Xmonad

Mo, 12. April 2021, Philipp

Viele kennen und benutzen die “großen” Desktopumgebungen wie KDE, GNOME usw. im täglichen Einsatz. Diese bieten schöne bunte, verschiebbare Fenster und legen viel Wert auf einfache Bedienung. Es gibt aber eine, nicht zu unterschätzende, kleine Nische von Fenstermanagern, die dieses Konzept aufbrechen und grundlegend anders gestalten.

Diese Nische nennt sich Tiling Window Manager und zu diesen gehört auch xmonad.

Was macht xmonad so besonders?

xmonad (und Tiling Window Manager im allgemeinen) legen grundsätzlich Wert auf Platz- und Speichersparsamkeit sowie höchste Effizienz beim Arbeiten mit dem System. Die meiste Zeit beim Arbeiten am Rechner wird damit verbracht die Fenster möglichst effizient zu platzieren. Bei xmonad wird die Anordnung vom Fenstermanager übernommen und der Mensch vor dem Rechner muss sich darum keine Gedanken mehr machen. Wenn die Anordnung der Fenster nicht gefällt, kann zwischen verschiedenen Anordnungen gewählt werden und das alles per Tastenkombination.

Die Bedienung von Xmonad baut auf der sogenannten Mod-Taste auf. Diese wird in der Konfigurationsdatei festgelegt. Hier empfiehlt sich die "Windows"-Taste da diese eh recht selten benutzt wird. Mit folgender Tastenkombination könnte bspw. ein Terminal in einem neuen Fenster geöffnet werde:

Mod + Enter

Würde man diese Tastenkombination erneut benutzen, wird ein zweites Fenster geöffnet. In diesem Fall wären dann zwei Terminals mit je der Hälfte des Bildschirmplatzes geöffnet. Um den Platz auf dem Bildschirm noch besser ausnutzen zu können, verzichtet xmonad auf Fensterdekoration (diese netten kleinen Titelleisten an Fenstern mit den Schaltern “Minimieren”, “Maximieren” und “Schließen”).

Das Verhalten von xmonad ist bis ins kleinste Detail konfigurierbar, d.h. Farben, Tastenkombinationen, verschiedene Bildschirme, Verhalten und Anordnung der Fenster (sogar als Fibonacci Spirale), Systemleiste und noch sehr vieles mehr. Das alles wird konfiguriert in einer einzigen Datei, der xmonad.hs.

Wie man an der Dateiendung *.hs schon erkennt, ist xmonad komplett in Haskell geschrieben. Das sorgt einerseits für hohe Stabilität und andererseits für sehr wenig Speicherplatzverbrauch und trotz Haskell ist die Konfigurationsdatei sehr übersichtlich und lässt sich auch von Nicht-Haskell-Programmierern gut konfigurieren.

Ich habe xmonad nun seit ca. 2 Jahren im produktiven Alltagseinsatz (Softwareentwicklung und System-Administration) und muss sagen, wenn sich das Muskelgedächtnis an die Tastenkombinationen gewöhnt hat, wird es schwer sich jemals wieder von xmonad zu trennen. Wer seine Effizienz unter Linux weiter steigern möchte, für den lohnt es sich also alle mal in diesen Kaninchenbau hinabzusteigen.

Xmonad sollte in den meisten Softwarequellen der gängigsten Distributionen zu finden sein.

Quelle: https://xmonad.org

klt
Geschrieben von klt am 14. April 2021

Danke für den Artikel. Ich bin im März von MacOSX auf Ubuntu+Xmonad umgestiegen und finde Xmonad sehr gut. Meine Konfiguration habe ich veröffentlicht: https://codeberg.org/klt/xmonad-klt. Vielleicht sind von dieser ein paar Teile für andere zu gebrauchen. Verbesserungsvorschläge willkommen!

Floating
Geschrieben von Floating am 14. April 2021

apt install --no-install-recommends xmonad Need to get 531 kB of archives. 2 Tage getestet, der Look und der Speed ist TOP! DWM ist auch sehr fein! Dennoch bleibe ich bei openbox, selten aktiviere ich dwm oder womöglich xmonad. Getestet habe ich sicher schon 10 bis 20 verschiedene Fenstermanager, effizienter, schneller arbeiten kann ich mit openbox und tint2. I like Floating Window Managern. Wann gibt es hier einmal Umfragen, z. B. welcher Fenstermanager ist aktuell der Beliebteste?

Joël Admin
Geschrieben von Joël am 14. April 2021

Danke für deinen Kommentar! Gerne kannst du bei uns auch mal Testberichte zu deinen getesteten WMs schreiben. Wir würden uns freuen. Wir haben in der Vergangenheit auch schon Umfragen gemacht, jedoch nur auf Mastodon. Wir haben vor, diese wieder einzuführen, evtl. sogar direkt auf der Webseite.

Hinweis: bitte verwende in Zukunft eine exisitierende E-Mail-Adresse, siehe https://gnulinux.ch/kontakt#Verhaltensregeln

mon
Geschrieben von mon am 16. April 2021

Korrektur, daher die Tastenkombination für Scripte sowieso schon in der $HOME/.xbindkeysrc stehen, und für mich openbox im Vergleich zu xmonad verstaubt wirkt, bleibe ich jetzt bei xmonad. Nach 10 Jahren openbox ist es eh schon höchste Zeit für etwas Neues. Die $HOME/.xmonad/xmonad.hs ist zwar ziemliches Neuland, wenn man danach sucht, gibt es aber ausreichend Beispiele. Vielen Dank für eure schöne, informative Webseite.

Joël Admin
Geschrieben von Joël am 16. April 2021

Freut uns, dass dir unsere Webseite gefällt! Gerne kannst du auch unseren Gruppen auf Matrix oder Telegram beitreten, es lohnt sich! Natürlich darfst du auch bei uns mitschreiben - ohne Verpflichtungen etc.

tux.
Geschrieben von tux. am 12. April 2021

Ich bin mit Floating Window Managern - und dafür tmux in der Konsole - deutlich effizienter als mit Tiling auf dem ganzen Desktop. Liegt aber auch daran, dass ein typischer Webbrowser einfach viel zu viel Platz braucht, um in so einem kleinen Bildschirmquadrat noch Sinn zu ergeben.

Ansonsten: Die Abhängigkeiten von Xmonad sind - ähnlich wie die von awesome wm - gar nicht mal so kompakt. Da ist dwm deutlich vorbildlicher.

Monstanner
Geschrieben von Monstanner am 12. April 2021

Das hätte damals IBM für OS/2 v. 1 gebrauchen können. Spaß beiseite. Ist wirklich Recht interessant. Wird bei Zeiten mal installiert und getestet.