Netzwerküberwachungssystem ohne Cloud

Fr, 29. Oktober 2021, Norbert Rüthers

Überwachungskameras sind in aller Munde und allgegenwärtig. Abgesehen vom Einsatz in der Öffentlichkeit, der zurecht höchst umstritten ist und den ich persönlich ablehne, gibt es auch durchaus sinnvolle Anwendungen im privaten Umfeld. Überwachung des eigenen Ferienhauses bei Nichtbenutzung oder Naturbeobachtung sind nur 2 Beispiele. Was die Haustiere zu Hause treiben, wenn man mal ausser Haus ist ein anderes.

Überwachungskameras gibt es in allen Preisklassen und Qualitäten. Und natürlich gibt es auch viele die das Geld nicht wert sind oder deren Datensicherheit nicht gewährleistet ist. Diese Erfahrung habe ich persönlich gemacht und deshalb nach einer eigenen Lösung gesucht.

Die Mehrheit der gekauften Kameras haben 2 Dinge gemeinsam.

  • Sie senden die Daten (Bilder und Videos) in irgendeine Cloud, wo man sie dann mehr oder weniger "bequem" abrufen kann. Nachteilig ist, man weiss nicht wohin.
  • Sie werden, wenn überhaupt nur zeitlich begrenzt oder gar nicht mit Softwareupdates versorgt und werden deshalb häufig Teile von für Bot-Netzen.
  • Man weiss nicht, was sie, ausser ihrem Hauptzweck nachzugehen, sonst noch im Netzwerk anstellen.

Mit einer selbst gebauten Lösung kann man diese Sicherheitsrisiken ausschalten

  • Die Daten landen da, wo man es will (z.B. auf dem heimischen NAS).
  • Updates kann man machen, wann immer man will.

Um so ein Projekt zu realisieren, greift man am besten auf bewährte Bauteile zurück. In meinem Fall auf einen Raspberry Pi.

Benötigt wird folgendes:

  • Raspberry Pi (ab Raspberry Pi zero W)
  • Kameramodul
  • evtl. USB-Wlan Adapter falls wie im Raspberry Pi 2 kein WLAN eingebaut ist
  • Gehäuse (falls gewünscht)
  • Stromversorgung

Ich habe diese Lösung gewählt:

Ein Raspberry Pi im angepassten Gehäuse und dazu eine alte Kamera-Sonnenschutzblende, auf die man bei Bedarf Filter (z.B. UV-Filter) schrauben kann. Als Software kommt Motioneye OS zum Einsatz. Der Funktionsumfang dieser Software ist sehr gross und eine Aufzählung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Nur soviel:

  • Mehrere Kameras (auch USB) benutzen,
  • Verhalten bei Alarmen definieren,
  • Überwachungsbereiche einstellen um z.B. öffentliche Bereiche auszublenden,
  • Zeiten für periodische Aufnahmen einstellen.

Zur Downloadseite der unterstützten Modelle geht es hier.

Voraussetzungen für den Einsatzbereich:

Draussen:

  • WLAN oder LAN Verbindung
  • Stromversorgung mit 230V oder Betrieb mit Akku der genügend Laufzeit ermöglicht
  • Wasserdichtes Gehäuse

Innen:

  • WLAN oder LAN Verbindung
  • Stromversorgung mit 230V
  • Gehäuse

Bei der Wahl des Kameramoduls funktioniert jede Kamera die einen CSI Anschluss besitzt

https://kalitut.com/connectors-and-components-of-raspberry/

Im Innenbereich sind auch USB Kameras nutzbar. Z.B. alte Webcams.

Je nach Bauform der Kamera ist mehr oder weniger Aufwand erforderlich, um sie in ein wetterfestes Gehäuse einzubauen.

Bei der Auswahl der Kamera findet man in China Shops bereits ab 5 Euro etwas. Wer etwas Solides und Verlässliches sucht, sollte aber die Finger davon lassen. Ein guter Anlaufpunkt sind Vertreiber von Raspberry Pi Hardware und Zubehör wie z.B. Pihut.

12 MP HQ Kameramodul mit C-Mount Anschluss (Adapter für Nikon und Canon Objektive sind erhältlich)

Kamera mit Infrarot LED`s

12 MP HQ Kameramodul  mit Wechselobjektiv

8 MP Kameramodul V2

Natürlich ist es auch mit etwas mehr Aufwand möglich, die Kameras auf dreh und schwenkbaren Halterungen oder auch auf fahrbaren Gestellen zu montieren. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Nun noch ein paar Bilder der doch recht beeindruckenden Bedienoberfläche von Motioneye OS, die von jedem Rechner im Netzwerk via Browser aufgerufen werden kann

Generelle Einstellungen:

Hinzufügen einer weiteren Kamera:

Erweiterte Kameraeinstellungen:

Kameraeinstellungen und Speicherort:

Benachrichtigungen bei Alarm via eMail:

Bildquelle: https://thepihut.com

Bildquelle: https://holisticinfosec.blogspot.com