GLN007 - Linux Notebooks, E-Books, PinePhone und Argumente gegen Open Source

Mo, 1. Februar 2021, Ralf Hersel

Folge 7 des GnuLinuxNews-Podcasts, aufgenommen am 28. Januar 2021.

In dieser Folge sprechen Ferdinand, Ralf, Peter und Nils über die Relevanz von Linux Notebooks, wie man E-Books unter Linux lesen kann, geben einen Überblick über Linux auf dem PinePhone und fragen uns, wie man Argumenten gegen Open Source kontert.

Shownotes

Relevanz von Linux-Notebooks

In den letzten Jahren sind vermehrt Linux-Notebooks stark im Kommen. Alleine der deutsche Ausrüster Tuxedo Computers hat in 2020 13 Linux-Notebooks auf den Markt gebracht.

Bekannte Anbieter sind:

Darüber hinaus statten Hersteller wie Dell und Lenovo einige ihrer Notebooks auch mit Linux aus. Der Anspruch der einzelnen Hersteller ist dabei unterschiedlich:

  • Purism stattet alle Notebooks neben dem eigenen Betriebssystem PureOS mit Pureboot, einem hochsicheren Bootprozess mit dem alternativen BIOS Coreboot und der manipulationssicheren Boot-Software Heads aus.

  • System76 stattet einige seiner Notebooks mit einem Fork von Coreboot aus. Das hauseigene POP OS kommt durchgehend zum Einsatz.

  • Tuxedo Computers arbeitet nach eigenem Bekunden auch an Coreboot und bietet darüber hinaus neben Tuxedo OS auch Unterstützung für weitere Distributionen an und erstellt eigene Treiber.

Bei den Preisen liegen Purism und System76 an der Spitze, Tuxedo bewegt sich eher im normalen Preisbereich vergleichbarer Geräte.

E-Books unter Linux

  • Offener Brief des Deutschen Bibliotheksverbands (unterschrieben 600 Bibs) an die MdB

    • Problem: 70% der Top-Seller werden den Bibs als E-Book bis zu einem Jahr vorenthalten

    • Forderung: E-Books sollen dem gedruckten Buch rechtlich gleichgestellt werden, bzgl.: MwSt, Buchpreisbindung und fairer Lizenzmodelle. Die Bibliothekstantieme soll auf elektronische Werke ausgeweitet werden, damit Autorinnen auch für das E-Lending wie bei gedruckten Büchern angemessen vergütet werden.

  • Was ist DRM? Was ist hartes und weiches DRM (Wasserzeichen)?

  • Kein Besitz, sondern eine Nutzungslizenz

  • Unterschied EPUB und ACSM Datei (hartes DRM)

  • Anwendungsfall 'Von der Bücherei bis zum E-Book Reader'

    • Bücherei imitiert das analoge Ausleih-Konzept: Anzahl Exemplare, Ausleihdauer

    • Hartes DRM über Adobe Digital Editions (ADE)

    • ADE nicht für Linux verfügbar. Über Wine sehr schwierig. Android Version ist grottig.

    • ADE 2.0.1 unter Windows in VM installieren

    • ADE holt über die ACSM das EPUB und pappt DRM darauf

    • Zwischenziel: EPUB ist vorhanden, aber verseucht

    • Calibre mit deDRM-Plugin

    • EPUB wird beim Öffnen in Calibre vom DRM befreit

    • EPUB kann dann auf beliebigen Geräten beliebig lange gelesen werden und in der Familie getauscht werden

  • Alternative: man findet Tausende E-Books ohne DRM. Suche: 'freie Ebooks' oder hier:
    https://allesebook.de/kostenlose-ebooks/

Überblick über die Linux-Smartphone Distributionen und Desktop Environments auf dem PinePhone

  • Distributionen: Es gibt ~ 20 Distributionen (und es werden immer noch mehr).

  • Graphische Oberflächen:

    • Glacier UX (Nemo Mobile)

    • Hildon (Maemo Leste)

    • Lomiri (Ubuntu Touch und Manjaro Lomiri (Alpha-Stadium)

    • Plasma Mobile (KDE Neon, Manjaro, OpenMandriva, OpenSUSE, postmarketOS)

    • Phosh (postmarketOS, Arch Linux ARM/DanctNIX Mobile, Manjaro, PureOS, OpenSUSE, Fedora

    • Gebastel mit TilingWM: Sxmo, Sway ...

    • oder auch GNOME, MATE, Xfce …

  • Was läuft: Definitiv nicht alles. Teilweise funktioniert die Datenverbindung nicht (vor allem mit Ofono-einsetzenden Distributionen (Manjaro Plasma Mobile z.B., was sonst definiti), Anrufe im Standby nicht und so weiter. Aber Mobian, Manjaro Phosh, Arch Linux ARM (siehe mein momentanes Setup) und postmarketOS edge mit Phosh kann ich aus eigener Erfahrung bzw. Berichten aus vertrauenswürdigen Quellen empfehlen.

  • Generell ist alles um die Kamera noch schwierig

    - Megapixels macht zwar (beim zweiten Start für die Hardware gute Bilder,

    • aber: Video geht noch nicht wirklich,

  • und Kamerasupport fehlt generell in Apps – zwar gibt es QR-Code reader etc, aber sie funktionieren noch nicht. Das heißt auch: Videochats sind einfach noch nicht möglich.

  • Apps gibt's auch ein paar.

  • Wöchentliche Linux auf Smartphone-News und mehr findet ihr auf Peters englischsprachigem Blog linmob.net.

Kenne deinen Feind, Argumente gegen Open Source

  • AWS (bleibt bei der Apache-Lizenz) forkt ElasticSearch (wegen Server Side Public License)

  • Vermeintliche Diskriminierung, wegen schlechten Kenntnissen etc.

  • Angst vor Software Piraterie

James
Geschrieben von James am 22. Februar 2021

Unser hiesiger Buchladen hat vor Jahren in einen Onlineshop investiert und bietet dort auch Ebooks und Hörbücher an - was genial ist, denn so kann ich Amazon und Co. perfekt boykottieren, ein lokales Unternehmen unterstützen, Linux mit Calibre nutzen und bequem meine eBooks lesen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es deswegen funktioniert, weil ich kaum Selfpublisher und keine Fachbücher lese. Vor vier oder fünf Jahren waren vereinzelt Bücher z.B. nur bei Thalia erhältlich und dort auch nur mit DRM. Da bin ich dann auch den im Podcast angedeuteten Weg gegangen. In einem Fall habe ich den Autor angemailt und ihm mein Leid geklagt. Das fand er recht interessant und wir konnten uns per Paypal einigen.

UbIx
Geschrieben von UbIx am 20. Februar 2021

eBooks/DRM: Es gibt einige Vertreiber die beide Typen verkaufen (z.B. Weltbild) oder fast Ausschließlich eBooks mit weichen DRM anbieten (z.B. Onlinekiosk.de) sowie Zeitschriften (c't. Linux-User, Linux-Magazin, EasyLinux, ...). Ich habe für meine Frau und mich nur ausschließlich Bücher mit weichen DRM gekauft. Top Bücher gibt es meist erst nach einer gewissen Zeit mit weichen DRM.

Stefan
Geschrieben von Stefan am 2. Februar 2021

Erst einmal Danke für den tollen Podcast. @Linux-Notebooks: Ich habe meiner Freundin ein Tuxedo Aura 15'' mit AMD Ryzon empfohlen, das sie nach recht langer Wartezeit (1. Monat) Anfang Dezember 2020 bekommen hat. Das Gerät sieht schick aus, aber hat von Anfang an nur Probleme gemacht. Nach zwei Tagen hängte sich das Gerät auf und ließ sich nicht mehr ausschalten, außerdem wurde es sehr heiß, sodass ich kurzerhand das Gehäuse öffnen musste, um das Stromkabel abzuziehen. Im Gerät ist eine Kingston-SSD verbaut. Die funktioniert nicht zuverlässig, sodass der Rechner häufig mit Schreib- und Lesefehlern abschmiert. Die Tuxedo-Leute haben auf der Webseite mittlerweile die Kingston-SSD Konfiguration für das Tuxedo-Aura herausgenommen! Der Support ist jetzt aber informiert und wir hoffen, das wir das in den Griff kriegen. Echt schade, weil meine Freundin jetzt deswegen nicht gerade begeistert ist.