Android-Backup mit Seedvault

  Ralf Hersel   Lesezeit: 5 Minuten Auf Mastodon ansehen

Mit der aktuellen /e/OS-Version 4.3 steht Seedvault wieder als Backup-Werkzeug zur Verfügung. Das ist gut, aber die Bedienung hat sich nur in wenigen Punkten verbessert.

android-backup mit seedvault

Aus aktuellem Anlass schreibe ich einen weiteren Artikel zu Seedvault. Es gibt bereits drei Berichte dazu:

  • 2022 hat Lioh die Android-Sicherung mit Seedvault beschrieben.
  • Im Februar 2026 habe ich erklärt, wie man ein Taler-Wallet sichert.
  • Ende September 2026 habe ich mich darüber aufgeregt, dass Seedvault in /e/OS entfernt wurde.

In der /e/OS-Version 4.2 hat Murena Seedvault entfernt, sodass nur noch das Backup über die Murena-Cloud zur Verfügung stand. Dabei gab es zwei Probleme:

  1. Der Standardspeicherplatz in der Murena-Cloud von 1 GB reicht für ein Android-Backup nicht aus. Ja, man kann zusätzlichen Speicherplatz kaufen:



  2. Die Einstellmöglichkeiten der Murena-Sicherung sind unzureichend.

Offenbar hatte Murena ein Einsehen, weil seit der /e/OS-Version 4.3 Seedvault wieder zur Verfügung steht. Aber nicht unter 'Systemeinstellungen → System → Sicherung', sondern neu unter 'Systemeinstellungen → Sicherung'. Das ist eine sinnvolle Änderung, weil die 'Sicherung' eine wichtige Aktivität ist, die man nicht unter 'System' verstecken muss.

So sieht das jetzt aus:

Wer seine Daten bei Murena sichern möchte und dort ausreichend Speicherplatz hat, kann die erste Option wählen. Für alle anderen bietet sich die Seedvault-Option an:

Danach kann man auswählen, wohin die Sicherung erfolgen soll:

Es gibt vier Optionen:

  1. Auf einen beliebigen WebDAV-Empfänger
  2. Auf das eigene Smartphone (Hä! Warum?)
  3. Auf eine Nextcloud. Ich nehme an, dass diese Option nur angeboten wird, falls unter 'Systemeinstellungen → Konten' bereits ein Nextcloud-Konto vorhanden ist.
  4. Auf einen USB-Stick (falls einer eingesteckt ist)

Im Vergleich mit meiner letzten Erfahrung, hat sich Seedvault weiterentwickelt. Bei dieser Auswahl bleiben keine Wünsche offen. Da ich das Backup auf meiner Nextcloud speichern möchte, wähle ich die gleichnamige Option aus. Dann kann man ein paar Einstellungen vornehmen, auf die ich näher eingehen möchte. Ich habe die Standardwerte beibehalten, bis auf die Häufigkeit des automatischen Backups. Diese habe ich auf eine Woche verlängert.

Was in Seedvault nach wie vor schlecht gelöst ist, ist die Auswahl, welche Apps gesichert werden sollen. Diese Einstellung findet man nur, wenn man weiss, wo sie ist. Falls ihr alle Apps sichern möchtet, müsst ihr euch darüber keine Gedanken machen, ausser, ihr habt zu wenig Speicherplatz auf dem Zielmedium. Alle anderen klicken auf den Menüpunkt 'Sicherungsstatus', bevor ihr die erste Sicherung anstosst.

Zuerst seht ihr eine Menge Ausrufezeichen, weil Seedvault noch keinen Backup-Status kennt. Möchtet ihr Apps von der Sicherung ausschliessen (ja, das wollt ihr), klickt ihr rechts oben auf die drei Punkte und schaltet "Apps ausschliessen" ein. Aber Achtung, hier wurde ein Grundprinzip des UI-Designs verletzt: "keine negative Logik". Die Systemdaten und Apps werden vom Backup ausgeschlossen, wenn ihr den Haken setzt. Ob das wirklich stimmt, werden wir später sehen.

Runde 1

Nun stosst ihr den Backup-Prozess an, indem ihr im Hauptmenü von 'Systemeinstellungen → Sicherung' unter den drei Punkten auf 'Jetzt sichern' klickt. Dann rennt Seedvault los und flutet euer Speichermedium mit Daten. In der Benachrichtigung von Seedvault könnt ihr verfolgen, was das Backupprogramm gerade macht. Falls ihr auf eine Nextcloud sichert, empfiehlt es sich, die Benachrichtigungen von Nextcloud temporär auszuschalten. Ansonsten bekommt ihr ein Feuerwerk von Benachrichtigungen zu sehen.

Ausserdem empfiehlt es sich, das Zielmedium zu beobachten. Ihr wollt doch nicht, dass euer Speicherplatz überläuft. Nach meinen Erfahrungen benötigt man ein paar Runden, bis die Seedvault-Einstellungen so sind, wie man sich das vorgestellt hat. Ich habe ein paar Mal die Backup-Dateien auf meiner Nextcloud komplett gelöscht, weil es zu viele waren. Dann habe ich die Einstellungen der Sicherung angepasst und ein neues Backup angelegt.

Bei der ersten Runde, die ich für diesen Artikel angelegt habe, ist mir aufgefallen, dass alle APKs gesichert werden, obwohl ich bei 'Apps ausschliessen', fast alles ausgeschlossen habe. Ein Blick auf meine Nextcloud bestätigt meine Befürchtungen:

1.2 GB und der Backupprozess ist bislang nicht fertig. Etwas habe ich bei den Einstellungen missverstanden. Mir kommen zwei Dinge in den Sinn. Entweder wirkt die negative Logik bei 'Apps ausschliessen' doch andersherum, oder es gibt eine weitere Einstellung, die ich verpasst habe. Mittlerweile ist der Backup-Prozess zu einem Ende gekommen und belegt 2.4 GB auf meiner Nextcloud. Falls ihr das auf der Murena-Cloud macht, habt ihr schon lange einen Überlauf bewirkt.

Runde 2

In der zweiten Runde habe ich zuerst alle Seedvault-Daten auf meiner Nextcloud gelöscht, um von vorn zu beginnen. Auf dem Handy habe ich alle Apps von der Sicherung ausgeschlossen, indem ich bei allen einen Haken gesetzt habe. Ausserdem habe ich unter 'Systemeinstellungen → Sicherung →Seedvault Sicherung → DreiPunkte → Experteneinstellungen' die Option 'APK-Sicherung' ausgeschaltet:

Um ganz sicher zu sein, wollte ich auch die Option 'Meine Apps sichern' ausschalten, doch dann würde gar nichts mehr passieren:

Dann habe ich eine neue Sicherung gestartet und auf das Ergebnis gewartet (Ralf startet die Stoppuhr). Die Übung habe ich nach 30 Minuten abgebrochen, weil Seedvault bei ca. 10 % hängen geblieben ist. Auf meiner Nextcloud waren lediglich 350 kB angekommen.

Runde 3

Nun habe ich doch die Option 'Meine Apps sichern' ausgeschaltet und die Haken bei allen Apps entfernt (vielleicht ist die negative Logik doch andersherum gedacht). Die Sicherung auf der Nextcloud aus Runde 2 habe ich wieder gelöscht. Nachdem ich in Seedvault alles ausgeschaltet habe, sollte keine Sicherung geschehen. Los geht es (Ralf startet die Stoppuhr). Nichts passiert, weshalb ich die Option 'Meine Apps sichern' einschalte. Meine Güte, was für ein Gefummel. Ok, läuft wieder. 17 Minuten später war das Backup fertig:

Nun gut, meine Nextcloud meldet nur 470 MB, aber über diese Differenz sehe ich mal hinweg.

Fazit

Ich stelle fest: Die negative Logik bei den App-Haken in Seedvault ist in Wahrheit eine positive Logik. Apps mit Haken werden gesichert. Wenn ihr den Haken bei 'Apps ausschliessen' setzt, heisst das lediglich, dass die Option nun bereitsteht. Es bedeutet nicht, dass ein Haken bei den jeweiligen Apps diese ausschliesst, was man meinen könnte. Nein, es bedeutet, dass die Apps beim Backup berücksichtigt werden. Unabhängig davon, werden System-Apps und Murena-Apps gesichert. Dazu gehört auch 'Murena Voice to Text', falls ihr dieses lokale Sprachmodell verwendet. Diese macht einen Grossteil des Backup-Umfangs aus.

Das war wohl nicht der letzte Artikel über Seedvault. Nun habe ich den Haken bei der Taler-App und den Systemeinstellungen gesetzt und warte darauf, was in 7 Tagen automatisch passieren wird.

Titelbild: https://pixabay.com/photos/smartphone-photography-woman-2354157/ (modifiziert)

Quelle: https://github.com/seedvault-app/seedvault

Tags

Android, /e/OS, Murena, Backup, SeedVault

Es wurden noch keine Kommentare verfasst, sei der erste!