Woran erkennt man den I Love Free Software Day? Daran, dass viele Männer mit Blumensträussen und Pralinenschachteln durch die Stadt laufen, um sich bei den Beitragenden zu Freier Software zu bedanken. Oder verwechsle ich da etwas? Wie dem auch sei, am 14. Februar ist I Love Free Software Day, der in diesem Jahr den Maintainern und Maintainerinnen ein Kränzchen binden wollte.
Auch bei der Free Software Foundation Europe in der Lokalgruppe Zürich wurde der Tag gefeiert, und zwar bereits vor zwei Tagen, am 12. Februar, wie ich in diesem Beitrag angekündigt habe. Am Donnerstagabend trafen sich ca. 20 Besucher in der Bitwäscherei in Zürich. Unser Organisationsteam (Jason und Roland) hatte eine Bühne eingerichtet und die Bestuhlung für die Vorträge zurechtgerückt. Wir hätten uns mehr Diversität gewünscht; es waren nur Männer anwesend.
Besucher des I Love Free Software Day bei der FSFE-Zürich
Los ging es mit einem Vortrag von eben diesem Roland, den ihr bereits aus der GNU/Linux.ch-Redaktion kennt. Er schreibt dort mit in der Lehrerkolumne. Als Maintainer des Projektes Xournal++ gab er einen Einblick in die Funktionalität der Anwendung und deren Entwicklung, die sich hervorragend für das Erstellen von handschriftlichen Notizen eignet und darüber hinaus noch viel mehr zu bieten hat. Zum Abschluss seines Vortrags überraschte er die Besucher mit dem neuen Funktionsplotter in Xournal++, mit dem er das Herz des I Love Free Software Days generierte (siehe Titelbild).
Beim zweiten Vortrag erfuhren wir von Theo viel über das freie Betriebssystem openBSD und das Projekt LibreSSL. Für viele neu war, dass Puffy (das openBSD Maskottchen) auf den Kugelfischalgorithmus zurückgeht, der in openSSH Verwendung findet. Theo ging ziemlich in die Tiefe, wodurch die Arbeit eines Maintainers nachvollziehbar wurde. Überraschend war für mich, dass openBSD ein Betriebssystem von Entwicklern für Entwickler ist, was ich von anderen freien Projekten so noch nicht gehört hatte.
Weiter ging es mit Fabios Vortrag über NewPipe, den freien YouTube-Client für Android-Geräte. Interessant fand ich, dass das Team die Benutzeroberfläche (UI) vom Video-Extractor entkoppelt hat, damit dieser Teil auch von anderen Projekten verwendet werden kann. Auch Fabio gab einen Überblick über die Funktionen des Players, wobei einige Anwesende Neues entdeckten. Mich hat der Wille zur Zusammenarbeit mit ähnlichen Projekten beeindruckt.
Fabio präsentiert NewPipe
Während wir mitten in den Fragen und der Diskussion über NewPipe steckten, trugen Roland und Jason einen riesigen Stapel an Pizzakartons herein. Durch die Auswahl eines fähigen Pizza-Providers und einem guten Timing, gab es in diesem Jahr kein Pizza-Chaos. Löblicherweise hielten sich alle an die strikte Anweisung, keine Pizza-Hawaii zu bestellen.
Nachdem alle satt waren und fettige Finger hatten, ging es mit dem vierten und letzten Beitrag weiter, der überhaupt nichts mit "Maintainern" zu tun hatte. Lioh und Ralf berichteten über die Testwochen mit GNU-Taler, dem freien Bezahlsystem. Einige der Anwesenden waren unserem Aufruf gefolgt, vorgängig auf ihren Smartphones die Taler-App zu installieren. So konnten wir nach dem Vortrag ein paar Franken in der Runde hin und her überweisen.
Lioh und Ralf zeigen GNU Taler
Nach allen Vorträgen gab es Fragen zu den jeweiligen Themen und einen regen Austausch. Nachdem die Organisation im letzten Jahr ein wenig hakelig war, ist es dieses Jahr viel besser gelaufen. Es hat sich bewährt, zum I Love Free Software Day eine Veranstaltung mit Vorträgen aufzuziehen. Ich bin mir sicher, dass wir dieses Format beibehalten und im nächsten Jahr noch besser werden.
Unser Dank gilt insbesondere Jason und Roland für die Organisation, allen Vortragenden, die bereit waren, auch vor einer kleinen Gruppe zu sprechen, und selbstverständlich allen Besuchern. Ich persönlich wünsche mir für nächstes Jahr eine schönere Lokalität und mehr Besucherinnen als Besucher. Bessere Fotos wären auch nicht verkehrt.



