GNOME OS?

Mo, 12. April 2021, Ralf Hersel

Mit der Veröffentlichung von GNOME 3.38.0 hat das GNOME Team begonnen, bootfähige VM-Images zum Debuggen und Testen von Funktionen zu erstellen und zu verteilen, bevor diese in einem Distributions-Repository landen. Diese ISOs heissen GNOME OS. Der Name selbst ist nicht neu und das, wofür er steht, hat sich seit seiner Einführung nicht dramatisch verändert. Seine Zielsetzung ist jedoch neu.

Das Ziel von GNOME OS ist es, die Entwicklung von GNOME zu erleichtern, indem es ein funktionierendes System für Entwicklung, Design und Benutzertests bereitstellt. Das Hauptmerkmal von GNOME OS ist, dass für jede Änderung in einem der Module ein neues Systemabbild erzeugt werden kann. Da es sich um hunderte von Modulen handelt, die voneinander abhängen und sich in die unteren Schichten des OS-Stacks integrieren, ermöglichen diese 'on demand images', den Start und die Sitzungsinitialisierung zu automatisieren, Design- und Implementierungsänderungen zu testen, Regressionen früher im Entwicklungszyklus zu erkennen und vieles mehr.


GNOME OS ermöglicht es dem Team, visuelle Inhalte vor der Veröffentlichung einfacher zu erstellen, Funktionen zu präsentieren und Fehlerbehebungen mit der gesamten Gemeinschaft der freien und quelloffenen Software zu besprechen und Initiativen wie das Veröffentlichungsvideo viel einfacher zu gestalten. Journalisten sind damit in der Lage, neue Versionen von GNOME vor der endgültigen Veröffentlichung zu beschreiben.


Was GNOME OS nicht ist

Trotz des Namens sollte GNOME OS nicht als GNOME-eigene Plattform oder Allzweckbetriebssystem betrachtet werden, und das aus guten Gründen. In seinem aktuellen Zustand ist GNOME OS immer noch ein unvollständiges Referenzsystem. Es ist die grösste Annäherung an ein GNOME-Plattform-Betriebssystem, aber dem GNOME-Team fehlen die Ressourcen, die nötig wären, um ein vollständig realisiertes, universelles Betriebssystem für den täglichen Gebrauch zu unterstützen.
 
Die Wartung eines Betriebssystems würde zumindest erfordern, dass man mit den Sicherheitsverbesserungen Schritt hält, die Hardware aktiviert und eine Art von Benutzerunterstützung anbietet. Jede dieser Aufgaben würde ein grosses Team erfordert, um sie richtig zu erledigen, und GNOME ist derzeit nicht darauf eingerichtet, sie zu bewältigen. Die Distributionen stecken eine Menge Aufwand in den Aufbau ihrer Plattformen, um die Änderungen, die von verschiedenen Upstreams kommen, zu pflegen und gemeinsam zu prüfen.
 
Ausserdem arbeiten viele GNOME-Mitwirkende bereits für Firmen, die Distributionen entwickeln (Canonical, Red Hat, SUSE, Endless, etc.) und es ist unklar, wie viele bereit oder in der Lage wären, eine weitere zu betreuen.


Für wen ist es gedacht?

In erster Linie ist es für Designer nützlich, damit sie nicht mehr Stunden mit dem Versuch verbringen müssen, selbst Software zu bauen, um die neuesten Entwicklungsversionen der Kernmodule (insbesondere GNOME Shell) zu testen. Diese Feedback-Schleife zu straffen ist sehr wertvoll, um ein ausgefeiltes Produkt zu liefern. Ausserdem kann das Team die Veröffentlichungen validieren, bevor sie auf dem Markt erscheinen; für Entwickler und Übersetzer, sodass sie ein komplettes System zum Testen und Debuggen ihrer Änderungen haben; für nachgelagerten Distributoren und Betriebssystemhersteller, die damit eine funktionierende Basis erhalten, mit der sie ihre eigenen Produkte vergleichen können. Und zu guter Letzt ist es auch für die Regressionstests gedacht.

GNOME OS kann als Nightly Build heruntergeladen und wie jedes andere Distro-Image in einer virtuellen Maschine installiert werden.

Quelle: https://blogs.gnome.org/alatiera/2020/10/07/what-is-gnome-os/

Markus
Geschrieben von Markus am 12. April 2021

Wie läuft das denn bei KDE neon ab? Machen das Ehrenamtliche oder einige der Entwickler von KDE?