Ralf hatte vergangene Woche einen Artikel über Invidious, YouTube und Co. geschrieben. Das habe ich zum Anlass genommen, einen eigenen Beitrag zu verfassen. Hier geht es um die Technik dahinter und den Versuch, das Ganze verständlich zu erklären.
YouTube schauen, ohne direkt bei YouTube zu landen, klingt im ersten Moment nach Trickkiste, ist am Ende aber einfach Technik. Genau hier setzt Invidious an. Es ist kein eigener Videodienst, sondern eine alternative Oberfläche für YouTube.
YouTube besteht grob aus zwei Teilen: Im Hintergrund laufen die Server von Google, auf denen Videos, Kommentare und Nutzerkonten liegen – das Backend. Vorn sitzt die Webseite youtube.com mit Player, Empfehlungen, Werbung und allem Drum und Dran – das Frontend. Invidious ersetzt nur dieses Frontend.
Die Videos bleiben komplett bei YouTube, du rufst sie aber über eine andere Oberfläche auf. Der Quellcode von Invidious ist offen einsehbar und hat nichts mit Google zu tun.
Wie funktioniert Invidious?
Wenn du ein Video anschaust, passiert Folgendes: Dein Browser geht nicht direkt zu youtube.com, sondern zu einer Invidious-Instanz. „Instanz“ bedeutet einfach, dass jemand Invidious auf einem Server betreibt und öffentlich zugänglich gemacht hat.
Diese Instanz fragt bei YouTube die nötigen Informationen ab – Titel, Beschreibung, Vorschaubild, Kommentare und den Link zum Videostream – und baut daraus eine eigene Seite. Du siehst nur Invidious, im Hintergrund liefert Google weiterhin das Video aus.
Invidious nutzt dafür nicht die offizielle YouTube-API, sondern liest die normale YouTube-Ausgabe aus und filtert die benötigten Daten heraus. Das funktioniert ähnlich wie bei Tools wie youtube-dl.
Welche Vorteile gibt es beim Datenschutz?
Datenschutzmäßig ist das ein ganz anderes Setup als der direkte Besuch bei YouTube. Auf youtube.com hängt an jedem Klick eine Menge Tracking, JavaScript und personalisierte Auswertung. Suchbegriffe, Verweildauer und Klickverhalten landen im Google-Profil.
Invidious nimmt dir einen großen Teil davon ab. Du surfst nicht auf der offiziellen Seite, Tracking-Skripte greifen nicht, Werbung wird ausgeblendet und der Empfehlungsalgorithmus tritt stark in den Hintergrund.
Die Oberfläche ist deutlich reduzierter und konzentriert sich auf das Wesentliche: Video schauen, suchen, abonnieren, Playlists und Kommentare – ohne dauerhaft ein Profil aufzubauen.
Was sieht Google trotzdem noch?
Ganz unsichtbar wird man dabei aber nicht. Standardmäßig lädt dein Browser den Videostream direkt von Google-Servern, meist über Domains wie googlevideo.com.
Google sieht dabei deine IP-Adresse, deinen Browsertyp und welches Video gerade abgespielt wird. Was Google nicht sieht: welche Invidious-Instanz du nutzt, welche Einstellungen du dort hast oder welche anderen Videos du über diese Oberfläche anschaust.
Viele Instanzen bieten deshalb die Option „Proxy Videos“ an. Ist diese aktiviert, holt nicht mehr dein Browser das Video direkt bei Google, sondern die Invidious-Instanz lädt den Stream und leitet ihn an dich weiter.
Für Google sieht es dann so aus, als würde nur der Invidious-Server die Videos abrufen. Deine eigene IP bleibt verborgen. Das erhöht den Datenschutz, kostet den Betreiber aber deutlich mehr Bandbreite und macht Sperren wahrscheinlicher.
Deshalb ist diese Funktion je nach Instanz eingeschränkt oder standardmäßig deaktiviert. Auf meiner Instanz ist sie nicht per Default aktiv und muss von jedem Nutzer selbst eingeschaltet werden.
Dauerhaft gespeichert werden Einstellungen meist nur, wenn man sich auf der jeweiligen Instanz ein Konto anlegt. Ohne Konto werden sie über Cookies gespeichert und nach dem Besuch wieder verworfen.
Keine Anpassungen, keine Werbung von Google
Invidious zeigt standardmäßig keine YouTube-Werbung an. Die Werbeblöcke der Originalseite werden in der alternativen Oberfläche gar nicht erst dargestellt.
Gleichzeitig fehlt der bekannte Sog aus automatischen Empfehlungen. Viele schätzen genau das: gezielt ein Video oder einen Kanal aufrufen, anschauen und wieder gehen – ohne sich durch endlose Vorschläge zu klicken.
Ein dauerhaftes Katz-und-Maus-Spiel
Technisch bleibt Invidious ein Katz-und-Maus-Spiel. Google ändert regelmäßig Details an Seitenstrukturen, Parametern oder am Verhalten der Server. Für Nutzer unsichtbar, für Invidious aber kritisch.
Wenn sich etwas ändert, muss der Code angepasst werden, damit Videos weiterhin abrufbar sind. Zusätzlich kann Google auffällige IP-Adressen einschränken oder sperren, wenn viele Anfragen von einer Adresse kommen.
Viele Betreiber arbeiten deshalb mit VPNs, IPv6-Rotation oder verteilen den Traffic auf mehrere Server. Für Nutzer äußert sich das darin, dass manche Instanzen sehr stabil laufen und andere zeitweise Probleme haben.
Das erklärt auch, warum niemand garantieren kann, dass eine heute stabile Instanz in einem halben Jahr noch genauso zuverlässig funktioniert.
Ich hoffe, der Artikel konnte etwas Klarheit schaffen, wie Invidious funktioniert und was nötig ist, um eine Instanz dauerhaft betreiben zu können. Auch meine eigene Instanz war schon mehrfach offline, bis nach Änderungen bei Google wieder ein Update von Invidious erschienen ist.
Screenshots: eigene Instanz
Quellen: Docs Invidious

