Die jüngeren Leser:innen kennen das Gefühl nicht mehr. Früher hatten wir Plattensammlungen. Ich meine nicht den drehenden Rost, sondern Langspielplatten, die in Vinyl gepresst waren. Das war, bevor die seelenlose CD den Markt eroberte (von Musik-Streaming-Diensten fange ich gar nicht erst an). Zum Abspielen der Langspiel- oder Singleplatten benötigten wir ein seltsames mechanisches Gerät, den Plattenspieler. Der hatte einen oder zwei Arme, die über einer drehenden schwarzen Plastikscheibe montiert waren. Am Ende des einen Arms kratzte eine Diamantnadel entlang einer Spur auf der Platte. Der andere Arm goss Alkohol auf die Platte, damit diese nicht zu sehr leiden musste.
Auch der Genuss war zweiteilig, was jetzt nichts mit Armen zu tun hat. An erster Stelle stand selbstverständlich der Musikgenuss. Doch auch die zweite Stelle hatte eine grosse Bedeutung, nämlich das Albumcover und dessen Zugaben. Im Gegensatz zum Streamen, konnte man damals das grossformatige Plattencover aus dem Regal ziehen, in der Hand wiegen und die «Kunst» darauf betrachten. Hinten waren die Titel aufgedruckt und innen gab es manchmal ein Heftchen mit den Songtexten und weiteren Informationen zur Band.
Hier sind zwei Beispiele, die ihr wahrscheinlich kennt:
Selbstverständlich darf man geteilter Meinung sein. Die einen können mit der Nostalgie und dem Handwerk des Auflegens nichts anfangen und bevorzugen die vollumfängliche Verfügbarkeit aller Titel, inklusive 50 % KI-generierter Musik. Ein Album anzuschauen, ist für diese Zeitgenossen wie eine Postkarte zu schreiben: ineffizient und nicht auf Selbstoptimierung getrimmt; das ist was für Boomer und ewig Gestrige.
Allen anderen könnte die Anwendung CoverGrid gefallen, die ich bei einem Lightning Talk an der diesjährigen FrOSCon kennengelernt habe. Wie ihr im Titelbild seht, stehen bei diesem Musik-Player die Cover im Vordergrund. Der Entwickler Oliver Hanraths hat die Anwendung ursprünglich in Python geschrieben und ist nun dabei, sie nach Go zu portieren. Im Gegensatz zu den üblichen Playern, ist die Idee von CoverGrid, ein Album auszuwählen, um sich dieses vollständig anzuhören. In dieser Konsequenz besteht die Playlist hier nicht aus einzelnen Musiktiteln, sondern aus Alben.
Wer ein Album zum Abspielen öffnet, sieht wieder das Cover als zentrales Element. Damit man bezüglich der Titel nicht ganz ahnungslos ist, zeigt CoverGrid auf der rechten Seite die Stücke auf einer Art von Zeitstrahl an. So lassen sich die Reihenfolge und die Dauer der Titel erkennen. Mit der Maus kann man auf diesem Zeitstrahl springen, falls man einzelne Stücke überspringen oder "vorspulen" möchte.
Bisher gibt es noch kein installierbares Paket von CoverGrid. Wer die unfertige Go-Version ausprobieren möchte, muss sie aus den Quellen kompilieren. Eine Anleitung ist vorhanden.
Bevor ich es vergesse: CoverGrid ist ein Client für den Music Player Daemon (MPD).
Titelbild: https://codeberg.org/suruatoel/mcg
Quellen:
https://en.wikipedia.org/wiki/File:ELO-Out_of_the_Blue_Lp.jpg
https://en.wikipedia.org/wiki/File:FMacRumours.PNG
https://codeberg.org/suruatoel/mcg
https://programm.froscon.org/froscon2026/talk/e19a6141-a66b-4ead-8953-80c8d37fa255/



Entschleunigung durch hören kompletter Alben. Danke für den Denkanstoss/Stichworte!
Ich höre schon seit langem meine gerippten CDs albenweise, so habe ich die auch gerippt. Pro Album eine MP3-Datei. Manchmal hat man Besuch, der drängelt auf youtube etwas anzumachen. Lehne ich dann ab, mit der Begründung "nerv mich nicht". Das führt regelmässig zu Diskussionen. Die werden abgebügelt mit "meine Bude, meine Musik".
In Wirklichkeit ist es das Gedrängel, was mich nervt. Sobald ich auf Play drücke, meldet sich einer der schon hibbelig drängelt und gar nicht mehr zuhört, nur auf seinen Time-Slot wartet um dann nochmal zu drängeln. Das ist aber echt nicht einfach das den Leuten zu erklären...
Meine Musiksammlung wird durch einen Navidrome-Server bereitgestellt, ich greife mit diversen Clients darauf zu (u.a. Symfonium auf Android, ferrosonic-ng und feishin am Linux-Desktop). Mit allen Clients orientiere ich meistens auch an ganzen Alben, und erfreue mich auch an den Covern. Ich finde, Alben müssen komplett gehört werden.
Aber das Konzept von CoverGrid, besonders mit der Zeitleiste ist auch sehr interessant. Eventuell werde ich das mal testen, abseits von Navidrome.
Na gut. Letztendlich ist das gar kein Player sondern nur eine GUI für den [https://www.musicpd.org](Music Player Daemon), die die anderen Funktionen einfach nicht anbietet. Insofern kommt jeder Player, der eine Katalogisierung nach Alben vorsieht ebenfalls in Betracht.
Bei mir gibt es ausschließlich Musik von CD. Ich habe nur einen CD-Player, puristischen Vollverstärker und zwei Boxen. Den neumodischen Quatsch will ich nicht und Radio kannste eh voll vergessen. Insofern brauche ich auch keinen Player für die Rechenkiste.