Privatsphäre-Tipps

  Ralf Hersel   Lesezeit: 8 Minuten Auf Mastodon ansehen

Statt Podcast, gibt es heute eine Menge Tipps für den Schutz der Privatsphäre, zusammengestellt von Threema.

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Heute gibt es leider keine Podcast-Folge, weil mein Gesprächspartner erkrankt ist.

Stattdessen möchte ich einige Tipps für die Privatsphäre nicht vorenthalten, die kürzlich in meinem Threema-Channel erschienen sind. Wer Threema als Messenger verwendet, erhält ab und zu über diesen Channel nützliche Hinweise zu verschiedenen Themen. Wen das nervt, kann den Channel abschalten.

Um es frank und frei zu sagen: Ich habe Inhalte bei Threema geklaut, um sie denjenigen zu präsentieren, die Threema nicht als Messenger verwenden. Damit es kein reines Copy & Paste ist, habe ich die Ratschläge mit Hüten (🎩) bewertet. Ein Hut bedeutet "einfach umzusetzen", drei Hüte bedeuten "schwierig umzusetzen". In meine Bewertungen fliessen nicht nur die technischen Kenntnisse, sondern auch der Verlust an Bequemlichkeit ein. Los geht es.

Warum ist Online-Privatsphäre wichtig?

Jede kleine Spur, die wir hinterlassen – eine Google-Suche, ein Like, ein Standort-Check-in –, mag für sich genommen belanglos erscheinen. In der Summe können solche Daten allerdings ein erstaunlich präzises Bild von uns zeichnen: etwa von unserer Persönlichkeit, unserer Gesundheit und unseren politischen Ansichten.

Diese Profile werden von Big Tech für massgeschneiderte Inhalte genutzt: Wenn Algorithmen darüber entscheiden, welche Nachrichten und Inhalte wir sehen oder welche Angebote und Preise uns in Online-Shops angezeigt werden, können sie damit auch unsere Ansichten und Entscheidungen lenken.

Beim Schutz der Privatsphäre im Internet geht es darum, möglichst keine Datenspur zu hinterlassen und der Beeinflussung durch Big Tech Einhalt zu gebieten. Wer die Kontrolle über seine Daten behält, bewahrt damit ein Stück digitale Freiheit und verringert die Möglichkeit, dass Unternehmen oder Plattformen Entscheidungen unbemerkt für uns vorsteuern.

Kleine Änderungen, grosse Wirkung

  • 🎩 Überlegen, welche Informationen ein Dienst wirklich benötigt: Viele Anbieter fragen nach Daten, die für die eigentliche Funktion des Dienstes gar nicht nötig sind. Indem Sie nur das absolut Notwendige angeben, reduzieren Sie Ihren digitalen Fussabdruck und verhindern unnötiges Profiling. Postsendungen kommen etwa auch dann an ihrem Ziel an, wenn bei der Bestellung nur der Nachname angegeben wird.

  • 🎩 Online-Shopping anonymisieren: Recherchieren Sie Produkte im privaten Modus und bestellen Sie idealerweise ohne Kundenkonto. So kann in manchen Fällen verhindert werden, dass Shops ein langfristiges Profil Ihrer Interessen erstellen oder Preise basierend auf Ihrem Nutzerverhalten anpassen.

  • 🎩 Keine automatische Ausfüllfunktion im Browser verwenden: Automatische Ausfüllfunktionen speichern persönliche Daten im Browser. Dies ist ein Sicherheitsrisiko, falls jemand Zugriff auf Ihren Computer erhält oder Schadsoftware Ihre Daten ausliest.

  • 🎩🎩 Cookies automatisch ablehnen: Tools wie Consent-O-Matic übernehmen das mühsame Ablehnen von Tracking-Einwilligungen auf Webseiten automatisch. Das spart Zeit und stellt sicher, dass Sie nicht versehentlich zu viele Daten preisgeben.

  • 🎩 Ad-Blocker installieren: Tools wie uBlock Origin oder Wipr2 blockieren nicht nur störende Werbung, sondern deaktivieren auch invasive Tracking-Skripte. Das schützt Ihre Privatsphäre und beschleunigt das Laden von Webseiten.

  • 🎩🎩 Tracker entfernen beim Teilen von Links: Viele Links enthalten sogenannte URL-Parameter oder UTM-Tags, die verraten können, wer den Link geteilt hat und wer ihn anklickt. Diese erkennt man an zusätzlichen Zeichen, Zahlen und Wörtern, die hinter einem Fragezeichen am Ende einer URL stehen. Durch das Entfernen dieser Anhänge bleibt die Weiterleitung anonym. Ein Tool, um Tracker in Links zu entfernen, ist etwa Link Cleaner.

  • 🎩🎩🎩 E-Mail-Alias nutzen: Ein Alias ist eine Weiterleitungsadresse, die Ihre echte E-Mail-Adresse verbirgt. So können Sie Dienste nutzen, ohne Ihre Hauptadresse preiszugeben oder auf Spam-Listen zu landen. Häufig empfohlene Tools sind hier SimpleLogin oder addy.io.

  • 🎩🎩 Authentifizierungs-Apps statt SMS-Codes nutzen: Mit speziellen Apps müssen Sie Ihre Telefonnummer nicht bei jedem Dienst angeben, was das Tracking-Risiko senkt. Zudem sind App-basierte Codes sicherer, da SMS theoretisch abgefangen werden können. So schützen Sie sowohl Ihre Privatsphäre als auch Ihren Account.

Die richtigen Werkzeuge

  • 🎩 Alternativen zur Google-Suche nutzen: Privatsphärefreundliche Suchmaschinen wie DuckDuckGo, Brave Search oder Startpage speichern keine persönlichen Daten über Ihre Anfragen und erstellen kein Nutzerprofil. Dadurch werden Sie nicht durch gezielte Werbung getrackt und erhalten neutrale Ergebnisse.

  • 🎩🎩🎩 Vertrauenswürdigen VPN nutzen: Ein VPN wie Mullvad verschleiert Ihre IP-Adresse und verbirgt Ihre Internetverbindung vor Servicebetreibern. Das macht es für Dritte deutlich schwieriger, Ihren Standort und Ihr Surfverhalten zu verfolgen.

  • 🎩🎩 Erinnerungs- und Kalenderapps nutzen, die lokal oder Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind: So können weder der Anbieter noch Hacker Ihre privaten Termine und Erinnerungen mitlesen. Die Daten werden entweder nur auf Ihrem Gerät gespeichert oder so verschlüsselt, dass nur Sie den Inhalt sehen können.

  • 🎩🎩🎩 CryptPad statt Microsoft Word: CryptPad ist ein Tool für gemeinsame Dokumente, bei dem alle Inhalte Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind. Das bedeutet, dass weder der Anbieter noch Dritte Ihre Texte lesen können – im Gegensatz zu Google Docs oder Microsoft Word.

  • 🎩 Comaps statt Google Maps: Privacy-orientierte Karten-Apps verzichten auf die lückenlose Überwachung Ihres Standorts und das Speichern Ihrer Fahrten. So können Sie navigieren, ohne dass Ihr Bewegungsprofil in einem zentralen Nutzerkonto hinterlegt wird.

  • 🎩🎩 Lokales LLM statt ChatGPT: Anstatt mit einem Server in der Cloud zu interagieren, wird die Abfrage an ein lokales Large Language Model (LLM) auf Ihrer eigenen Hardware gesendet. So verlassen Ihre Texte und Daten nie Ihr Gerät und landen nicht in den Trainingsdaten grosser Tech-Konzerne. Als Alternative bieten sich privatsphärefreundliche KI-Modelle wie Lumo an.

Das Smartphone absichern

  • 🎩🎩🎩 GrapheneOS verwenden: GrapheneOS ist eine stark abgesicherte Android-Variante, die auf Sicherheit und Privatsphäre setzt. Sie fügt keine Google-Dienste hinzu und schirmt Nutzer entsprechend von Googles Datenverarbeitung ab.

  • 🎩 Unter GrapheneOS den Internetzugriff nur für zwingend notwendige Apps erlauben: Hier können Sie Apps den Internetzugriff komplett entziehen, selbst wenn die App diesen eigentlich anfordert. So verhindern Sie, dass Programme im Hintergrund heimlich Daten an Server senden, obwohl sie eigentlich offline funktionieren könnten.

  • 🎩🎩 Unter iOS iCloud Private Relay nutzen: Diese Funktion verschleiert Ihre IP-Adresse und DNS-Anfragen in Safari. Dadurch wird es für Webseiten und sogar für Apple schwieriger, Ihr genaues Surfverhalten und Ihren Standort zu verfolgen.

  • 🎩 Unter iOS den erweiterten Datenschutz aktivieren: Mit dem erweiterten Datenschutz werden fast alle Ihre iCloud-Daten – Fotos, Notizen, Backups – Ende-zu-Ende-verschlüsselt, so dass selbst Apple keinen Zugriff mehr darauf hat. Sie allein besitzen den Schlüssel zu Ihren Daten.

  • 🎩 Standortzugriff und Sensorberechtigung nur erteilen, wenn wirklich nötig: Viele Apps fragen Berechtigungen an, die sie für ihre Funktion gar nicht brauchen. Indem Sie diese einschränken, verhindern Sie, dass im Hintergrund heimlich Bewegungs- oder Standortprofile erstellt werden.

Kommunikation und Identität strategisch schützen

  • 🎩🎩 Auf verschlüsselte Kommunikationswege wechseln: Wenn Sie über unsichere Kanäle wie E-Mail kontaktiert werden, schlagen Sie einen Wechsel auf einen Ende-zu-Ende-verschlüsselten Kanal vor. So stellen Sie sicher, dass keine Dritten die Inhalte Ihrer Konversation mitlesen können.

  • 🎩 Im Messenger Lesebestätigungen nur mit bestimmten Personen teilen: In den meisten Messenger-Apps können Sie individuell festlegen, wer sehen darf, ob Sie eine Nachricht bereits gelesen haben. So bewahren Sie Ihre Privatsphäre und vermeiden den Druck, sofort auf jede Nachricht antworten zu müssen.

  • 🎩🎩 Privatsphäre-freundliche Messenger auf einem «de-Googled» Smartphone nutzen: Threema Libre ist eine besonders transparente, quelloffene Version der App. In Kombination mit einem Handy ohne Google-Dienste kommunizieren Sie komplett losgelöst von Big Tech. Als weitere Alternativen bieten sie Signal und Element als Messenger an.

  • 🎩🎩 Mehrere SIM-Karten nutzen, um Nummern für spezifische Fälle zu trennen: Durch die Nutzung von Dual-SIM oder eSIMs können Sie verschiedene Telefonnummern für unterschiedliche Zwecke verwenden (z.B. privat, geschäftlich oder für Onlinedienste). So müssen Sie Ihre private Hauptnummer nicht überall angeben und reduzieren das Risiko von Spam, Phishing-Angriffen oder Tracking.

Schutz unterwegs und im Alltag

  • 🎩 Bargeld verwenden: Barzahlungen hinterlassen im Gegensatz zu Karten oder Apps keine digitalen Spuren. So verhindern Sie, dass Banken oder Zahlungsdienstleister ein detailliertes Profil Ihres Kaufverhaltens erstellen. Ihr Konsum bleibt somit privat und anonym.

  • 🎩🎩 Auf Reisen eine lokale SIM-Karte besorgen: Eine lokale SIM verhindert, dass Ihr heimischer Provider oder ausländische Netzbetreiber Ihre Bewegungen lückenlos tracken. Damit vermeiden Sie, Ihre private Nummer bei lokalen Diensten hinterlegen zu müssen, und Sie können die neue Nummer nutzen, um sich vorübergehend bei Messengern anzumelden, die fürs Reisen praktisch sind, aber eine Telefonnummer erfordern.

  • 🎩🎩🎩 Für jede Reise neue Accounts bei den Buchungsplattformen erstellen: So verhindern Sie, dass Plattformen über Jahre hinweg ein detailliertes Profil Ihrer Reisegewohnheiten und Vorlieben erstellen. Es erschwert die Verknüpfung verschiedener Aufenthalte mit Ihrer Identität.

  • 🎩 Wenn immer möglich im Flugmodus bleiben: Im Flugmodus wird die Verbindung zum Mobilfunknetz unterbrochen, was die Ortung über Funkzellen verhindert. WLAN lässt sich meist separat aktivieren, um dennoch online zu bleiben und über Chat-Apps kommunizieren zu können.

  • 🎩🎩 Tracking-Einstellungen am Auto anpassen: Moderne Fahrzeuge sammeln oft standardmässig Daten wie Standorte, Fahrverhalten und App-Aktivitäten. Diese Datenerfassung lässt sich jedoch meist direkt am Infotainment-System, in den Hersteller-Apps oder bei der Smartphone-Verbindung einschränken.

  • 🎩 Treueprogrammen vermeiden: Treueprogramme (z.B. Ihrer lokalen Supermarktkette) sammeln detaillierte Daten über Ihr Kaufverhalten im Austausch gegen Rabatte. Durch den Verzicht verhindern Sie, dass ein «gläsernes Bild» Ihres Konsums erstellt wird.

  • 🎩🎩 Tracking auf Netzwerkebene blockieren: Mittels DNS-Sperre, z.B. mithilfe eines Tools wie Pi-hole, werden Tracking-Anfragen und Werbungen bereits im heimischen Netzwerk gestoppt, bevor sie Ihr Gerät erreichen. So sind alle verbundenen Geräte im Haushalt gleichzeitig geschützt.

Vielen Dank an das Threema-Team für die Zusammenstellung der Tipps.

Titelbild: https://pixabay.com/illustrations/mother-daughter-whisper-secret-10189631/

Quellen:

https://threema.com/de/blog/privatsphaere-tipps-teil-1

https://threema.com/de/blog/privatsphaere-tipps-teil-2

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