Wann ist das Jahr des Linux Desktops?

Di, 17. Januar 2022, Lioh Möller

Wann ist das Jahr des Linux Desktops? Dieser Frage gehen sehr viele Menschen nach. Dabei haben wir allerdings vergessen, dass unter den aktuellen Bedingungen Linux kaum mehr Verbreitung im Desktopbereich finden wird. Linux gilt als kompliziertes Nerd-Betriebssystem und alleine die Auswahl der passenden Distribution stellt viele vor ein unlösbares Hindernis. Den Ruf nur für Geeks und Hacker geeignet zu sein, hat sich Linux dabei hart erarbeitet und er wird in vielen Kreisen gepflegt und kultiviert (Stichwort: I use xyz, btw!)

Tatsächlich wurde das so weit verbreitete Windows Betriebssystem auch von Nerds konzipiert. Es erfreut sich lediglich einer höheren Akzeptanz, da unsere Gesellschaft bereits Kinder auf dessen Nutzung vorbereitet. Windows ist geprägt von Mutlosigkeit und wirkt auch im neuen Look in der Version 11 eher angestaubt. Radikale Umbauversuche, wie es mit Windows 8 der Fall war, wurden schnell wieder zurückgebaut.

Doch was braucht es, damit Linux im Massenmarkt mehr Akzeptanz findet? Insbesondere Einsteiger haben in der Regel nur wenige Bedürfnisse:

  • wartungsfrei
  • einfache Bedienbarkeit
  • Sicherheit

Wartungsfrei bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass regelmässig Updatemeldungen generiert werden, denn diese werden in den meisten Fällen gekonnt ignoriert. Systemaktualisierungen müssen bedienerlos im Hintergrund installiert werden. Dabei muss sichergestellt werden, dass auch bei einem Abschalten des Computers während des Updatevorgangs, dieser ohne Schwierigkeiten weiter funktioniert. Denn wer kennt das nicht? Genau dann, wenn die Meldung Schalten Sie Ihren Computer nicht aus erscheint, ist der Laptopakku leer.

Einfach und sicher gilt in der Regel als unvereinbar, doch mit den aktuellen Entwicklungen hat die Linux-Community erstmalig die Chance diese zwei Gegenpole miteinander zu verbinden.

Insbesondere mit GNOME steht eine Desktopoberfläche zur Verfügung, die sich konzeptionell stark von bisherigen Paradigmen unterscheidet und sehr zugänglich ist. Jung und Alt, mit oder ohne Vorwissen, finden sich dort schnell zurecht.

Auch die Grundlagen für ein möglichst sicheres System wurden bereits gelegt. Die meisten grösseren Projekte wählen aktuell den sogenannten immutable Ansatz, welcher zu einer Härtung der Basiskomponenten führt und Systemaktualisierungen deutlich vereinfacht. Kombiniert wird dies oftmals mit Flatpak als Paketformat, welches eine zusätzliche Isolation von Anwendungen erlaubt.

Technisch sind natürlich noch einige Vorarbeiten nötig, beispielsweise die Integration von Systemaktualisierungen in PackageKit, sodass sich Kernkomponenten parallel zu Flatpaks updaten lassen.

Einen etwas anderen Ansatz wählt das hochinnovative Clear Linux* Projekt, welches Updates bereits jetzt bedienerlos im Hintergrund installiert. Ähnliche Ansätze werden mit aller Wahrscheinlichkeit bei der Spielkonsole Steam Deck gewählt, die mit einem Linux Betriebssystem auf Arch Basis ausgeliefert werden wird.

Wenn technisch bereits nahezu alle Voraussetzungen erfüllt sind, ist dies der letzte offene Punkt, damit 2022 tatsächlich auch das Jahr des Linux Desktops werden kann. Hersteller müssen damit beginnen, Geräte direkt mit dem Freien Betriebssystem auszuliefern. Andernfalls wird 2022 alleine aufgrund der anzunehmenden Verbreitung der Steam Deck Konsole, welche sich auch als vollwertiger PC nutzen lässt, mit grosser Sicherheit das Jahr des Linux Desktops.

Bildquelle: https://xkcd.com/456/

Tags

Linux, Jahr, Desktops, Windows, Betriebssystem, Desktop, Systemaktualisierung, Akzeptanz