Wahrscheinlich habt ihr bereits von diesem Ereignis gehört:
Ein von den Ferien heimkehrender US-Amerikaner hat jetzt eine Anklage wegen Zerstörung von Beweismitteln am Hals. Der Amerikaner war Teil einer Gruppe, gegen welche wegen legaler Protestaktionen gegen ein Ausbildungszentrum der Polizei ermittelt wurde. Bei der Einreise wurde er von den Behörden festgehalten und musste unter anderem sein Smartphone-Passwort offenlegen. Als die Behörden dieses eingaben, wurden sämtliche Daten auf dem Gerät gelöscht.
Auf seinem Smartphone lief das Android-Custom-ROM GrapheneOS. Dieses Betriebssystem gilt als der De-facto-Standard, wenn es um die Wahrung der Privatsphäre und die Datensicherheit auf einem Android-Gerät (nur Google-Pixel) geht. Bei GrapheneOS gibt es eine Funktion, die sich "Duress" (Nötigung) nennt. Das Projekt beschreibt diese Funktion so (übersetzt):
GrapheneOS bietet Nutzern die Möglichkeit, eine Notfall-PIN oder ein Notfall-Passwort festzulegen, welches das Gerät (zusammen mit allen installierten eSIMs) unwiderruflich löscht, sobald es an einer Stelle eingegeben wird, an der die Anmeldedaten des Geräts abgefragt werden (auf dem Sperrbildschirm sowie bei entsprechenden Aufforderungen im Betriebssystem).
Die Löschung erfordert keinen Neustart und kann nicht unterbrochen werden. Sie kann im Besitzerprofil unter „Einstellungen > Sicherheit & Datenschutz > Geräteentsperrung > Notfall-Passwort“ eingerichtet werden. Die Notfall-PIN wird ausschließlich für die PIN-Eingabe verwendet, das Notfall-Passwort ausschließlich für die Passworteingabe. Sowohl die Notfall-PIN als auch das Notfallpasswort sind zwingend erforderlich, um die Funktion für verschiedene Profile zu aktivieren, die möglicherweise unterschiedliche Entsperrmethoden haben. Die Notfall-PIN löscht das Gerät ebenfalls, wenn sie als PIN für die Zwei-Faktor-Entsperrung per Fingerabdruck eingegeben wird, derzeit jedoch nicht, wenn sie als SIM-PIN eingegeben wird.
Beachten Sie, dass, wenn die Notfall-PIN bzw. das Notfallpasswort mit der tatsächlichen Entsperrmethode übereinstimmt, die tatsächliche Entsperrmethode immer Vorrang hat und daher keine Löschung erfolgt.
Während ihr versucht, diese Erklärung von GrapheneOS zu verstehen, könnt ihr euch dieses Musikvideo ansehen, weil es hervorragend zum Artikel passt:
Systemabsturz - Verdächtig
Viele Medien haben über diesen Vorfall berichtet, so auch das Magazin DNIP in diesem Briefing vom 4. August 2026. Darin finden sich weitere Aspekte, die lesenswert sind.
Duress ist halbgar
Dass sich die GrapheneOS-Entwickler diese Notfall-Funktion für den Fall einer Nötigung ausgedacht haben, ist begrüssenswert. Aber warum wird das Profil vollständig geleert? Das ist doch maximal verdächtig. Ich halte es für sinnvoller, wenn die Funktion alles löscht und dann auf ein John-Doe-Profil umschaltet. Also ein Profil, welches einem systemkonformen Durchschnittsbürger entspricht.
Verwendet hier jemand GrapheneOS oder hat ein Pixel-Phone?
Im oben erwähnten DNIP-Briefing findet sich eine weitere interessante Information:
Auch in Frankreich und Spanien reicht schon rein die Verwendung von GrapheneOS (oder von Pixel-Smartphones, welche momentan die einzigen sind, welche von GrapheneOS unterstützt werden), um als verdächtig zu gelten.
Laut Einschätzung von Anwalt Martin Steiger ist eine ähnliche Klage auch in der Schweiz denkbar. Wobei die gefährlichere Dynamik wohl die ist, dass (Smartphone-)Betriebssysteme mit erhöhtem Datenschutz-Niveau generell als gefährlich gelten und man sich mit deren Einsatz a priori verdächtig macht.
Lasst euch meine Interpretation dieser Worte auf der Zunge zergehen (zart schmelzend):
Betriebssysteme mit erhöhtem Datenschutz-Niveau gelten generell als gefährlich und ihre Anwender als verdächtig.
Analog würde gelten: "Wer seine Haustüre abschliesst, ist ein Gefährder."
Ich wünsche euch ein entspanntes Wochenende.
Vergesst bitte nicht, euer Datenschutz-Niveau auf "totale Überwachung" zu reduzieren, und entsorgt das Pixel-Phone unauffällig im nächsten Mülleimer. Achtet dabei auf Überwachungskameras.
Titelbild: https://digitalcourage.video/w/aa098eb8-bce2-487e-870d-d9f0502ffccd (modifiziert)
Quellen:
https://grapheneos.org/features#duress
https://digitalcourage.video/w/aa098eb8-bce2-487e-870d-d9f0502ffccd
https://dnip.ch/2026/08/04/dnip-briefing-83-datenloeschung-computerliebe-gefahrlich/

Das kommt nun leider nicht wirklich überraschend und ist m.M.n. auch nicht der 1. solche Vorfall. In den USA sind die traurigen Reste an Privatsphäre-Rechten, die es bis 9/11 gab, spätestens mit dem Patriot Act praktisch final abgeschafft worden. Und wir bewegen uns ja leider in die selbe Richtung.
Aber so lange der Großteil der Bevölkerung einen (Pardon für die Ausdrucksweise) feuchten Schiss auf Privatsphäre und Datenschutz (und deren Relevanz für eine freie Gesellschaft) gibt, sehe ich nicht, dass sich dieser Kurs in zunehmend totalitärere Verhältnisse noch abwenden lässt.
Seit tag 1 nenne ich GrapheneOS meins
Ja, GOS Nutzer hier! meld Ich habe auch das Duress-Passwort konfiguriert. In meinem Fall jedoch als Rückversicherung im Falle eines Diebstahls. In der Innenseite der Smartpone-Hülle ist ein Zettel mit einer PIN und einem Passwort eingeklebt. Sollte ein Langfinger PIN oder Passwort eingeben, ist das Gerät blank und ich kann beruhigt schlafen.
Auf dem Gerät selber befinden sich keine Daten, deren Verlust ein Weltuntergang wären. Kalender, Kontakte, Fotos, Musik etc. sind mit Nextcloud synchronisiert. Einzig 2FA-Apps für Banking wären eine Sache, die mit Stress auf einem neuen Telefon verbunden wären. Aber das Problem hätte ich bei einem Geräteausfall auch.
Interessante Funktion😉 Ich nutze GrapheneOS auf einem Pixel 6a, sowie Frau und Kind (8a und 9a). Ich bin mit meinem Pixel vor ein paar Wochen in der USA gewesen. Habe ich Glück gehabt🤔?
Nette Story. Danke dir Ralf
Die Reihenfolge ist ja mal geil. Der Mann 6a, die Frau 8a und das Kind 9a.
Ja, für mich das beste Betriebssystem, das die Freiheiten gibt selbst zu entscheiden, welche App welche Rechte haben darf. Zudem natürlich verschiedene Profile. Einen Duress PIN habe ich allerdings nicht aufgesetzt, da ich für mich keinen Bedarf sehe.
Melde mich als GOS-User. Die Installation ist super einfach über einen normalen Web-Browser. Ich kann das OS sehr empfehlen. Anlass für die Anschaffung war, dass Google ab September Android vernagelt. Anstatt tief mit dem System verwoben zu sein laufen die Google-Play-Dienste in einer Sandbox. Von der Duress-Funktion werde ich nach der Lektüre dieses Artikels auch Gebrauch machen.
nun sind wir so weit gekommen, dass das Anwenden von Grundrechten, die in einer doch freien Gesellschaft genau die Grundlage für Freiheit legen, zum Verdachtsfall wird? Beim Land der ultimativen Freiheit wundert mich gar nichts, da grundsätzlich Menschen, die keine US.Bürgerschaft besitzen, quasi rechtlos sind. Aber die USA ist für mich ein Nicht-Reiseland und damit egal.
Ich persönlich diskutiere nicht über meine Privatsphäre und ja ich benutze ein Pixel 9a mit GOS. Es ist mit einem Duress-Passwort gesichert und ich habe keine Probleme, Vertretern von "Sicherheitsbehörden" genau dieses Passwort zu nennen. Die Folgen sind mir egal. Außerdem gibt es im Deutschen Strafrecht den § 258 Abs 5. Im Schweizerischen Strafrecht habe ich auf die schnelle keine adäquate Regelung gefunden.
Es geht hier ums Prinzip. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Staat, der sich Rechtsstaat nennt, übergriffig wird. Und eben nicht bei schwersten Straftaten in die Privatsphäre eingreift. Das sieht man doch schon daran, dass ich in Deutschland gezwungen werden kann, mein Phone mittels Fingerabdruck entsperren zu müssen weil der Fingerabdruck nicht die gleiche Wertigkeit besitzt wie ein Passwort. Nehmen wir an. dass ich auf meinem Phone ausschließlich Blumenfotos gespeichert habe. Eigentlich harmlos, kann jeder sehen. Nein, auch das ist ein persönlicher Aspekt der keinen anderen etwas angeht, es sei denn, ich gebe meinen Hang, Blumen zu fotografieren, selbst preis. Aber, wie schon EinLeser schrieb, ein Großteil der Bevölkerung hat "nichts zu verbergen". Wirklich? Die US-amerikanische Deportationspolizei ICE macht genau mit den durch die Werbeindustrie abgegriffenen Handydaten Jagd auf Menschen.
Der Punkt, der hier versucht wird vom Staat /den Ermittlungsbehörden zu machen, ist ja dass nur gefährder ein Interesse an ihren Daten haben. Was der absolute Wahnsinn in Anbetracht dessen ist, was die Daten hergeben die der "Normalnutzer" an die Daten Sammler weitergeben. Die spitze des Eisbergs wurde schön vom BR visualisiert https://interaktiv.br.de/ausspioniert-mit-standortdaten/index.html und hier verknüpft mit einem staatlichen Interesse (indem sie als Beispiel einen Geheimdienst Mitarbeiter genommen haben). Das betrifft aber natürlich jeden, der Android/Windows und vermutlich auch IOS (habe noch nie Apple Geräte genutzt) verwendet und keine entsprechenden filter einbaut. Da aber das Interesse der Institutionen vor allem bis hinauf zur EU die mittlerweile fast alle Grundlagen für Gesetze vorgibt, für digitale Kontrolle so gross geworden ist, sind diese Entwicklungen kaum noch verhinderbar. Es dürfte nicht mehr lange dauern bis solche Hintertüren noch nutzbar sind. Auch weil der Widerstand sehr rudimentär ist.
Ich verbreite auch soviel Datenschutz wie ich kann, aber gegen Bequemlichkeit, aber auch technische Hürden wird es immer schwerer.
Ich denke bei dieser Thematik immer an die Zeit von zensurula, wo selbst in meinem kleinen Städtchen, in dem es nie (seit ich da wohne, ca Mitte der 80er) eine wirklich grosse demo gab, plötzlich 10.000. jugendliche auf der Strasse waren. Ich war dort und habe keinen schwarzen block oder irgendwelche Sektierer gesehen, die das Motto der demo für ihren "Kampf" umdeuten wollten. Was vorher bei allen demos so war.
Eine riesige deutschlandweite Protestbewegung in deren Nachgang die Piratenpartei in mehrere Parlamente gewählt wurden. Bis Sektierer diese Bewegung zerstörten. Das passiert ständig, das eigentlich homogene Interessengruppen mit Wahrheitsansprüchen und völlig unrelevanten auseinander dividiert werden. So bleibt für alles, was den staatlichen Interesse gefährlich werden könnte, nur noch Bruchstücke, wie diese Seite, übrig.
Ja klar, ich nutze GrapheneOS auf meinem Pixel 4a. Nachdem Google das Betriebsystem so gepatched hat, dass der Akku als defekt und absolut labil gilt und ausgetauscht werden muss, habe ich GrapheneOS installiert und das ursprüngliche Akku-Verhalten zurück. Es lädt wieder bis 100%, springt nicht willkürlich von 2%/17% oder zufällig zwischen 0% und 45% hin und her, hält im Standby wieder über 24h und bei normalem Betrieb gut über 8h. Ich stecke doch kein Potenzial nach Patchende aufgezwungene Akku-Optimierung die genau das Gegenteil bewirkt in eine Tauschaktion. Grüße, Stephan
Solche Vorfälle führen einem vor Augen das wir längst nicht mehr "frei" sind. Und sie zeigen auch die grösste Schwäche des Menschen auf, nämlich seine Dummheit/Faulheit. Paradox das der Mensch zugleich das intelligenteste aber auch das dümmste Wesen auf dieser Erde ist. Ich habe es längst aufgegeben meinen Verwandten, Kollegen und andere aus meinem Umfeld den "Datenschutz" oder "OpenSource" zu erklären. Das ist wie wenn man jemandem sagt "Du darfst den Abfall nicht einfach auf den Boden schmeissen!". Und er entgegnet "Warum nicht? Ich schmeiss es auf den Boden, dann kommt der Wind und weht es in den Wald -> Problem gelöst!" Jegliche weitere Diskussion kann man sich dann sparen, sie "sehen" das Problem nicht (aus den Augen, aus dem Sinn). Beim Datenschutz kommt dann sowas wie "Ach, die da oben (Regierung) schauen schon das der Datenschutz passt". Ähm ja, ok, wenn du das sagst ist das wohl so. 🙄
In der EU hilft da wohl nur der Gang zum EUGH. Von Reisen in die USA rate ich als Nutzer von GrapheneOS ab :-) Und falls ich doch mal in die USA oder andere "unsichere" Staaten reisen muss, werde ich mir ein Ersatzgerät mit Stock-ROM besorgen.
Habe mich vor einiger Zeit mal interessehalber mit dem Thema "Rubberhose Attack" und "deniable encryption" beschäftigt. Dein Vorschlag, die Daten zu löschen und ein Standard-Profil zu laden geht in diese Richtung. Ein Problem ist aber dass GrapheneOS von den Behörden per se als verdächtig wahrgenommen wird und diese Funktion bekannt wäre. Man könnte die Existenz von GrapheneOS verschleiern und im Notfall ein Standard-ROM laden. Der Aufwand ist meines Erachtens aber (noch) zu hoch und lohnt sich nur für professionelle User (Spione, Journalisten, Verbrecher?!). Allerdings muss man hier die politische Entwicklung in der EU abwarten, kann mir gut vorstellen dass es in den nächsten Jahren existenziell werden könnte :-(
bekennender GrapheneOS-User und U.S.A.-Kritiker; von daher wäre ich "so oder so verdächtig", wollte ich in die U.S.A. einreisen. Die Vorfälle im Zusammenhang mit der WM waren leider vielsagend. Ich nutze auf dem zweit-Phone "plain" CalyxOS, zumindest da hätte ich ne "unverdächtige" Alternative.
Dass es die breite Masse nicht mit der IT-Sicherheit hat, liegt am Angebot, dessen opt-out-Konfiguration und den Absichten der treibenden Kräfte im Hintergrund (Google, Apple, Microsoft). Ginge es nach mir, gäbe es z.B. bei den Internet-Keksen weder "berechtigte Interessen" noch opt-out.