Raspberry Pi als Desktop-Ersatz?

Di, 7. September 2021, Norbert Rüthers

Ich nehme hier Bezug auf den GNU/Linux Podcast GLN014 in dem Lioh das Thema ansprach. Das Gesagte hat mich ziemlich zum Schmunzeln gebracht, denn auch ich bin auf der Suche und das schon seit 2012. Seit den Anfängen der Singleboardcomputer (SBC) im Jahr 2012 mit dem ersten Raspberry Pi wollte man diese kleinen Rechner als Ersatz für den heimischen Desktop PC benutzen, der mindestens 20x soviel Strom verbraucht, für die meisten Anwendungen völlig überdimensioniert ist und sich die meiste Zeit langweilt.

Mal ehrlich betrachtet, wozu werden PCs in der Regel am häufigsten eingesetzt?

Zum Surfen im Internet, E-Mails schreiben und abrufen. Ab und zu einen Text schreiben für den i.d.R. nicht einmal ein Textverarbeitungsmonster nötig ist. Das kann man mit einem SBC genauso gut erledigen und die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Ein SBC arbeitet i.d.R. lautlos ohne Lüfter.
  • Ein SBC verbraucht nur einen Bruchteil des Stroms eines normalen PCs so das auch ein 24/7 Betrieb möglich ist.

Aber natürlich gibt es Einschränkungen. Die Wiedergabe oder Bearbeitung von Videos z.B. Youtube Videos oder die Verwaltung grosser Bildersammlungen gehen mit einem SBC auch heutzutage nur eingeschränkt bzw. es macht nicht wirklich Spass. Warum aber ist das so?

In den Anfängen war nicht genug Prozessor Power und Arbeitsspeicher vorhanden. Der erste Raspberry hatte nur einen Prozessorkern und 512 MB RAM. Bei jedem neuen SBC der danach herauskam keimte wieder Hoffnung auf dieses Ziel diesmal zu erreichen. Ob Banana Pi, Cubietruck, Odroid C2, Odroid XU4, Nanopi M4 oder was auch immer, alle hatten und haben dasselbe Problem.

Die verbaute GPU wird nicht vollumfänglich unterstützt. Das Speicher- und Prozessorproblem besteht heute nicht mehr. Es gibt SBCs mit 8 GB RAM und Oktacore Prozessoren. Der Flaschenhals ist jedoch weiterhin die GPU die in den SOCs verbaut ist. Der SOC ist oft derselbe, der auch in Smartphones und Tablets verbaut ist und dort hervorragende Grafikleistungen erzielt.

Der Flaschenhals war und ist die fehlende Treiberunterstützung der GPU für Linux seitens der Hersteller. Nur mithilfe von Blobs (Binary Large OBject) lassen sich den GPUs annähernd gute Leistungen entlocken. Beispiel ist Raspberry OS (früher Raspbian) mithilfe von Kernelhacks und angepassten Programmen wie Chrome und VLC ist flüssige Wiedergabe von Videos möglich. Sobald man z.B. Firefox benutzen möchte ist Schluss mit flüssiger (Youtube) Wiedergabe. Aber es ist Licht am Horizont zu sehen.

Seit dem 24. November hat der V3DV Vulkan Mesa-Treiber für Raspberry Pi 4 die Konformität mit Vulkan 1.0 nachgewiesen. Es stehen noch einige Tests an. Im Fall von Vulkan 1.0 enthält die CTS über 100.000 Tests. Danach wird der Treiber für Raspberry Pi-Geräte (Raspberry Pi 4, Raspberry Pi 400 und Compute Module 4) verfügbar sein.

Quelle: https://www.raspberrypi.org/blog/vulkan-update-were-conformant/

Ich benutze zurzeit Raspbian OS auf einem Raspberry Pi 4 mit 4GB RAM und 2 Monitoren. Mit einer SSD gebootet kommt es dem Ziel schon recht nahe. Aber man darf gespannt sein welchen Leistungsschub Vulkan bringt.

Fazit: Man benutzt entweder für den Raspbery PI das Raspbery Pi OS oder muss bis zum endgültigen Erscheinen des offenen Treibers mit den genannten Einschränkungen leben. Natürlich gibt es auch andere Distros die auf SBCs gut laufen, ja auch Manjaro, aber alle kränkeln am selben Problem.