Twister OS: Distribution für den Raspberry Pi

Di, 30. März 2021, Niklas

Twister OS basiert auf dem Raspberry Pi OS und damit indirekt auf Debian. Es bringt alle speziellen Konfigurationsprogramme für Raspberry Pi Hardware und alle Treiber mit. Als Desktopoberfläche kommt Xfce zum Einsatz, das wesentlich mehr Funktionen bietet, als die Raspberry-Eigenentwicklung Pixel Desktop.

In der oberen rechten Ecke zeigt Twister OS im Standarddesign eine Übersicht über alle wichtigen Auslastungsdaten an, die in Echtzeit aktualisiert wird. Ansonsten hat der Desktop das übliche Xfce Layout, allerdings mit einem moderneren GTK Theme. Selbiges ist auch in einer hellen Version verfügbar.

Für wechselwillige Apple-Anhänger sind auch die Designs iTwister und iTwister Sur enthalten, jeweils in heller und dunkler Version, die den Desktop von macOS Big Sur oder der Vorgängerversion nachbauen. Man hat sich hier sehr viel Mühe mit den Details gegeben: Es sieht nicht nur so aus wie ein Apple System, sondern lässt sich auch exakt so bedienen.

Ein Highlight dabei ist die obere Menüleiste, die immer die Optionen des Programms anzeigt, das gerade im Vordergrund ist. Sowas gibt es sonst in der Linux-Welt nicht. Auch die Icons sind Originalgetreu, wobei sich dahinter natürlich keine echten Apple Programme verbergen, sondern Open-Source-Software für Linux mit der gleichen Funktion.

Ausserdem sind Designs enthalten, die einige verschiedene Windows Versionen darstellen sollen. Leider sind diese bei weitem nicht so überzeugend, wie die macOS Nachbauten: Sie erinnern alle an das Original, vor allem die Fensterdekoration ist gut gemacht, aber bei den Startmenüs erkenne ich deutliche Mängel. Nur die Windows 10 Variante würde ich als halbwegs realistisch einstufen.

Vor der vorinstallierten Software von Twister OS kann ich allerdings nur warnen. Es hat massenhaft unfreie, proprietäre Programme vorinstalliert, die ich auf einem Linux (und auch sonst) nicht sehen möchte und die teilweise bezüglich Datenschutz höchst bedenklich ist:

  • Discord: Trackt alle Interaktionen mit dem Programm, liegt auf Google Server in den USA
  • Chromium: Enthält Google APIs, sendet fast genauso viele Daten wie Chrome
  • Steam: Unfreie Software, enthält DRM und ist damit unberechenbar

Ich habe den Fehler gemacht, die normale Twister OS Version zu installieren. Ihr solltet unbedingt Twister OS Lite auswählen, wenn ihr euch danach nicht Stunden mit dem Aufräumen beschäftigen wollt. Die Programme, die ihr wirklich braucht, könnt ihr mit dem Programm "Add/Remove Software" selbst installieren.

Zu den sinnvollen vorinstallierten Programmen, besonders für Umsteiger von Windows, gehören Box86 und Wine. Mit dieser Kombination lassen sich Windows Programme für ganz normale Computer mit Intel oder AMD CPU auf dem Raspberry ausführen. Beide sind auch in der Lite Variante enthalten.

Damit ist es mir gelungen, die GNU/Linux.ch Startseite im Internet Explorer aufzurufen. Der passt sich auch schön ins Windows 95 Theme von Twister OS ein, wie ich finde.

Fazit: Twister OS ist empfehlenswert für Linux-Neulinge und hat auch für Profis das eine oder andere nützliche Tool dabei, aber insgesamt ist es doch zu viel Bloatware, weshalb unbedingt die Lite Version genutzt werden sollte. Die verschiedenen Designs sind auf jeden Fall ein Hingucker.

Quellen:

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