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GNU/Linux.ch - News von uns, für uns

Kollaborativ geschriebene News und ein Podcast über Linux und Freie Software


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Cloudflare bietet Browser Isolation

Anwender sollen den Browser in einem Rechenzentrum betreiben, statt auf dem eigenen Computer

Di, 20. Oktober 2020, Ralf Hersel

Wie der Anbieter von weltweit über 200 Rechenzentren Cloudflare in einem Blogeintrag mitteilt, sollen mit dem Service Cloudflare One potenziell schädlichen Teile des Webs vom eigenen Rechner ferngehalten werden. Mit dieser Browser Isolation lanciert der Anbieter einen neuen Service, der die Security von Unternehmen stärken soll.

Es gebe eine Reihe von Möglichkeiten, wie Browser isoliert werden können, um die Endnutzer zu schützen, schreibt Cloudflare. Einige machen eine Kopie einer Website in ihrer sicheren Umgebung und schicken sie an den Benutzer zurück, während andere cloudbasierte Plattformen verwenden, um die Seite zu zerlegen, auf Malware zu untersuchen, sie dann wieder zusammenzusetzen und an den Benutzer zu senden, wenn nichts Bösartiges entdeckt wird.

Der Cloudflare-Ansatz bestehe darin, in den eigenen Rechenzentren weltweit Testumgebungen mit virtuellen Maschinen in einer Sandbox einzurichten, die den finalen Output des Web Page Renderings eines Browsers an den Benutzer senden. Dies bedeutet laut Cloudflare, dass das einzige, was an das Gerät gesendet werde, ein Paket von Zeichenbefehlen zum Rendern einer Website ist. Dieser Ansatz mache das Angebot kompatibel zu sämtlichen HTML5-konformen Browsern.

Mit diesem Ansatz wird der eigene Browser zum Anzeigeprogramm für Bildchen degradiert. Die Einsicht in den Quellcode (html, css, usw.) ist dann nicht mehr möglich. Auch der Inspektion und Überprüfung von Webseiten wird damit ein Riegel vorgeschoben. Assistenzsysteme für eingeschränkte Personen, die z.B. eine Webseite vorlesen, sind dann Schnee von gestern.

Quelle: https://blog.cloudflare.com/introducing-cloudflare-one/

Firefox 82 erschienen

Die neue Version kann schon jetzt vom Release-Server bezogen werden

Di, 20. Oktober 2020, Dominique Blake-Hofer

Eine neue Version des Webbrowsers Firefox steht ab heute für Windows, macOS und Linux vom Mozilla-Releaseserver zum Herunterladen zur Verfügung. Version 82 bringt folgende Neuerungen:

Zunächst einmal blockiert Firefox 82 nun automatisch bösartige Downloads. Damit sind Downloads gemeint, welche im Hintergrund und ungefragt gestartet werden. Diese Funktion ist prinzipiell nicht neu, andere Browser setzen diese schon seit längerem ein. Firefox informiert den Benutzer darüber, wann ein Download blockiert wird. Eine Änderung hat auch der integrierte Dienst "Pocket" erfahren. Neu können auf der Registerkarte 7 Reihen mit empfohlenen Artikeln angezeigt werden, sowie (sofern verfügbar) auch gesponserte Inhalte. Beide Inhalte können auf Wunsch deaktiviert werden.

Das 'Save to Pocket'-UI hat ein neues Aussehen erhalten. Das Speichern von Beiträgen aus dem Internet in den Read-it-later-Service ist schneller und intuitiver. Des Weiteren gab es Änderung im integrierten Synchronisations-Dienst, es können nun mehr Einstellungen auf die verbunden Geräte synchronisiert werden

Dies sind die wichtigsten Änderungen in Firefox 82 auf einen Blick:

  • Blockiert unerwartete/unerwünschte Downloads
  • 7 Reihen mit wieder aufgenommenen Beiträgen via Pocket
  • Gesponserte Inhalte für deutsche und britische Benutzer
  • Sammeln von Linux-Backend-Telemetriedaten
  • Möglichkeit, benutzerdefinierte Suchmaschinen nach URL hinzuzufügen
  • Verbesserter 'Save to Pocket'-Service
  • Entfernt FTP-Unterstützung
  • Weitere Einstellungen synchronisieren
  • Aktualisierter PDF-Betrachter
  • WebRender für mehr Benutzer aktiviert

Quelle: https://www.mozilla.org/en-US/firefox/82.0/releasenotes/

Unrund - Runden in Tabellenkalkulationen und Python

Der grosse Unterschied zwischen kaufmännischem und symmetrischem Runden

Mo, 19. Oktober 2020, Ralf Hersel

Neulich durfte ich zum Vergleich von Telefoniekosten die Gesprächskosten des laufenden Jahres bearbeiten. Dabei ging es um knapp 100'000 Datensätze von Telefongesprächen, deren Kosten berechnet und die Summen gebildet werden sollten. Ein Kollege hatte bereits eine Vorarbeit in Excel für 10'000 Datensätze gemacht. Da mir das Hantieren in Excel mit solchen Datenmengen zu mühsam war, habe ich schnell ein Python-Skript geschrieben, um die Daten aus mehreren CSV-Dateien zusammenzuklauben und die Berechnungen durchzuführen.

Dabei ist mir ein grundlegender Unterschied bei den Rundungsfunktionen in Excel (auch in Libreoffice Calc) und in Python aufgefallen. Das Runden in den Tabellenkalkulationen verwendet das kaufmännische Runden, während bei Python symmetrisches Runden zum Einsatz kommt. Die Verfahren führen insbesondere dann zu verschiedenen Ergebnissen (Fehlern), wenn viele gerundete Werte summiert werden. Beim kaufmännischen Runden (das ist das, was man in der Schule lernt) wird eine 0.5 immer aufgerundet, obwohl sich dieser Wert in der Mitte zwischen 0 und 1 befindet. Das symmetrische Runden stellt es etwas schlauer an, da hierbei eine 0.5 nicht einfach aufgerundet wird, sondern zur nächsten geraden Zahl hin, entweder auf- oder abgerundet wird. Dies führt zu einem faireren Rundungsverhalten.

Beispiel für kaufmännisches Runden (Excel, Calc) Beispiel für symmetrisches Runden (Python)
0.5 gerundet = 1
1.5 gerundet = 2
2.5 gerundet = 3
3.5 gerundet = 4
4.5 gerundet = 5
5.5 gerundet = 6
6.5 gerundet = 7
7.5 gerundet = 8
8.5 gerundet = 9
Summe = 45
0.5 gerundet = 0
1.5 gerundet = 2
2.5 gerundet = 2
3.5 gerundet = 4
4.5 gerundet = 4
5.5 gerundet = 6
6.5 gerundet = 6
7.5 gerundet = 8
8.5 gerundet = 8
Summe = 40

Die korrekte Summe der nicht gerundeten Werte beträgt 40.5 und liegt somit viel näher am Ergebnis der symmetrisch gerundeten Werte. Summiert man sehr viele gerundete Werte, lohnt es sich auf das Rundungsverfahren zu achten, da man ansonsten grosse Abweichungen vom korrekten Ergebnis erhält. Dummerweise gibt es in Excel und Libreoffice-Calc keine Funktion für symmetrisches Runden.

Swiss Digital Days

Montag, 19. Oktober, Daniel Schär

Vom 1. - 3. November 2020 finden an 23 verschiedenen Standorten in der Schweiz die Swiss Digital Days on- und offline statt. Im Mittelpunkt der Besucherinteraktion: eine digitale LIVE-Plattform mit Panels, Präsentationen und Kursen zu gesellschaftsrelevanten Themen sowie physische Veranstaltungen. Gemeinsam werden Ideen und Lösungen für die nachhaltige Entwicklung einer digitalen Schweiz entwickeln. 

Mehr als 150 kostenlose Veranstaltungen in einer Vielzahl von Formaten wie Talks, Shows, Kursen, Präsentationen bieten die Möglichkeit, sich zu informieren, zu lernen, sich zu beteiligen und die Zukunft mitzugestalten. Dabei werden unterschiedlichste Alters- und Interessensgruppen angesprochen - von Programmierkursen für Kids bis zur Fernunterricht-Plattform für Senior/-innen. Auftakt zu den Digitaltagen 2020 bildet die Ansprache von Bundespräsidentin Simonetta Somaruga. 

Die Seite zum Event ist viersprachig. Die genauen Ausstrahlungstermine, Orte und die jeweilige Sprache, in der das Event abgehalten wird, entnimmt man dem Programm.

Quelle: https://digitaldays.swiss/

Version 2.2 des Plugin-Hosts Carla ist erschienen

Carla ist ein voll ausgestatteter, plattformübergreifender Audio-Plugin-Host, der auch selbst als Plugin in einer DAW laufen kann. Carla unterstützt Plugins in den Formaten LV2, VST3, LADSPA, DSSI und AU, plus SF2 and SFZ-Dateien. Es verwendet JACK als den standardmäßigen und bevorzugten Audiotreiber, unterstützt aber auch native Treiber wie ALSA, DirectSound oder CoreAudio.

Montag, 19. Oktober, Daniel Schär

Im Gegensatz zu früheren Versionen gab es bei der Version 2.2 nicht viele grafische Änderungen, aber eine Menge Dinge unter der Haube. Wichtig für Entwickler ist, dass die "native" API für den Zugriff auf Carla als Plugin (wie sie von LMMS verwendet wird) immer noch ABI- und API-mäßig rückwärtskompatibel mit der Version 2.0 ist, die ABI und API von Carla als Bibliothek jedoch nicht. Die Unterstützung für mehrere gleichzeitige Instanzen wurde eingeführt. Ebenfalls werden neu LinuxVST3s unterstützt nebst Windows- und macOS-VST3-Plugins. 

Installation via Repository oder GitHub

Für alle Debian-basierten Distributionen lohnt es sich, das Repository von kxstudio herunterzuladen. Sobald man das Repository installiert hat, kann entweder manuell einzelne Pakete wie Carla daraus installieren oder die Meta-Pakete hinzufügen, um automatisch empfohlene Pakete zu installieren. Für alle anderen gibt es Download-Pakete auf Github oder auf der KxStudio-Webseite.

Quelle: https://kx.studio/News/?action=view&url=carla-plugin-host-v22-is-finally-here

Krita 4.4.0 erschienen

Version 4.4 glänzt mit neuen Füllebenentypen, neuen Pinsel-Optionen wie beispielsweise dem Farbverlaufsmodus

Mo, 19. Oktober 2020, Ralf Hersel

Ein wenig später als geplant, ist die Version 4.4.0 des freien Malprogramms Krita erschienen. Mit einer ganzen Reihe neuer Füllebenentypen, einschliesslich des vielseitigen, auf SeExpr basierenden, skriptfähigen Füllebenentyps, neuen Optionen für Kritas Pinsel wie dem Farbverlaufsmodus für Pinsel, Helligkeits- und Farbverlaufsmodi für Pinseltexturen, Unterstützung für die dynamische Verwendung von Farben in Farbverläufen, Webm-Export für Animationen, neue Skripting-Funktionen - und natürlich hunderten von Bugfixes, wurde diese Version von Krita stark verbessern. Hervorzuheben sind auch die vielen Korrekturen, die für ChromeOS und Android gemacht wurden.

Pattern Transformation

Eine Übersicht der wichtigsten Neuerungen mit Beispielen findet sich in den Release Notes. Krita gibt es für Windows, Linux, macOS, ChromeOS und Android, wobei die beiden letzteren sich im Beta-Stadium befinden.

Quelle: https://krita.org/en/item/krita-4-4-0-released/#

Analoges fürs Digitale

Skizzen, Handschriften, Entwürfe spontan digitalisieren/vektorisieren

Mo, 19. Oktober 2020, Matthias Baran

Bei allem Übergewicht an digitalen Geräten und Werkzeugen driftet analoge Handwerklichkeit kontinuierlich aus dem Blickfeld und der Gewohnheit. Dabei bereichert gerade das Gewachsene, Organische, Handgemachte digitale Arbeit und Produkte ungemein und gibt ihnen Charme und Glaubwürdigkeit. Beide Welten lassen sich unkompliziert kombinieren, selbst unterwegs in Kundengespräch oder Seminar – mit Freier Software natürlich. Hier ein Beispiel aus dem Alltag.

Aufgabe
Skizzen, Handschriften, Entwürfe spontan digitalisieren/vektorisieren


Werkzeuge:

  • Webcam
  • VLC
  • Gimp
  • Inkscape

VLC: Bildaufnahme
Zuerst wird die Kamera als Quelle gewählt: Medien → Aufnahmegerät öffnen → Video-Gerätename. Unter Linux heisst sie z.B. /dev/video0.

Mit einem Klick auf Wiedergabe erscheint das Livebild der Kamera im Programmfenster.
Jetzt lässt sich die Zeichnung vor der Kamera super positionieren. Dabei auf gute Beleuchtung achten – ein Schwenk in Richtung Fenster oder Deckenlampe hat oft schon Effekt.

Passt die Ansicht, wird das Bild aufgenommen per Shift S oder Video → Videoschnappschuss machen.

Standardmässig landet es im Bilderordner. Auflösung, Speicherort usw. lassen sich justieren über Werkzeuge → Einstellungen → Video.

Gimp: Bildoptimierung
Nach dem Öffnen des „gescannten“ Bildes in Gimp kann man erst einmal die Bildgeometrie auf das nötige Format anpassen mit dem Zuschneidewerkzeug aus der Werkzeugpalette.

Anschliessend gilt es, ggf. den Kontrast so weit verstärken, dass die Zeichnung sich gut vom Hintergrund separiert. Perfekt für derart Arbeiten ist die Tonwertverteilungskurve: Farben → Kurven.

Datei → Exportieren gibt das optimierte Bild aus, Empfehlung: PNG.

Inkscape: Vektorisierung
In die Zeichnungsdatei geladen wird das in Gimp optimierte Bild per Datei → Importieren.

Jetzt folgt die Umwandlung in Vektorformen: Pfad → Bitmap nachzeichnen.

Es öffnet sich ein Assistenzfenster, in dem – je nach Motiv – die Anzahl der Helligkeitsstufen oder Farben definiert werden kann, mit denen die Pixel- in eine Kurvengrafik konvertiert wird. Entsprechend viele einzelne Zeichnungsobjekte werden dann generiert.

Die Voransicht erneuert ein Klick auf Aktualisieren, OK vollzieht die Vektorisierung.

Jetzt kann das Assistenzfenster geschlossen und das Pixelbild, das als Grundlage diente, entfernt werden.

Die entstandenen Vektorformen sind vorerst noch gruppiert. Die Gruppe auflösen lässt sich mit Shift Strg G.

Jetzt liessen sich die Einzelformen optimieren, miteinander kombinieren und sowohl qualitativ als auch illustrativ weiterentwickeln.

Inkscape speichert nativ im SVG-Format, somit in einem der wichtigsten Standards für Illustrationsgrafiken.

Viel Erfolg!

From Cloud to Edge and Beyond

Von der Cloud zu Edge oder doch weiterhin selber hosten?

Fr, 16. Oktober 2020, Lioh Möller

Hype-Themen gibt es immer wieder in der IT-Industrie. In den vergangenen Jahren ging es erst über skalierbare Infrastruktur-Projekte wie OpenStack hin zu Containern und letztendlich in Richtung Kubernetes. Dabei wird oftmals viel zu früh auf den Zug aufgesprungen und mit einem grossen Kraftakt versucht, klassische Projekte auf die vermeintlich neuen Technologien hin anzupassen. Ob dadurch letztendlich etwas gewonnen und ein tatsächlicher Mehrwert entsteht, spielt erst einmal keine Rolle.

Cloudlösungen wie k8s haben beispielsweise dann einen Sinn, wenn es um Skalierbarkeit geht. Ressourcen können bei Bedarf angefragt und erweitert werden, letztendlich sollten diese aber konsequenterweise auch bei Nichtbenutzung wieder abgebaut werden. In erster Linie wurde k8s für Webprojekte geschaffen und zunächst einmal für Google-Dienste denn es stammt ursprünglich aus dem Hause Alphabet Inc. und genau auf deren Anforderungen hin wurde es optimiert. Seit dem fluchen viele Administratoren über die Komplexität und in sozialen Netzwerken sieht man immer wieder Menschen, die sich genau darüber lustig machen (zumeist Betroffene, die ihre gute Laune bewahren möchten).

Aktuelles Trend-Thema ist Edge. Dabei wird versucht Compute-Ressourcen von Endkunden mitzunutzen. Auch hinter dieser Idee stehen massgeblich grosse Anbieter wie Google, Amazon und Co. die mittlerweile festgestellt haben, dass der Betrieb einer Cloud-Infrastruktur richtig viel Geld kostet. Der letztendlich logische Schritt ist da natürlich, dass man den Kunden wieder selbst Server betreiben lässt, doch diesmal sind sie nicht mehr dessen volles Eigentum, denn sie stellen letztendlich nur einen verlängerten Arm der grossen Cloud dar. Bezahlen darf der Kunde natürlich weiterhin, einerseits für die Hardware, aber auch für den Betrieb.

Bevor man also in die Migration hin zu einer externen Cloud nachdenkt, sollte man sich fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, weiterhin selbstständig die eigene Infrastruktur zu betreiben. Und wenn es wirklich Microservices und Scale-Out sein sollen, dann lassen sich diese ebenfalls sehr gut selbst betreiben. Projekte wie Rancher können dabei unterstützen und die Komplexität teilweise verringern. Und möglicherweise gibt es dann auch einen Anwendungsfall für die eigene Edge-Lösung. Selbstgehosted und unabhängig. Eine Herausforderung bleibt ein solcher Technologiewechsel dennoch in jedem Fall.