Captain it's Wednesday - Folge 083 - Nachhaltigkeit

  Ralf Hersel   Lesezeit: 9 Minuten  🗪 1 Kommentar

Folge 083 des CIW Podcasts. Nachhaltigkeit in einer freien Gesellschaft

captain it's wednesday - folge 083 - nachhaltigkeit

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Shownotes

CIW - Folge 083 - 24.04.2024 - Nachhaltigkeit

  • Wir begrüssen alle Ressourcenbewahrer:innen zur Folge 83 von "Captain it's Wednesday", dem Podcast über Freie Software und Freie Gesellschaft, aufgenommen am 21. April von Johanna Gräbner und Ralf Hersel. In dieser Folge sprechen wir über Nachhaltigkeit in einer freien Gesellschaft.

Hausmitteilungen

  • Vielen Dank an unsere Spender: Ingmar, Hendrik, Folker, Michael, Remo, Klaus-Dieter, Rolf, Michel, Florian, Andris, Andreas, Torsten, Heinz und alle Unbekannten, die uns über Liberapay oder Twint unterstützen.

Thema: Nachhaltigkeit in einer freien Gesellschaft

  • Was bedeutet Nachhaltigkeit: Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip bei der Nutzung von Ressourcen. Hierbei soll eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung gewährleistet werden, indem die natürliche Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme bewahrt wird, vor allem von Lebewesen und Ökosystemen.
    Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen als gegenwärtig lebende.
  • Viele täglich selbstverständlich genutzten Freiheiten werden durch Grundrechte ermöglicht. In einer Welt, in der alles – auch Teile individueller Privatsphäre – datafiziert wird, wird Datenschutz täglich wichtiger. Denn er steht in unserer digitalen Welt als „Schutzwall“ über unserer Privatsphäre und anderen Freiheitsrechten wie Meinungs- oder Religionsfreiheit. Somit schützt der Datenschutz keineswegs Daten, sondern Menschen und ihre Rechte. Für künftige Generationen bedeutet das, dass der heutige Umgang mit Datenschutz den zukünftigen Wert des Datenschutzes bestimmt. Und nur, wenn Datenschutz als wertvolles Gut anerkannt und er entsprechend gehandhabt wird, kann dieser Schutzwall auch die Freiheit künftiger Generationen schützen.
  • Was hat Nachhaltigkeit mit Freier Gesellschaft zu tun? Die meisten von euch kennen die vier Freiheiten der GPL (GNU General Public License): Verwenden, Verstehen, Verbreiten, Verbessern. Obwohl diese Freiheiten für Software erdacht wurden, lassen sie sich auch auf andere Bereiche anwenden; wir kommen noch darauf zu sprechen. Nachhaltigkeit bedingt Entscheidungsfreiheit, Transparenz und Zugang zu Informationen. Diese Bedingungen sind heute in vielen Lebensbereichen nicht gegeben.
  • Die Menge an global erzeugten Daten steigt von Jahr zu Jahr. Statista prognostiziert für das kommende Jahr 120 Zettabyte, die erzeugt, gespeichert, kopiert und konsumiert werden. Ungenutzt davon bleibt allerdings deutlich mehr als die Hälfte. Das ist daher problematisch, da diese Daten durch ihre Aufbewahrung sehr viel Energie verbrauchen. Und der deutsche Strommix erzeugt je Kilowattstunde immer noch 485 g CO₂!
    Merke: Ein Eingriff in das Grundrecht des Datenschutzes ist grundsätzlich nur zulässig, wenn er auf das geringstmögliche Maß reduziert ist.
  • In welchen Lebensbereichen spielt Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle?
    • Konsum
      • Wer Waren reparieren kann, verlängert deren Lebensdauer oft erheblich. Das wirkt sich positiv auf den Ressourcenverbrauch aus. Dem steht oft ein Produktdesign gegenüber, welches nicht auf Reparierbarkeit ausgelegt ist, bzw. dieses bewusst verhindert. Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen bei technischen Produkten Schaltpläne mit zur Dokumentation gehörten.
      • Früher gab es bei Kleidung eine Sommer- und eine Winterkollektion. Heute wechseln die Kollektionen im Wochenrhythmus. Unter prekären Arbeitsbedingungen hergestellte Fetzen werden ein-zweimal getragen, weil sie mehrere Wäschen nicht überleben. Oder es werden für die Wochenend-Aktivitäten ein paar Kartons voller Klamotten bei Zalando bestellt, um sie am Montag wieder zurückzuschicken.
    • IT
      • Betriebssysteme: Freie Software verlängert das Leben von Computern
      • Smartphones: Reparierbarkeit und lange Update-Zeiträume fördern Nachhaltigkeit
      • Kommerzielle Cloud-Dienste machen unflexibel und verhindern Souveränität. Damit wird der Wechsel zu nachhaltigeren und selbstbestimmten Lösungen erschwert.
    • Bildung
      • Wenn Schulen Produkte statt Grundlagen unterrichten, führt das nicht zu einer nachhaltigen Bildung, sondern zu Abhängigkeiten von Schüler:innen. Beispiel: nicht Word, sondern Textverarbeitung unterrichten.
      • Viele wissenschaftliche Publikationen, die durch unsere Steuern finanziert wurden, befinden sich hinter den Bezahlschranken von Verlagen, wie Elsevier. Dadurch werden Interessierte doppelt zur Kasse gebeten: durch Steuern und die Gebühren der Verlage.
    • Mobilität
      • In der Schweiz ist der öffentliche Verkehr gut ausgebaut und bietet für eine Mehrheit eine gute Alternative zum Individualverkehr. Allerdings sollen jetzt die Autobahnen ausgebaut werden, was völlig gegen den Trend geht und den Klimazielen entgegensteht. Dieses Geld könnte man besser in die Überdachung der Autobahnen mit PV-Elementen stecken, zumal der Ausbau von Autobahnen noch nie zu weniger Verkehr geführt hat.
      • Viele lassen sich vom Elektro-Prefix verzaubern und glauben, damit klimafreundlicher und nachhaltiger zu sein. Dabei wird das E-Bike und das Elektroauto oft zusätzlich zum bestehenden Fuhrpark angeschafft. Sinnvoller wäre hier eine Reduktion und ein Umstellen der Mobilität. Lokale Arbeitsplätze und mehr Homeoffice helfen dabei.
  • Alle Menschen weltweit leben frei von Armut und Hunger, selbstbestimmt, gleichberechtigt
    und bei guter Gesundheit; sie leben und wirtschaften in sozial und ökologisch sicheren Handlungsräumen, erhalten die natürlichen Lebensgrundlagen und ermöglichen sich und den
    folgenden Generationen damit ein gutes Leben. So oder ähnlich lässt sich die Vision einer
    global nachhaltigen Gesellschaft formulieren, in der alle Menschen in Frieden und Freiheit
    ein menschenwürdiges Leben führen, ihre Bedürfnisse befriedigen und sich aktiv und selbst
    bestimmt am politischen Gemeinwesen beteiligen können.

Links

Outro

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Tags

Podcast, CIW, Captain

kamome
Geschrieben von kamome am 25. April 2024 um 09:08

> je Kilowattstunde immer noch 485 g CO₂

Das wäre mir ja fast egal, wenn er nicht auch sonst viel Umweltzerstörung und -verschmutzung verursachen würde!