Init Freedom: Devuan

Mi, 12. Januar 2022, Niklas

In der Debian Community wurde sehr heftig und lange über einen möglichen Wechsel zu systemd gestritten. Als man sich letztendlich dafür entschied, waren darüber viele verärgert und starteten Ende 2014 den Fork Devuan. Dieser bietet nicht nur weiterhin das bisher verwendete SysVInit an, sondern gibt dem Nutzer die Wahlfreiheit mit OpenRC, runit und Upstart als mögliche Alternativen.

Devuan ist eine der bekanntesten und verbreitetsten systemd-freien Distributionen, die inzwischen als Basis für 18 Derivate dient, die ebenfalls ohne systemd auskommen und weitere Besonderheiten bringen. Darunter befinden sich beispielsweise Exe GNU/Linux, das den KDE 3 Fork Trinity als Desktop mitbringt, Maemo Leste, eine freie Weiterentwicklung von Nokias Debian-basiertem Handybetriebssystem Maemo und Heads, eine Art Tails ohne systemd und mit Linux-libre Kernel.

Devuan bietet eine Vielzahl verschiedener Installations- und Live-Images an. Neben dem bei modernen Computern verbreiteten x86_64 werden auch noch 32Bit Images angeboten. Zudem unterstützt Devuan eine grosse Auswahl verschiedenster ARM Geräte, wie beispielsweise den Raspberry Pi und andere Einplatinencomputer, und die PowerPC64 Architektur.

Ich lade mir das 1,2 GB grosse desktop-live ISO herunter. Dieses bringt Xfce, Devuans Standard-Desktopumgebung mit. Ausserdem nutzt es Devuans Standard Init System SysVinit. Das System startet schnell in eine grafische Oberfläche. Einige nützliche Programme wie Firefox ESR und LibreOffice sind bereits im live System vorhanden. Es wird allerdings auch hier wieder ein OverlayFS benutzt, was bedeutet, dass alle Änderungen nach einem Neustart verloren gehen.

Ich starte also eine Installation auf einen zweiten USB-Stick, damit meine Einstellungen dauerhaft gespeichert werden können. Dafür ist bereits eine Verknüpfung namens Install Devuan auf dem Desktop vorhanden, hinter dem sich der Refracta Installer, ein grafisches Installationsprogramm, verbirgt.

Bereits im zweiten Schritt zeigt es an, dass es /dev/sda2 als Boot Partition erkannt hat. Das ist falsch. Ich bekomme schon ein ungutes Gefühl, aber mache zunächst weiter. In den nächsten Schritten kann ich ein paar Einstellungen vornehmen und mit GParted meinen USB-Stick partitionieren. Ich lege eine 100 MB grosse FAT32 Partition für den Bootloader an und nutze den restlichen Platz für eine Ext4 Partition für Devuan.

Ich kann anschliessend die Ext4 Partition für das System auswählen, habe jedoch im gesamten Prozess nicht die Möglichkeit, die Partition für den Bootloader zu wechseln. Auf der Seite mit der Zusammenfassung breche ich die Installation ab. /dev/sda2 liegt auf der internen Festplatte, ich würde mir so den Bootloader meiner FreeBSD Installation überschreiben.

Tipp: Für die, die Devuan gerne auf dem Computer installieren möchten, empfehle ich nach dieser Erfahrung nicht die Nutzung des Live ISOs, sondern eines ISOs mit Installation über das Terminal. Hier bietet sich zum Beispiel das Netinstall ISO an. Dort kommt Debians Installationsprogramm zum Einsatz, welches euch die Bootloader-Partition frei auswählen lässt.

Ich führe meine weiteren Tests mit dem live System durch. Die relativ umfangreiche live Umgebung von Devuan scheint mir dafür ausreichend. Im Terminal-Installationsprogramm habt ihr übrigens auch die Möglichkeit, schon während der Installation eure bevorzugte Desktopumgebung und euer bevorzugtes Init System auszuwählen.

Mit aktueller Software punktet Devuan erwartungsgemäss nicht. Nach einem vollständigen Update mittels sudo apt-get update && sudo apt-get dist-upgrade habe ich beispielsweise die Firefox Version 78.15.0 ESR, die seit Oktober dieses Jahres nicht mehr unterstützt wird - und das sogar, obwohl die aktuelle Devuan Version Chimaera erst 9 Tage nach dem letzten Update für Firefox 78 ESR veröffentlicht wurde. Bei Debian selbst kommt die gleiche veraltete Version zum Einsatz.

Die Auswahl an Software im Devuan Repository ist in höchstem Masse enttäuschend. Zum Surfen im Internet bekomme ich den normalen Firefox, keine datenschutzfreundlichen Forks wie LibreWolf, IceCat oder Iceweasel. Ausserdem nicht den leichtgewichtigeren Otter Browser. Native Matrix Clients wie Fractal (GTK) oder NeoChat (Qt) vermisse ich ebenfalls. Für Tox ist der Client qTox vorhanden. Retroshare fehlt. Einziger Lichtblick ist, dass ich das Textverarbeitungsprogramm AbiWord im Repository finden kann.

Wenn man Devuan als Server benutzen will, sieht es nicht viel besser aus. Ich habe zwar die freie Auswahl zwischen Apache2, Nginx und lighttpd. Die Programmiersprache PHP ist jedoch nur in Version 7.4 vorhanden, aktuell wäre 8.1. PHP 7.4 erhält zwar noch Updates, für bessere Kompatibilität mit moderner Software ist es allerdings nicht sinnvoll, eine Major Version zurückzuliegen. Der Matrix Server Synapse ist gar nicht vorhanden, für XMPP/Jabber steht mir sowohl Ejabberd als auch Prosody zur Verfügung.

Wirklich überraschend kommt das nicht. Die Aktualität und Auswahl im Debian Repository ist ähnlich ernüchternd. Dort setzt man oft auf fremde Repositorys, die man bei Devuan ebenfalls nutzen kann. Hierbei gibt es allerdings immer die Gefahr, dass Pakete nicht optimal mit dem System kompatibel sind oder Chaos anrichten, was bei offiziellen Repositorys der Distribution in der Regel nicht vorkommt.

Devuan herunterladen

Fazit: Wer Debian mag, wird auch Devuan mögen. Die beiden Distributionen sind sehr ähnlich. Der grösste Unterschied ist die freie Wahl des Init Systems bei Devuan. Wer mit Debian allerdings nichts anfangen kann, sollte sich lieber eine andere systemd-freie Distribution anschauen. Ich persönlich bin nicht besonders angetan von Devuan, hatte jedoch auch keine hohe Erwartungshaltung, da mir Debian ebenfalls nicht zusagt.

Quellen: