Element statt WhatsApp

Do, 03. September 2020, Ralf Hersel

Element (vorher Riot.im) ist eine plattformübergreifend verfügbare freie Software für Chat, IP-Telefonie und Video-Telefonie über die Matrix-Protokolle. Der Client ermöglicht es dem Benutzer, einen Server für die Verbindung zu wählen. Er steht unter der Apache-Lizenz. Zusätzlich unterstützt Element Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Gruppen, Kanäle und gemeinsame Nutzung von Dateien zwischen Benutzern. Die Entwicklung von Element erfolgt in erster Linie durch die gleichnamige Firma Element (ehemals New Vector Limited), die auch an der Entwicklung des Matrix-Protokolls selbst beteiligt ist.

Die Chat- und Kollaborationssoftware gibt es für Android, iOS und als Web-Anwendung. Um Element nutzen zu können, braucht man ein Konto auf einem x-beliebigen Matrix-Server. Es gibt Listen von öffentlich verfügbaren und privaten Servern, wie z.B.: Matrix-PublicList, Hello-Matrix oder The-Federation. Selbstverständlich ist es möglich, einen Matrix-Server selbst zu hosten. Wesentlich ist dabei der föderative Gedanke, gemäss dem der Betrieb und die Kommunikation dezentral (kein zentraler Server) und standardisiert (freies und öffentliches Protokoll) erfolgt. Diese Grundlage war auch das Erfolgsrezept für die weltweite und Anbieter-unabhängige Durchsetzung von Telefonie, Email, Stromnetzen, usw. Im Gegensatz dazu stehen zentralistische und von einer Firma kontrollierte Systeme und Protokolle wie z.B. Facebook mit WhatsApp, Apple mit iMessage, Microsoft mit Skype und Teams, usw. Aber auch Lösungen, die in der FLOSS Community bekannt und beliebt sind, wie z.B. Signal, Threema und Telegram, folgen nicht dem föderierten und freien Prinzip.

Um dieses verteilte Prinzip nicht ad absurdum zu führen, empfiehlt es sich, das eigene Matrix-Konto nicht bei Matrix.org selbst anzulegen. Die meisten Nutzer haben dort ihr Konto, wodurch wiederum eine ungewollte Zentralisierung entsteht. Ein geeigneter Matrix-Server lässt sich über die Kriterien: Land, Thema, Grösse finden. Wer z.B. in Belgien wohnt, findet vielleicht bei Hackerspaces.be ein Zuhause für sein Matrix-Konto.

Warum Element?

Typische Messaging-Apps 'besitzen' deine Konversationen. Typische Messaging-Apps verwenden deine Daten zu anderen Zwecken. Typische Messaging-Anwendungen sind nicht vollständig Ende-zu-Ende verschlüsselt. Typische Messaging-Apps sperren dich in ihren Goldenen Garten ein. Element ist keine typische Messaging-Anwendung. Element ist einzigartig. Du besitzt deine Daten und entscheidest, wo sie leben. Mit Element kannst du mit jedem sicher reden, unabhängig von seiner App.

Spätestens an dieser Stelle kommt von einigen Lesern das Killer-Argument: "Alle meine Freunde und Verwandte haben WhatsApp; niemand hat Element." Das stimmt nicht, weil es Brücken gibt, die Matrix-basierte Anwendungen mit fast jedem anderen Protokoll oder System verbinden können. Sie Seite Matrix-Bridges zeigt die Verbindungsmöglichkeiten eindrücklich auf. Ein gutes Beispiel sind wir selbst; GnuLinux.ch hat eine Brücke zwischen unserem Matrix-Raum und unserer Telegram-Gruppe eingerichtet. Somit spielt es keine Rolle, von welchem System aus man an der Kommunikation teilnimmt.

Auch die Erweiterbarkeit des Element-Clients kann sich sehen lassen. Über Bots können andere Services in Element integriert werden. Dazu gehören Bildersuche, GIF-Suche, Github-Zugriff, Einbinden von RSS-Feeds oder die Wikipedia-Suche. Mit Widgets lässt sich die Funktionalität von Element weiter aufbohren. Zur Verfügung stehen beispielsweise Etherpad, Google Kalender, Jitsi, Spotify, Youtube und Stickerpack.

Quelle: https://element.io/