Zum Wochenende: GrapheneOS >>> Verdächtig!

  Ralf Hersel   Lesezeit: 3 Minuten Auf Mastodon ansehen

Wer eine Landesgrenze überschreitet, sollte aufpassen, dass das richtige Smartphone mit dem richtigen Betriebssystem in der Hosentasche steckt.

zum wochenende: grapheneos >>> verdächtig!

Wahrscheinlich habt ihr bereits von diesem Ereignis gehört:

Ein von den Ferien heimkehrender US-Amerikaner hat jetzt eine Anklage wegen Zerstörung von Beweismitteln am Hals. Der Amerikaner war Teil einer Gruppe, gegen welche wegen legaler Protestaktionen gegen ein Ausbildungszentrum der Polizei ermittelt wurde. Bei der Einreise wurde er von den Behörden festgehalten und musste unter anderem sein Smartphone-Passwort offenlegen. Als die Behörden dieses eingaben, wurden sämtliche Daten auf dem Gerät gelöscht.

Auf seinem Smartphone lief das Android-Custom-ROM GrapheneOS. Dieses Betriebssystem gilt als der De-facto-Standard, wenn es um die Wahrung der Privatsphäre und die Datensicherheit auf einem Android-Gerät (nur Google-Pixel) geht. Bei GrapheneOS gibt es eine Funktion, die sich "Duress" (Nötigung) nennt. Das Projekt beschreibt diese Funktion so (übersetzt):

GrapheneOS bietet Nutzern die Möglichkeit, eine Notfall-PIN oder ein Notfall-Passwort festzulegen, welches das Gerät (zusammen mit allen installierten eSIMs) unwiderruflich löscht, sobald es an einer Stelle eingegeben wird, an der die Anmeldedaten des Geräts abgefragt werden (auf dem Sperrbildschirm sowie bei entsprechenden Aufforderungen im Betriebssystem).

Die Löschung erfordert keinen Neustart und kann nicht unterbrochen werden. Sie kann im Besitzerprofil unter „Einstellungen > Sicherheit & Datenschutz > Geräteentsperrung > Notfall-Passwort“ eingerichtet werden. Die Notfall-PIN wird ausschließlich für die PIN-Eingabe verwendet, das Notfall-Passwort ausschließlich für die Passworteingabe. Sowohl die Notfall-PIN als auch das Notfallpasswort sind zwingend erforderlich, um die Funktion für verschiedene Profile zu aktivieren, die möglicherweise unterschiedliche Entsperrmethoden haben. Die Notfall-PIN löscht das Gerät ebenfalls, wenn sie als PIN für die Zwei-Faktor-Entsperrung per Fingerabdruck eingegeben wird, derzeit jedoch nicht, wenn sie als SIM-PIN eingegeben wird.

Beachten Sie, dass, wenn die Notfall-PIN bzw. das Notfallpasswort mit der tatsächlichen Entsperrmethode übereinstimmt, die tatsächliche Entsperrmethode immer Vorrang hat und daher keine Löschung erfolgt.

Während ihr versucht, diese Erklärung von GrapheneOS zu verstehen, könnt ihr euch dieses Musikvideo ansehen, weil es hervorragend zum Artikel passt:

Systemabsturz - Verdächtig

Viele Medien haben über diesen Vorfall berichtet, so auch das Magazin DNIP in diesem Briefing vom 4. August 2026. Darin finden sich weitere Aspekte, die lesenswert sind.

Duress ist halbgar

Dass sich die GrapheneOS-Entwickler diese Notfall-Funktion für den Fall einer Nötigung ausgedacht haben, ist begrüssenswert. Aber warum wird das Profil vollständig geleert? Das ist doch maximal verdächtig. Ich halte es für sinnvoller, wenn die Funktion alles löscht und dann auf ein John-Doe-Profil umschaltet. Also ein Profil, welches einem systemkonformen Durchschnittsbürger entspricht.

Verwendet hier jemand GrapheneOS oder hat ein Pixel-Phone?

Im oben erwähnten DNIP-Briefing findet sich eine weitere interessante Information:

Auch in Frankreich und Spanien reicht schon rein die Verwendung von GrapheneOS (oder von Pixel-Smartphones, welche momentan die einzigen sind, welche von GrapheneOS unterstützt werden), um als verdächtig zu gelten.

Laut Einschätzung von Anwalt Martin Steiger ist eine ähnliche Klage auch in der Schweiz denkbar. Wobei die gefährlichere Dynamik wohl die ist, dass (Smartphone-)Betriebssysteme mit erhöhtem Datenschutz-Niveau generell als gefährlich gelten und man sich mit deren Einsatz a priori verdächtig macht.

Lasst euch meine Interpretation dieser Worte auf der Zunge zergehen (zart schmelzend):

Betriebssysteme mit erhöhtem Datenschutz-Niveau gelten generell als gefährlich und ihre Anwender als verdächtig.

Analog würde gelten: "Wer seine Haustüre abschliesst, ist ein Gefährder."

Ich wünsche euch ein entspanntes Wochenende.

Vergesst bitte nicht, euer Datenschutz-Niveau auf "totale Überwachung" zu reduzieren, und entsorgt das Pixel-Phone unauffällig im nächsten Mülleimer. Achtet dabei auf Überwachungskameras.

Titelbild: https://digitalcourage.video/w/aa098eb8-bce2-487e-870d-d9f0502ffccd (modifiziert)

Quellen:

https://grapheneos.org/

https://grapheneos.org/features#duress

https://digitalcourage.video/w/aa098eb8-bce2-487e-870d-d9f0502ffccd

https://systemabsturz.band/

https://dnip.ch/2026/08/04/dnip-briefing-83-datenloeschung-computerliebe-gefahrlich/

https://de.wikipedia.org/wiki/John_Doe

Tags

GrapheneOS, Pixel, Verdächtig

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