Xfce 4.18 ist erschienen

Do, 15. Dezember 2022, Ralf Hersel

Es war für Weihnachten angekündigt, doch ist sie schon heute erschienen: die neue Version 4.18 der freien Desktop-Umgebung Xfce. Mit 26 Jahren auf dem Buckel, gehört sie zu einer der ältesten Desktop-Umgebungen im GNU/Linux-Umfeld. Ursprünglich stand der Name Xfce für "XForms Common Environment". Da die DE seit langem nicht mehr auf XForms beruht, hat das Kürzel Xfce heute keine Bedeutung mehr.

Während frühe Version von Xfce meistens im Halbjahresrhythmus erschienen (4.6 bis 4.10), hat sich die Entwicklung mittlerweile verlangsamt. Auf die Version 4.12 mussten die Anwender:innen drei Jahre lang warten und auf die 4.14 sogar vier Jahre. Die aktuelle Version 4.18 erscheint jetzt ziemlich genau 2 Jahre nach der letzten Version 4.16.

Werfen wir ein Blick auf die interessantesten Neuerungen in dieser Version:

Der Dialog zur Eingabe eines Dateinamens wurde dahingehend erweitert, dass fehlerhafte Eingaben besser abgefangen werden und mit sinnvollen Hinweisen ergänzt wurden. So wird man beispielsweise darauf hingewiesen, falls Dateinamen mit einem Leerzeichen beginnen oder enden. Auch bei der Verwendung eines / im Dateinamen, erscheint eine Warnung, dass Verzeichnisseparatoren im Dateinamen nicht erlaubt sind.

Neu ist auch ein Shortcut-Editor, mit dem man eine grafische Oberfläche für die Definition von Tastaturkürzeln erhält. Im Moment wird dieser nur innerhalb des Dateimanagers Thunar, im Terminal und im Editor Mousepad verwendet:

Der Thumbnail-Dienst (tumbler) hat einige Leistungsverbesserungen für den pixbuf-thumbnailer und den Scheduler erhalten. Ausserdem gibt es jetzt mehrere Überschreiboptionen für den Desktop-Thumbnailer. Es gibt nun Unterstützung für die Thumbnail-Grössen x-large und xx-large, die für hochauflösende Displays sehr nützlich sind. Tumbler und Thunar unterstützen jetzt gemeinsame Thumbnail-Repositories, wie in der freedesktop.org Thumbnail-Spezifikation beschrieben. Diese Funktion kann genutzt werden, um Thumbnails für einen Ordner im Voraus zu erstellen, die sich neben den Bildern befinden. Auf diese Weise müssen die Thumbnails nicht für jeden einzelnen Benutzer neu erzeugt werden.

Das DateTime- und das Clock-Plugin für das Panel boten überschneidende Funktionalitäten. Um eine parallele Entwicklung zu verhindern, wurden sie in einem einzigen Plugin zusammengeführt. Das neue Clock-Plugin hat nun einen neuen binären Zeitmodus erhalten und bietet einen Schlafmonitor. Hier ist ein Screenshot aller möglichen Layouts, die da wären: Analog, Binär, Digital, Fuzzy und LCD.

Die meisten Änderungen erhielt jedoch die Dateiverwaltung Thunar. Bei Verzeichnissen kann jetzt die Anzahl der enthaltenen Dateien in der Spalte "Grösse" angezeigt werden. Es ist nun möglich, eine Spalte "Dateierstellungsdatum" hinzuzufügen, und der Dialog "Spalten konfigurieren" kann mit einem Rechtsklick auf einen Spaltenkopf geöffnet werden. Hier ist ein Beispiel:

Endlich gibt es in Thunar ein Seitenfenster für die Bildvorschau. Eigentlich sind es zwei. Man kann entweder den "eingebetteten" Modus wählen, der keinen zusätzlichen Platz benötigt, aber Teile des linken Seitenfensters ausblendet. Oder man entscheidet sich für den "Standalone"-Modus, der ein separates Fenster auf der rechten Seite verwendet und auch einige grundlegende Informationen anzeigt.

Es ist jetzt möglich, grundlegende Dateioperationen rückgängig zu machen und wiederherzustellen. Rückgängig machen und Wiederherstellen können für die Operationen "Verschieben", "Umbenennen", "Papierkorb", "Verknüpfen" und "Erstellen" verwendet werden. Standardmässig wird ein Verlauf der letzten 10 Operationen gespeichert, wobei die Länge des Verlaufs konfigurierbar ist. Immer wenn ein Undo/Redo ausgelöst wird, wird eine Benachrichtigung mit einigen Details angezeigt.

Dateien können nun hervorgehoben werden, indem der Hintergrund und der Dateiname auf verschiedene Farben eingestellt werden. Dies kann über eine zusätzliche Registerkarte im Dialogfeld "Eigenschaften" erfolgen. Das Menü "Ansicht" bietet ein Kontrollkästchen zum Aktivieren/Deaktivieren der Funktion. Einmal aktiviert, können Dateien nun in allen Farben angezeigt werden.

Es ist jetzt möglich, die Symbolleiste an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Zu diesem Zweck wurde ein zusätzlicher Dialog hinzugefügt, in dem die Sichtbarkeit und Position bestimmter Elemente verwaltet werden kann. Ebenso können benutzerdefinierte Aktionen, die für Ordner erscheinen, in der Symbolleiste verwendet werden. Wenn die Menüleiste ausgeblendet ist, wird eine zusätzliche Schaltfläche in der Symbolleiste angezeigt, die zum Einblenden des Menüs verwendet werden kann.

Thunar bietet jetzt die Möglichkeit, geteilte Fenster zu verwenden. Der Trennbalken kann verschoben werden, und seine Position wird gespeichert. Über eine xfconf-Einstellung ist es auch möglich, eine vertikale Teilung zu erreichen.

Bisher konnte man in Thunar nur auf Verzeichnisebene suchen. Jetzt wird auch die rekursive Suche unterstützt. Die Suche wird in einem separaten Thread durchgeführt und die Suchergebnisse werden schnell in eine Listenansicht eingefügt. Eine neue Zeile 'Location' zeigt an, wo sich die Suchergebnisse befinden, und das Kontextmenü bietet die Option 'Open Item Location', um schnell dorthin zu gelangen. Der Einstellungsdialog bietet die Möglichkeit, die rekursive Suche auf lokale Ordner zu beschränken oder sie zu deaktivieren.

Ausserdem gibt es neu ein virtuelles Verzeichnis mit den "kürzlich verwendeten Dateien" (siehe Eintrag Recent in Places). Lesezeichen wurden aus dem "Gehe zu" Menü entfernt und haben jetzt einen eigenen Eintrag im Hauptmenü: Bookmarks. Mit der neuen Version bietet das Papierkorb-Verzeichnis eine Info-Leiste, die einen einfachen Zugriff auf die Funktionen "Papierkorb leeren" und "Wiederherstellen" ermöglicht. Bei Verwendung der Listenansicht wird eine Spalte 'Löschdatum' angezeigt, sodass die Dateien nach dem Löschdatum sortiert werden können. Über das Kontextmenü ist es nun möglich, "Wiederherstellen und anzeigen" zu wählen, um automatisch eine neue Registerkarte im Ordner der wiederhergestellten Datei(en) zu öffnen.

Die Verwaltung zum Festlegen/Entfernen von Standardanwendungen für bestimmte Mime-Typen wurde verbessert. Das Kontextmenü hat einen eigenen Eintrag 'Set Default Application', der den 'ApplicationChooserDialog' mit der Voreinstellung 'use as default' öffnet. Der Dialog hat jetzt einen Abschnitt 'Standardanwendung', um zu verdeutlichen, welche Standardanwendung derzeit eingestellt ist.

Es ist jetzt möglich, benutzerdefinierte Aktionen in kaskadierenden Untermenüs anzuordnen. Dazu gibt man denselben Untermenünamen für eine benutzerdefinierte Aktion ein, um sie in demselben Menü zu platzieren. Falls man mehrere Menüebenen benötigt, kann man das durch die Verwendung von "/" im Pfad des Eintrags "Untermenü" erreichen.

Das sind die wichtigsten Änderungen in Xfce 4.18. Alle weiteren Neuigkeiten kann man in der 4.18-Tour nachlesen, die vom Xfce-Team erstellt wurde. Da die neue Version erst heute erschienen ist, wird es noch eine Weile dauern, bis die Desktop-Umgebung als Option in den Distributionen auftauchen wird. Dasselbe gilt für Thunar. Bei Arch liegt zurzeit die Version 4.18.0-1 im Testing-Repository.

Quelle: https://xfce.org/about/tour418

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Xfce, Desktop, Desktop-Umgebung, Thunar