Init Freedom: Void Linux

Mo, 10. Januar 2022, Niklas

Void Linux ist kein Fork einer anderen Distribution, sondern wurde von Grund auf neu geschrieben und hat seinen eigenen Paketmanager namens XBPS. Die Distribution ist ein Community-Projekt, welches vollständig von Freiwilligen gepflegt wird. Es handelt sich um eine Rolling-Release-Distribution, die trotzdem viel Stabilität verspricht.

Eine Besonderheit der Distribution ist, dass man die Auswahl zwischen glibc und musl als Standard-C-Bibliothek hat. Die meisten Distributionen setzen vollständig auf glibc, ein paar andere vollständig auf musl. Durch die Auswahlmöglichkeit sind alle Pakete doppelt im Repository vorhanden, jeweils als glibc oder musl Variante. Beim Init System gibt es hingegen keine Auswahl, hier setzt Void Linux ganz auf runit.

Eine weitere Besonderheit von Void Linux ist die besonders gute Unterstützung für das Anonymisierungsnetzwerk Tor. Der XBPS Paketmanager versteht die SOCKS_PROXY Umgebungsvariable, um Tor als Proxy zu nutzen und bietet sogar einen offiziellen Mirrorserver unter einer Tor .onion Domain an.

Wenn ich Void Linux ausprobieren möchte, habe ich die Wahl zwischen einem Basissystem ohne GUI oder einem vorinstallierten Xfce Desktop, jeweils mit glibc oder musl. Ich entscheide mich für die Variante mit Xfce und musl, da ich das System nur kurz ausprobieren möchte und mir so den Aufwand der manuellen Desktop-Installation erspare. Neben der klassischen x86_64 Variante wird Void Linux auch für ältere 32Bit Systeme sowie alle vier Versionen des Raspberry Pi angeboten.

Mit 858 MB ist der Download überraschend klein für ein live System mit vorinstalliertem Desktop. Ich schreibe das System auf einen USB-Stick, es bootet in Sekundenschnelle. Leider ist auch hier das live System schreibgeschützt, ich installiere es also wieder auf einen zweiten USB-Stick, um eine beschreibbare Root Partition zu bekommen. Die Installation verläuft reibungslos. Void Linux hat ein Installationsprogramm, welches ein User Interface im Terminal darstellt. Es ist ein relativ einfach verständlicher Prozess, das so installierte System funktioniert einwandfrei.

Anschliessend starte ich ein vollständiges Systemupdate. Dank Rolling Releases habe ich schnell ein aktuelles System mit den neuesten Paketen. Allgemein ist die Auswahl an Paketen im Void Linux Repository ziemlich gut. Ich finde hier zum Beispiel Venom, ein GTK-basierter Tox Chatclient und Retroshare direkt im offiziellen Repository. Bei Arch Linux müsste ich diese aus dem AUR holen.

Punktabzug gibt es nur für das Fehlen von LibreWolf, IceCat, Iceweasel und Ungoogled Chromium, aber da bin ich vermutlich inzwischen zu verwöhnt von den komplett freien Distributionen. Eine solche ist Void Linux ausdrücklich nicht. Als Kernel steht wahlweise der normale Linux Kernel in verschiedenen Versionen oder dessen LTS Version zur Verfügung.

Obwohl als fertiges Image nur Xfce bereitsteht, bietet Void Linux eine breite Auswahl an verschiedenen Desktopumgebungen an. Ich finde im Repository beispielsweise auch KDE Plasma, Cinnamon und Enlightenment. Diese können nachträglich installiert werden.

Abgesehen vom fehlenden systemd fühlt sich Void Linux nach einer ganz gewöhnlichen Linux Distribution an. Sie ist vor allem interessant für alle, die ohne grosse Umgewöhnung auf systemd verzichten wollen. Da sich Void Linux voll und ganz auf runit als Init System konzentriert, sind alle Pakete so optimiert, dass sie ohne weiteres damit funktionieren. Zusatzpakete mit -openrc, -runit oder ähnlicher Endung wie bei Artix sind hier nicht notwendig.

Void Linux herunterladen

Fazit: Void Linux ist ein solides System, das einen sehr schnellen und schlanken Eindruck macht. Es geht nicht ganz so viele Sonderwege wie einige vorher vorgestellte Distributionen, weshalb sich das Fachwissen, das man braucht, um Void Linux zu bedienen, in Grenzen hält. Void punktet mit einem grossen Softwareangebot im Repository und einen Mirror mit Tor Hidden Service.

Quellen: