LoRa - Long Range Radio

  Enrico   Lesezeit: 4 Minuten  🗪 11 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Das Long Range Wide Area Network ermöglicht Kommunikation in Krisenzeiten. Völlig unabhängig von den gewohnten Providern und ohne Internet. In diesem Artikel schildere ich meinen Einstieg in die LoRa-Welt.

lora - long range radio

Ich bin zufällig auf LoRa (Long Range Radio) gestossen und es hat mich sofort fasziniert. Es ist eine freie Funktechnologie, die ohne Mobilfunk und Internet funktioniert und für alle auch ohne Lizenz verfügbar ist. Viele Prepper bereiten sich u.a. damit auf Krisensituationen wie Blackouts vor.

Ein Linux-Kollege hat mir dann von LoRa  erzählt. Er begann mit Meshtastic, der bisher bekanntesten Variante. Nach einigen Recherchen habe ich mich aber für Meshcore entschieden, eine datensparsame Alternative mit höherer Reichweite, die es seit gut einem Jahr gibt. Meshtastic soll eher für lokale Verbindungen geeignet sein (höchstens 7 Repeater-Sprünge erlaubt), während mit Meshcore grossräumige Verbindungen möglich sind (über 60 Repeater-Sprünge), z.B. von Deutschland nach Italien.

Ich habe mich mit einem weiteren Kollegen per Matrix-Chat unterhalten, der von Meshtastic auf Meshcore umgestiegen ist. Er hat mich ermutigt, bei Meshcore einzusteigen. Es gibt schon viele freie Videos zum Thema. TMPrepper erklärt das besonders gut auf Deutsch mit Schweizer Akzent.


Während bei Meshtastic alle Geräte alle Funktionen übernehmen (Sender/Empfänger, Repeater) gibt es bei Meshcore drei Geräte-Typen:

  • Companion: Text-Nachrichten senden und empfangen
  • Repeater: Nachrichten weiterleiten
  • Room Server: Chatraum für eine Gruppe von Leuten, der gleichzeitig auch als Repeater funktionieren kann.

Die Geräte sind sehr erschwinglich, besonders diejenigen, welche via Bluetooth von einem Handy per Meshcore-App bedient werden. Die fertigen Geräte kosten plusminus minus 50.--, mit Akku etwas teurer als ohne. Bastelkomponenten sind noch günstiger, ja, das geht ;)



Ich habe mich für ein Gerät entschieden, welches ohne Handy funktioniert: Lilygo T-Deck plus mit Tastatur und farbigem Touchscreen (erinnert an Blackberry) und einer langen externen Antenne. Die Akkulaufzeit ist leider etwas begrenzt, bei mir weniger als ein Tag. Man kann das Gerät auch ausschalten, wenn man es nicht benutzt. Das geht nicht bei allen.

Ich habe mir einen autarken Repeater gegönnt, mit einem Solarpanel und eingebautem Akku. Der steht auf meinem Balkon und verbessert die Verbindung zum Gerät in meiner Wohnung. Besser wäre es, ihn an einem erhöhten Ort zu montieren, was ich evtl. machen werde.

Die Geräte bekommt man in mehreren Online-Läden. Mein Kollege hat mir bestätigt, dass Bastelgarage.ch eine gute Wahl ist, was ich inzwischen ebenfalls bestätigen kann. Das spricht aber nicht gegen weitere Shops, die ich aber nicht kenne. Die Internetsuche für LoRa-Geräte gelingt besser mit dem Stichwort Meshtastic, weil Meshcore noch jung ist. Die als Meshtastic bezeichneten Geräte lassen sich auch mit Meshcore flashen. Es gibt eine gute Anlaufstelle für Meshcore für die Schweiz: https://www.meshcore.ch. Dort findet man z.B. die Wiki-Seite, die Meshcore-Karte basierend auf OSM sowie einen Link zur Seite für's Flashen der Geräte.


Das Flashen ist sehr simpel: Man verbindet das Gerät per USB mit einem Laptop und öffnet den Chromium-Browser (Firefox geht nicht). Auf der Flasher-Seite sucht man sein Gerät und wird dann geführt. Gute Anleitungen gibt es, wie zuvor erwähnt, auf Freetube bei TMPrepper, aber auch bei Andy Kirby (en) und weiteren. WICHTIG ist, dass man das Gerät NUR mit angeschlossener Antenne einschaltet und betreibt, ohne kann das Gerät beschädigt werden. Warum, weiss das Internet besser als ich.

Nach dem Flashen sollte man dann einige Einstellungen vornehmen, z. B. Gerätenamen, Admin-Passwort, die Frequenz (EU/UK narrow). Der Rest ist schon richtig voreingestellt. Wenn man die Uhrzeit richtig einstellen will, muss man das Gerät draussen neu starten und warten, bis GPS gefunden wurde.

Die Abdeckung in der Schweiz ist gegenwärtig unterschiedlich. Im Mittelland gibt es viele Repeater auch an guten Positionen, z.B. auf den Lägern. Auch über die Alpen geht's bis ins Tessin und nach Italien, dank hoch positionierter Repeatern wie Transalp beim Jungfraujoch. Schlechter ist die Nordostschweiz versorgt, da gibt es noch weite Funklöcher. Das kann sich schnell ändern, weil das Netz rasant wächst. Die Zahlen kann man auf der Meshcore-Karte sehen.



Ich hänge regelmässig am Gerät, um zu schauen, welche anderen Geräte erreichbar sind, und verfolge auch den öffentlichen Chat. Privat unterhalte ich mich erst mit einer Person. Die private Unterhaltung ist verschlüsselt, die öffentlichen natürlich nicht.

Ich bin gespannt, wie's weitergeht.

Titelbild: https://meshtastic.org/

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Long_Range_Wide_Area_Network

https://meshtastic.org/

https://meshcore.co.uk/

https://www.meshcore.ch/

https://www.meshcore.ch/map/

https://www.bastelgarage.ch

Tags

LoRa, Freifunk, Meshtastic, Meshcore

👓
Geschrieben von 👓 am 26. Februar 2026 um 11:40

Kannst du beispiel Anwendungen nennen, die über das Netwerk laufen? Jetzt abgesehen von den Sensoren. Es klingt irgendwie wie ein fediverse Werkzeug. Könnte man also einen Mastodon/Matrix server über dsa Netzwerk nutzen (nur Text)?

Enrico
Geschrieben von Enrico am 27. Februar 2026 um 08:30

Da bin ich voll überfragt. Ich bin ein simpler Anwender. Ich benütze Meshcore nur für Textnachrichten.

Alex
Geschrieben von Alex am 27. Februar 2026 um 11:24

Ja, die Frage habe ich mir nach dem Artikel auch als erstes gestellt: wozu und wie nutzt man das jetzt eigentlich genau??

Die verfügbare, niedrige Bandbreite dieser Technik schränkt ja schon mal sehr stark ein.

Markus
Geschrieben von Markus am 26. Februar 2026 um 12:14

Der deutsche Smartphonehersteller Gigaset nutzt Netless Chat, welches wohl auf LoRa aufbaut. Lt. Hersteller kann man hiermit Sprachnachrichten zwischen zwei Gigaset GS6 Geräten austauschen. Ob hier mehr bzw. auch geräteübergreifend möglich ist, weiß ich nicht.

René
Geschrieben von René am 26. Februar 2026 um 12:28

Ich bin ein grosser Funk-Fan und nutze auch meshtastic. Allerdings wurde mir erst unlängst bewusst, dass LoRa nicht so frei (open) ist, wie ich das gern hätte. Wikipedia beschreibt es als "physical proprietary radio communication technique based on spread spectrum modulation". heisst: Funkchips dafür bauen kann wohl nur wer irgendwem Lizenzgebühren zahlt o.ä. Was Meshcore angeht, so scheint hier zumindest der Kern der firmware quelloffen zu sein; schade, dass aber auch hier einige Teile priprietär sind.

Re
Geschrieben von Re am 26. Februar 2026 um 15:59

Die Funkchips kommen von Semtech. Sie haben die proprietäre Funktechnik LoRa entwickelt. Zitat von Wikipedia: „[...]proprietäres und patentiertes Übertragungsverfahren, basierend auf einer Chirp-Spread-Spectrum-Modulationstechnik mit der Bezeichnung „LoRa“ der Semtech Corporation.“ Das heißt, du kaufst von denen die Produkte. Mehr Lizenzen sind da nicht zu zahlen. Das Patent ist von 2008. Falls ich mich richtig erinnere, laufen Patente maximal 20 Jahre, dann ist die Technologie für alle nutzbar (wie es geht, steht im Patent). Also kannst du ab 2028 mit anderen Anbietern auf dem Markt rechnen.

Robert
Geschrieben von Robert am 26. Februar 2026 um 16:45

Linksammlung zum Thema https://neoxion.net/radio-ham-sdr/

Allderweil
Geschrieben von Allderweil am 27. Februar 2026 um 07:43

Internet -> LoRa Raspberry Pi

Dennis
Geschrieben von Dennis am 27. Februar 2026 um 08:14

Gibt es eigentlich geräte, die im standalone laufen oder auch mit dem rechner zusammen nutzbar sind, die meshcore, meshtastic oder reticulum laufen lassen können? oder brauch ich für alle unterschiedliche geräte?

Mancus Nemo
Geschrieben von Mancus Nemo am 6. März 2026 um 15:58

Mich würde ja eher mal Hardware die zu kaufen wäre die weiter zu empfehlen ist interessieren. Bei Amazon hieß es das wird oft wieder zurückgeschickt. Das schreckt halt ab. Mich würde Meshcore mehr interessieren.

Chix
Geschrieben von Chix am 26. März 2026 um 13:30

Bei Fragen zu MeshCore in der Schweiz unbedingt auch unsere Community besuchen. MeshCore wächste in der Schweiz rasant und viele Meshtastic Repeater wurden auf MeshCore umgestellt: https://community.meshcore.ch/