Drei Webangebote wollte ich gestern besuchen - nichts ging. Die Seite meiner Uni: abgeschaltet. Finanzamt Bayern: abgeschaltet. Die Terminseite meines Friseurs: nicht erreichbar. Die PHP-Sicherheitslücke hat weltweite Auswirkungen: Millionen Dienste wurden vorsorglich abgeschaltet. Auch wenn Updates zeitnahe eingespielt werden - die nächsten Vorfälle werden nicht auf sich warten lassen.
Nun kann man bei komplexen Webangeboten nicht einfach auf PHP verzichten. Aber WordPress, das laut Wikipedia auf 63 % aller Webseiten mit CMS eingesetzt wird (Stand: Mai 2023), ist ein gutes Beispiel, um zu fragen, ob es nicht auch anders geht. Bei FOSSWELT/GNULinux setzen wir Bludit ein, das zumindest ohne Datenbank auskommt und damit die Angriffsfläche deutlich verringert. Doch es geht noch mehr. In unserer Serie zum Thema "Static Site Generators" haben wir vor einiger Zeit einige Alternativen vorgestellt. Darunter war auch Publii. Publii ist weniger "nerdig", wird aktiv entwickelt und hat in den letzten Monaten einige Neuerungen erhalten. Daher möchte ich die Vorteile gegenüber verbreiteten Systemen wie WordPress anhand dieser Anwendung etwas erläutern.
Dynamisch oder statisch?
Einfach ausgedrückt: Die meisten Content-Management-Systeme basteln die fertige Webseite, die dem Besucher angezeigt wird, erst nach dessen Anfrage zusammen. Dazu nutzen sie Datenbankfelder, zum Beispiel für Preise, Kleidergrößen und Fotos. Dadurch kann ein Angebot sehr flexibel sein, erfordert aber gleichzeitig eine größere Infrastruktur und etliches an Ressourcen. Eine statische (HTML-)Seite liegt hingegen fix und fertig auf dem Server bereit und kann beim Abruf sogar Geschwindigkeitsvorteile bringen. Die statische Variante ist also nicht "schlechter" als die dynamische, sie bietet nur weniger Möglichkeiten. Reiseportale, Shoppingseiten usw. können entsprechend nur mit dynamischen Seiten arbeiten. Hingegen kann man bei einfacheren Angeboten durchaus gut mit der statischen Variante fahren: Webseiten von Vereinen, ehrenamtlichen Organisationen, Portfolioseiten, Reise- und Fotojournale usw.
Das Prinzip hinter den Generatoren
Der "Zusammenbau" einer Webseite erfolgt lokal auf dem eigenen Gerät. Erst danach werden die Seiten auf den Server übertragen.
Dabei müssen die fertigen Seiten nicht "schlicht" aussehen. Auch auf diesem Weg können komplexe Designs zum Einsatz kommen. Ebenso können unterschiedliche Editoren zum Einsatz kommen. Publii stellt z. B. einen Markdown-, einen (Gutenberg-)Block- und einen WYSIWYG-Editor zur Verfügung.
Die Übertragung der Dateien auf den eigenen Webserver kann auf gewohnte Weise, etwa mit FileZilla, erfolgen. Das erledigt Publii auf Wunsch aber auch direkt:
Und noch ...
Im bereits erwähnten Artikel wird das Vorgehen mit Publii ausführlich erläutert. Daher hier nur ein paar Hinweise zu Neuerungen, die in den letzten Monaten bei Publii ergänzt wurden:
Die Vorschau erfolgt nun über einen lokalen Server im Browser (früher wurde die Datei aufgerufen):
In den Einstellungen kann das Blockieren von KI-Bots vorgenommen werden (das funktioniert natürlich nur, wenn sich die Bots daran halten - aber immerhin):
Nachgerüstet wurde endlich auch die Möglichkeit, zusätzlich zu den bisherigen Artikel-Posts auch "Pages" definieren zu können (z. B. für "Über uns"-Seiten, Impressum usw.).
Für die Menügestaltungen gibt es einen Editor:
Unterschiedliche Webangebote können gleichzeitig gepflegt werden - ein einfacher "Umschalt-Klick" genügt.
Auch das Plugin für den WordPress-Import wurde verbessert und erkennt nun Seitenhierarchien besser. Wer also lieber mit einer grafischen Oberfläche arbeitet, für den könnte Publii (gibt es für Linux, Windows, macOS einen Versuch wert sein.
Bildnachweise:
Fotos und Screenshots vom Artikelautor






