openSUSE Tumbleweed im Kurztest

Mo, 8. Juni 2020, Lioh Möller

Sogenannte Rolling-Release Distributionen gibt es wie Sand am Meer. Zu nennen wäre zum Beispiel Archlinux und deren Ableger. Seit einigen Jahren ist unter dem Codenamen Tumbleweed auch openSUSE im Rolling-Release Modell verfügbar. Im Gegensatz zu klassichen Distributionen gibt es dabei keine Releases, wie zum Beispiel 15.2 für die kommende openSUSE Leap Version, der stabile Variante des Betriebssystems.

Ein Punkt der Tumbleweed auszeichnet ist die Verfügbarkeit von aktuellen Software-Komponenten. Die Variante Leap nähert sich seit einiger Zeit immer mehr dem kommerziellen Ableger SUSE Linux Enterprise an, welcher oftmals ältere LTS Versionen des Kernels oder der Desktopoberfläche enthält. Innerhalb eines Leap-Releases finden keine grösseren Änderungen statt, lediglich Bugfixes und Sicherheitsupdates sind verfügbar oder Aktualisierungen einzelner Komponenten wie dem Browser.

Bei Tumbleweed gelangen neue Pakete deutlich schneller an den Endbenutzer. Dies bedeutet aber gleichzeitig auch eine Vielzahl von Updates welche in Form von sogenannten Snapshots zur Verfügung gestellt werden. Dabei handelt es sich um gebündelte und getestete Sammlungen von Paketaktualisierungen. Je nach Umfang können hier schon einmal mehrere hundert Megabytes an Updates zusammenkommen. Insbesondere für Nutzer mit eher schmalbandiger Internetleitung ist ein Rolling-Release daher wohl ungeeignet.

Wer die Vielzahl von Updates nicht scheut und auch einige Fehler in der Software in Kauf nehmen kann, dem sei Tumbleweed allerdings empfohlen. Neue Versionen der bekannten Desktopumgebungen Xfce, GNOME und KDE landen nahezu unmittelbar in der Distribution und so hat man die Möglichkeit direkt von den Neuerungen zu profitieren. Langjährige Nutzer von Freier Software wissen, dass die Entwicklung immer Upstream, also an der Quelle stattfindet. Dank Tumbleweed ist man dieser etwas näher.

Wie auch bei openSUSE Leap werden Multimedia-Codecs standardmässig nicht mit ausgeliefert. Das Community Repository Pakman schafft hier Abhilfe. Aktivieren lässt es sich mit wenigen Befehlen:

zypper ar -cfp 90 http://ftp.gwdg.de/pub/linux/misc/packman/suse/\
openSUSE_Tumbleweed/ packman
zypper dup --from packman --allow-vendor-change

Danach lässt sich beispielsweise VLC mit allen benötigten Codecs installieren und nutzen.

Eine Aktualisierung des Systems erfolgt über den zypper dup Befehl und nicht wie vom openSUSE Stable Release gewohnt mit zypper up. Grundsätzlich ist eine Aktualisierung über ein Terminal unter Tumbleweed der Verwendung von grafischen Update-Utilities vorzuziehen.

Weiter Informationen findet man im Tumbleweed-Portal des openSUSE Wikis.

Quelle: https://software.opensuse.org/distributions/tumbleweed