Init Freedom: Zusammenfassung

Fr, 14. Januar 2022, Niklas

Alternative Init Systeme gibt es inzwischen viele, und mindestens genauso viele Gründe, weshalb man systemd nicht nutzen möchte. Je mehr unabhängige kleine Pakete systemd durch sein unflexibles zusammenhängendes Konstrukt ersetzt, desto mehr Linux Distributionen entstehen, die sich Init Freedom als Ziel gesetzt haben.

Devuan listet inzwischen 15 systemd-freie Linux Distributionen bei seiner Init Freedom Kampagne. Auf Distrowatch finden sich sogar 98 Systeme, wobei allerdings viele auch Forks von anderen systemd-freien Distributionen sind oder gar nicht den Linux Kernel nutzen. In den letzten Wochen habe ich sechs solche Distributionen selbst ausprobiert und näher vorgestellt. Das Ergebnis: Ein Leben ohne systemd ist noch möglich und wenn die Distribution gut gemacht ist, muss man auf nichts verzichten.

Hier nochmal ein Überblick über die gesamte Artikelserie:

  • Auch systemd ist nicht alternativlos
    • Was haben Distributionen früher eingesetzt?
    • Was nutzen andere Unix-artige Systeme?
    • Welche alternativen Init Systeme gibt es?
    • Ein paar systemd-freie Linux Distributionen
  • Artix Linux
    • Zusammenschluss aus Arch-OpenRC und Manjaro-OpenRC
    • Bietet OpenRC, runit, s6, suite66 und dinit als Init System an
    • Eine gewohnte Umgebung für Arch Nutzer
    • Bietet einige interessante Pakete an, die Arch selbst nicht hat
  • GNU Guix
    • Eine Distribution vom GNU Projekt selbst
    • Nutzt den Linux-libre Kernel ohne Binärblobs und unfreie Treiber
    • Nutzt GNU Shepherd als Init System
    • Ähnliches Konzept wie NixOS
  • Parabola GNU/Linux-libre
    • Ist ein Fork von Arch Linux
    • Nutzt den Linux-libre Kernel ohne Binärblobs und unfreie Treiber
    • Bietet wahlweise OpenRC oder systemd als Init System an
    • Bietet die meisten Pakete aus dem Arch Repository und einige von unfreien Bestandteilen befreite Pakete an
  • Void Linux
    • Ganz unabhängige Distribution, kein Fork
    • Setzt voll und ganz auf runit als Init System
    • Bietet wahlweise musl oder glibc als Standard-C-Bibliothek an
    • Hat ein riesiges Angebot an Paketen im Repository
  • Alpine Linux
    • Unabhängige Distribution, ist die Basis für postmarketOS
    • Nutzt OpenRC als Init System und musl als Standard-C-Bibliothek
    • Ersetzt viele gängige Pakete durch leichtgewichtigere, zum Beispiel die GNU Coreutils durch Busybox
    • Hat neben den verbreitetsten Paketen im Repository eher wenig zu bieten
  • Devuan
    • Ist ein Fork von Debian
    • Verbreitetste systemd-freie Distribution und Grundlage für 18 Derivate
    • Bietet SysVInit, OpenRC, runit und Upstart als Init System an
    • Pakete sind veraltet und die Auswahl ist gering
  • Von Arch zu Artix wechseln
    • Umstellung der Repositorys
    • Installation der passenden OpenRC Pakete für jeden Service
    • Bestehendes Arch Linux System kann in ein paar Minuten auf Artix Linux migriert werden
    • Einstellungen, Dateien und installierte Programme bleiben erhalten.

Wie so oft in der Open-Source Szene kann sich ein Blick über den Tellerrand lohnen. Sicher ist der de-facto-Standard Linux Kernel + systemd Init schon eine Verbesserung gegenüber Windows, aber ist das der Standard, an dem wir uns messen sollten? Die Open-Source-Community hat für jedes Problem nicht nur eine Lösung, sondern gleich mehrere, alle mit unterschiedlichen Funktionen, Stärken und Schwächen.

Viele der systemd-freien Distributionen bewähren sich hervorragend im Alltag. Meine beiden Arch Linux Laptops habe ich auf Artix Linux mit OpenRC migriert. Das war nicht schwierig und jetzt fühlt sich insbesondere der Bootvorgang deutlich schneller an - nachgemessen habe ich allerdings nicht. Meine beiden Matrix Server mit Arch Linux habe ich auf Parabola GNU/Linux-libre mit OpenRC migriert. Das war etwas komplizierter, aber auch machbar. Auf den meisten Servern sind ohnehin keine unfreien Treiber notwendig und mit dem Wissen, dass keine potenzielle Backdoor in den proprietären Binärblobs steckt, kann ich nachts besser schlafen.

Zum Abschluss der Serie möchte ich noch um Feedback bitten. Habt ihr euch vorher schonmal mit alternativen Init Systemen und systemd-freien Distributionen beschäftigt? Nutzt ihr sie regelmässig? Wo seht ihr Vorteile oder vielleicht auch Nachteile? Habt ihr durch meine Artikel neue Projekte entdeckt, die euch gefallen? Die ihr jetzt regelmässig nutzt? Schreibt es gerne in die Kommentare.

Quellen: