OpenMandriva Lx Kurztest

Mi, 10. Juni 2020, Lioh Möller

OpenMandriva Lx zählt eher zu den exotischeren Linux-Distributionen. Dies allerdings zu unrecht. Das aus Mandriva heraus entstandene Projekt (ähnlich wie der Mandriva Fork Mageia) erfreut sich insbesondere in Frankreich grosser Beliebtheit. Besonders zeichnet die Distribution ein gut vorkonfigurierter KDE Plasma Desktop sowie eine sehr agile und freundliche Community aus. Doch die erste kleine Verwirrung stellt sich bei vielen meist bereits beim Download ein. Die aktuelle Version 4.1 wird in verschiedenen Varianten angeboten. Am einfachsten ist es wenn man direkt auf der Download Seite des Projektes das unter x86_64 ISO verlinkte ISO-Abbild herunterlädt. Dieses lässt sich wie gewohnt auf einen USB-Stick bannen oder in einer virtuellen Maschine wie VirtualBox starten, möglichst nachdem man die Prüfsumme verglichen hat. Alternativ stehen auf Sourceforge ältere Versionen wie der ursprüngliche 4.1 build vom 02.01.2020, sowie Varianten für die AMD Zen Prozessorarchitektur (AMD Ryzen/Threadripper/EPYC) mit dem Zusatz znver1 zum Download zur Verfügung. Phoronix hat diesbezüglich mit der Vorgängerversion 4.0 einige Benchmarks gefahren, welche sich anschaulich vergleichen lassen.

Wir gehen im weiteren von der regulären x86_64 Variante im Respin vom 29.05.2020 aus. Diese Version wird auch als ’Rock’ bezeichnet, da es sich um einen stabilen Release handelt, welcher nur Security- und Bugfixes als Aktualisierungen erhält. Eine Rolling-Release Version ist ebenfalls in Planung und in Kürze zu erwarten.

Einmal gestartet begrüsst einen das Betriebssystem im Live-Modus von dem aus es sich auch auf die Festplatte bannen lässt. Als Installationsprogramm kommt der vielfach eingesetzte Calamares Installer zum Einsatz.

Das Design ähnelt einem Standard-Plasma Desktop, allerdings wird die dunkle Variante des Breeze-Themes für Plasma Elemente verwendet. Der Fensterinhalt wird standardmässig im der regulären hellen Breeze-Design dargestellt. Etwas ungewohnt ist das Panel, welches so eingestellt wurde, dass Einträge in der Fensterleiste über zwei Zeilen hinweg verteilt angezeigt werden. Einmal daran gewöhnt kann es sich aber durchaus als praktisch herausstellen.

Auffällig ist auch das blumige Hintergrundbild und die plakativen Symbole auf dem Desktop, hinter denen sich ein Link auf die Community (Join), ein Spendenaufruf (Donate) und ein Willkommensassistent (Welcome) verbergen. Insbesondere Nutzer der openSUSE Distribution wird letzterer in einer abgewandelten Form auch bekannt sein. Grundsätzlich können solche Assistenten durchaus bei einem Einstieg in ein unbekanntes Betriebssystem helfen.

Als Paketmanager kommt das aus dem Fedora-Umfeld bekannte Tool dnf zum Einsatz sowie RPM4 als Paketformat (früher RPM5). Die Standard-Softwareauswahl ist eher karg, so ist beispielsweise kein Firefox installiert sondern nur der KDE Browser Falkon. Unter anderem über den Willkommensassistenten lassen sich aber viele bekannte Anwendungen nachinstallieren. Der Softwareumfang ist im Standard-Repository von Rock relativ klein, zumindest im Vergleich mit grossen Distributionen wie zum Beispiel Debian GNU/Linux. Es lassen sich weitere Repositories namens Unsupported, Restricted und Non-Free aktivieren. Insbesondere Unsupported ist allerdings dafür bekannt das dort des öfteren Paketabhängigkeiten nicht aufgelöst werden können und daher eher mit Vorsicht zu geniessen.

Abschliessend bleibt zu sagen, dass OpenMandriva Lx von einer Stiftung nach französischem Recht getragen wird, der OpenMandriva Association um die langfristige Verfügbarkeit der Distribution zu gewährleisten. Nicht unerwähnt zu lassen ist allerdings die langjährige etwas intransparente Verbändelung mit der Russischen Firma ROSA, welche bereits während den letzten Veröffentlichungen der Mandriva-Distrubition begann.

Wer mit dem Standardpaketumfang von Rock (oder in Zukunft auch Rolling) zufrieden ist oder die ein oder andere nicht auflösbare Paketabhängigkeit in Kauf nehmen kann, der sollte in jedem Falle einen Blick auf die Distribution werfen. Unterstützung findet man im Forum oder über die anderen Kommunikationskanäle des Projektes.

Quelle: https://www.openmandriva.org