AutoTux - eine Distro installiert sich selbst

Fr, 17. Juli 2020, Ralf Hersel

Fast alle GNU/Linux-Distributionen verwenden ein Installationsprogramm, in dem die Anwenderin bis zur fertigen Installation geführt wird. Dabei sind in der Regel einige einfache Entscheidungen zu treffen, die auch Anfänger nicht vor grosse Probleme stellen. Schwieriger ist dies bei Distributionen ohne geführten Installationsprozess wie Arch, Gentoo oder Slackware, die sich jedoch nicht an Anfänger richten. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich die Distribution AutoTux-Linux. Auch hier gibt es keine geführte Installation; im Gegenteil, diese Distribution installiert sich vollständig von selbst, ohne ein Zutun der AnwenderIn.

AutoTux ScreenshotAutoTux mit Xfce im macOS-Stil

Die Entwickler von AutoTux sehen dies als Alleinstellungsmerkmal und Vorteil für Einsteiger und Umsteiger, um die Installation so einfach wie möglich zu machen. Die Distro basiert auf Debian 10 'Buster' und verwendet den Xfce-Desktop. Ob die vollständig automatische Installation tatsächlich ein Vorteil für Anfänger ist, sei dahingestellt. Auf seiner Webseite zeigt das Projekt folgende Warnmeldung:

Warnung: Die Installation ist vollständig automatisiert ohne jeglichen Benutzereingriff. Das System wird automatisch auf der ersten verfügbaren Platte installiert.

An dieser Stelle kratzen sich viele Leserinnen bestimmt etwas irritiert am Kopf. Bedeutet diese Warnung nicht weniger, als das AutoTux kein Booten in eine Live Session anbietet. Stattdessen wird das System sofort fest installiert, ohne Ausprobieren, ohne Dual-Boot Option, aber mit dem grossen Risiko, eine bestehende Installation unabsichtlich zu zerstören. Während der Installation wird auch keine Internetverbindung benötigt, da das AutoTux-Image alle nötigen Anwendung bereits enthält.

Der automatische Installationsvorgang ist bei einer SSD in gut 20 Minuten erledigt. Die Installation ist abgeschlossen, sobald diese Meldung erscheint: 'Entfernen sie das Installationsmedium nicht und drücken sie die Eingabetaste'. Das Gegenteil ist richtig; falls man den USB-Stick nicht entfernt, befindet man sich in einer unendlichen Installationsschleife.

Beim Anmeldedialog verwendet man 'tux' sowohl für den Namen als auch für das Passwort. Anschliessend erscheint der im macOS-Stil gehaltene Xfce-Desktop. Als erstes empfiehlt es sich über die Systemeinstellung den Benutzernamen und das Passwort zu ändern. Die Daten auf dem ISO-Image stammen vom 3. September 2019, weshalb eine sofortige Softwareaktualisierung über die Paketverwaltung ratsam ist.

Achtung: das unvorsichtige Testen dieser Distribution kann zu Schäden führen; bitte nur in einer virtuellen Maschine ausprobieren!

Quelle: https://autotuxlinux.com/