plain Kubernetes und dem Sovereign Cloud Stack bereits zur Verfügung. Ob es immer die skalierbare Cloud sein muss, oder ob der Betrieb einer einfacheren Serverinfrastruktur mit High Availability ausreicht ist eine Frage, die in jedem Projekt individuell beantwortet werden muss. Denn eine skalierbare Cloud-Infrastruktur bringt in erster Linie eine deutlich erhöhte Komplexität mit sich, welche im Widerspruch zum KISS-Prinzip steht, auf dem viele nachhaltige Strukturen aufgebaut sind. Und das nicht nur im Software-Umfeld.