EU-Ökodesign-Richtlinie gegen Obsoleszenz

Di, 19. Oktober 2021, Daniel Schär

Als Beitrag zur Überarbeitung der EU-Ökodesign-Richtlinie und um die Auswirkungen der Software-Obsoleszenz zu verstehen, veröffentlichte die FSFE (Free Sofware Foundation Europe) eine Studie über die Nachhaltigkeit von Software (wir haben berichtet).

In der Europäischen Union gibt es derzeit ein starkes Bestreben, die Digitalisierung nachhaltiger zu gestalten, wobei die Europäische Kommission darauf abzielt, Produkte ressourceneffizienter zu machen und Methoden der Kreislaufwirtschaft anzuwenden. Die Ökodesign-Richtlinie aus dem Jahr 2009 soll mit der Initiative für nachhaltige Produkte" (SPI) aktualisiert werden. Diese zielt darauf ab, Produkte, die in der EU in Umlauf gebracht werden, nachhaltiger zu machen". Die SPI wird dann als Hauptinstrument der europäischen Produktpolitik dienen.

Quelle: FSFE.org, Icons von Freepik.com

Zum ersten Mal werden Telefone und Tablets in die Ökodesign-Kriterien für den Markt der Europäischen Union aufgenommen und es werden neue "Regulierungsmaßnahmen für Elektronik und IT, einschließlich Mobiltelefonen, Tablets und Laptops im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie" gefordert. Es gebe "Mängel der Geräte in Bezug auf Haltbarkeit, [...] Reparierbarkeit, [...] Aufrüstbarkeit, Elektroschrott [...], Wiederverwendung und Recycling".

Man erwartet, dass die Europäische Kommission ihre endgültigen Vorschläge bis Mitte 2022 veröffentlichen wird. Unter anderem wurde immer wieder geschrieben, dass die Kommission möchte, dass die Hersteller von Smartphones und Tablets Sicherheitsupdates für fünf Jahre und Funktionsupdates für drei Jahre kostenlos zur Verfügung stellen.

FSFE fordert das Upcycling von Software

Obwohl eine verlängerte Supportzeit ein sinnvoller Schritt in Richtung Haltbarkeit und Lebensdauer von Geräten ist, reicht die Verpflichtung, mehrere Jahre lang Sicherheits- und Funktionsupdates anzubieten, nicht aus, um einen wirklichen Wandel hin zu einer nachhaltigeren (Wieder-)Verwendung unserer Geräte zu bewirken. Für eine dauerhafte und nachhaltige Veränderung und Verlängerung der Hardware-Nutzung fordert die FSFE, dass die Produkte von Anfang an geräteneutral gestaltet und dass zirkuläre Wiederverwendung von Elektronik durch ein Upcycling von Software ermöglicht werden. Ein solches Upcycling wird durch die Verpflichtung der Hersteller möglich, dem Gerät zugrundeliegenden Quellcode unter einer Freien Softwarelizenz zu veröffentlichen, sobald der Support für jegliche Software, die zum Betrieb oder zur Änderung der ursprünglichen Funktion des Geräts notwendig ist, endet.

Diskussion auch in der Schweiz 

Die Debatte um Re- und Upcycling von Hard- und Software wird auch in der Schweiz geführt, z.B. vom Verein Digitalswitzerland, der in seinem Whitepaper für ein nachhaltiges Digitales Ökosystem plädiert, genauso wie vom Bund, der sich für eine Kreislaufwirtschaft engagiert, wie der Bericht "Massnahmen des Bundes für eine ressourcenschonende, zukunftsfähige Schweiz" zeigt. Bis Ende 2022 soll das zuständige Bundesamt hierzu Vorschläge für ein Massnahmenpaket vorlegen. Inwiefern dort Open Source Software zum Tragen kommt, ist bisher noch unklar. 

Quelle und weitere Infos: 

https://www.netzwoche.ch/news/2021-10-14/digitalswitzerland-plaediert-fuer-ein-oekosystem-digitaler-nachweise

https://www.uvek.admin.ch/uvek/de/home/umwelt/gruene-wirtschaft.html

https://fsfe.org/news/2021/news-20211015-01.de.html

https://fsfe.org/freesoftware/sustainability/sustainability.de.html