Bericht zur Fairmaus und deren Zusammenbau

  Götz   Lesezeit: 4 Minuten Auf Mastodon ansehen

Die Fairmaus ist ein gelungenes Lötprojekt mit guter Hardware, aber die katastrophale Anleitung voller Fehler trübt den sonst positiven Gesamteindruck.

bericht zur fairmaus und deren zusammenbau

Im letzten Artikel habe ich über die Fairmaus geschrieben, heute möchte ich von deren Zusammenbau berichten. Wie immer bei Lötprojekten kommt es auf diese drei Dinge an:

  • Wie gut ist die Anleitung?
  • Wie gut sind die Bauteile?
  • Was benötige ich zusätzlich?

Anleitung

Mit dem Kauf des Bausatzes habe ich den Link zu einer Anleitung erhalten. Dieser zeigt auf das PDF einer Anleitung die vom 29.12.2025 stammt. Gut, das Projekt existiert seit mehreren Jahren, da wird es wohl eine gute Anleitung geben.


Pustekuchen, es ist eine Bilderserie die aus beschrifteten Zwischenschritten besteht und untereinander angeordnet sind. Dabei sind die Bilder in verschiedene Arbeitsschritte eingefasst, mit ergänzenden Textpassagen. Jedes Bild ist linksbündig, etwa 1/4 bis 1/3 der Seitenbreite, teilweise enorm pixelig und schlecht kontrastiert. Warum vor allem das grüne PCB auf einem roten Hintergrund fotografiert wurde erschließt sich mir nicht. Ich bin, wie viele Männer, rot-grün schwach und wenn ich auf schlechten Bildern Löcher auf einer roten Unterlage erkennen soll – ja bitte was soll denn das?
Macht doch bitte eine Anleitung mit dem Layout wie es aus dem Layoutprogramm herauskommt, doch nicht mit Fotos.


Zusätzlich ist der Hintergrund auf dem PDF schwarz, mit weißer Schrift. Ja, es gibt Menschen die benutzen ihren PC so, aber wirklich, bei Anleitungen habe ich das noch nie gesehen.


Des weiteren scheint bei dem Generierungsprozess so einiges schiefgelaufen zu sein, denn Text und Bilder verschwinden bei den Seitenübergängen oder werden merkwürdig abgeschnitten und auf der nächsten Seite fortgesetzt.
Inhaltlich setzt sich das Trauerspiel fort, denn anscheinend bestücke ich die Kondensatoren und LED zweimal, vergesse aber dabei den bipolaren Kondensator völlig. Wie gepolt wird dieser verlötet? Ebenso ist die Beschriftung der zur Polung der LED zwar korrekt, auf dem Bild jedoch „falsch“ verbaut, man sieht das an dem Innenleben. Hat mich einmal Auslöten gekostet. Ebenso taucht irgendwann der Drehgeber für das Mausrad auf der Platine auf, da es aber nur eine Einbaurichtung gibt, ist das für den Laien nicht schwer zu erraten, aber man übersieht es dann leicht. Wenn am Ende der Lötanleitung Bauteile übrig bleiben, ist das immer ein schlechtes Zeichen. Ebenso ist die Handhabung des Gehäuses für das Ermöglichen des „Mausraddrucks“ zwar nett beschrieben hat aber überhaupt nicht mit dem Gehäuse zu tun, was ich habe. Das Kabel im Gehäuse durch die Zugentlastung zu legen wird dabei geflissentlich ignoriert und überhaupt nicht beschrieben wie es verlegt werden soll.


Ich glaube, das ist bisher mit Abstand die schlechteste Bastelanleitung, die ich je gesehen habe.


Wenn wir auf Codeberg in das Repository schauen, dann sehen wir dagegen eine relativ gute Anleitung. Einmal als PDF und einmal als statische Website. Die Bilder sind zentral, die Anordnung des Textes sinnvoll, keine Fehler in der Formatierung und sie ist vollständig. Zwar ist die Qualität der Bilder immer noch fragwürdig, die LED auf dem Schaubild immer noch falsch verbaut und die Handhabung des Gehäuses zur Ermöglichung des Scrollraddrucks für mich nicht zutreffend, dass Verlegen der Zugentlastung immer noch nicht erklärt, aber hey Formatierung! Die Anleitung ist Ausreichend, mehr aber auch nicht.

Bauteile

Man merkt, dass in das Platinenlayout viel Arbeit eingeflossen ist. Alles in allem ist das Löten damit sehr einfach, man steht sich selbst nicht im weg, die SMD Bausteine sind weit genug entfernt und die Gefahr etwas falsch zu machen ist gering. Ich halte das für sehr gut tauglich für Anfänger und war eine nette Fingerübung für mich. Das Gehäuse liegt angenehm in der Hand und knarzt auch nicht.

Innenansicht mit fertig bestückter Platine und verlegtem Kabel, fertig zum Zuschrauben

Innenansicht auf die Lötstoppmaske mit allen verlöteten Bauteilen

Unteransicht auf die verschraubte aktive Computermaus mit dem Siegel für den "Blauen Engel" und Nager-IT Logo

Eigenmaterial

Man selbst benötigt bleifreies Lötzinn, eine Lötstation und T9, sowie T10 Torx Schraubendreher. Das ist mein größter Kritikpunkt: wieso Torx? Warum nicht Kreuzschlitz? Vor allem: warum zwei Profile? Vor allem T9 ist jetzt kein Standardbit. Ich selbst habe es an meinem aktuellen Standort nicht und habe mich mal wieder mit der klassischen Methode beholfen: Holzstäbchen kochen und heiß in das Profil drücken gefolgt von abkühlen. Danach habe ich einen einmal T9 Schraubendreher.

Einsatzbericht

Es ist eine Maus, auch wenn sie für meine Hände etwas zu klein ist, liegt sie gut in der Hand. Klicken und scrollen funktioniert reibungslos. Auch wenn mein klassisches Problem mit dem Druckpunkt des Scrollrads bestehen bleibt: entweder muss ich zu stark oder zu wenig drücken, die Fairmaus befindet sich da am unteren Ende der Skala. Das ist kein Problem der Computermaus, das ist mein persönlicher Wahnsinn. Die Länge des USB-Kabels ist passend, es stört nicht am Laptop und eignet sich für den stationären PC genauso. Das Holzrad ist dagegen mal was Neues, wie sich das langfristig mit dem Hautfett verhält, wird sich zeigen.


Alles in allem war das eine nette Bastelaufgabe, katastrophal war nur die Anleitung. Das kann nicht das Ergebnis eines Projektes sein, welches seit 2012 besteht, das muss besser gehen.

Quellen: im Text

Bilder: eigene Aufnahmen

Tags

Open-Hardware, Peripherie, Computer-Zubehör, Fair, Selbstbausatz

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