Browser- und Suchmaschinenhersteller positionieren sich gegen AMP

Fr, 22. April 2022, Ralf Hersel

Accelerated Mobile Pages (AMP, wörtlich übersetzt beschleunigte Mobilseiten) ist ein speziell für die Erstellung von Websites für mobile Endgeräte (v. a. Smartphones) entwickeltes Derivat von HTML. AMP wurde im Herbst 2015 vom AMP Project unter Federführung Googles herausgebracht. Viele HTML-Elemente dürfen in AMP-Dokumenten nicht eingesetzt werden. Da AMP aber mehrere eigene Elementtypen unterstützt, stellt es keine Teilmenge von HTML dar. Der MIME-Typ ist wie bei anderen HTML-Dokumenten auch text/html und .html die Dateiendung. Das eröffnende html-Element ist zusätzlich mit dem Blitz-Symbol ⚡ ausgezeichnet, also: <html ⚡>

Das Symbol ist Programm, regt sich doch Widerstand gegen diese Technik. Die britische IT-Nachrichten-Website The Register kritisierte, AMP schade Informationsanbietern wie Nutzern und nutze nur Google. Mit AMP verbreitete Falschmeldungen wirkten durch Verteilung über Googles Server seriöser. Chris Coyier, ein Gründer von CodePen kritisiert, dass man nicht eine Website besucht, sondern ihre Kopie in Googles Cache. Er fordert, die AMP-Nutzung dürfe das Suchmaschinen-Ranking nicht verbessern. John Gruber, Entwickler der Markdown-Auszeichnungssprache, betont, der AMP-Standard nehme Website-Anbietern die Unabhängigkeit. AMP-Seiten laden tatsächlich schnell, doch sei das auch durch gut eingesetztes HTML und CSS möglich.

Auch Heise online betont, dass die zunehmende Komplexität vieler Websites mit vielen Skript-Programmen die Ladezeiten erhöhe. Googles Ansatz, Seiten mit AMP schneller zu laden, schaffe Datenschutzprobleme, da Webseiten nicht mehr von dezentralen Servern abgerufen werden, sondern von Googles Servern. Google erhält damit Verbindungsdaten der Nutzer. Ausser Nutzerdaten werden auch Inhalte bei Google gespeichert. Dies bindet Publisher und Nutzer enger an das Google-Universum.

Sowohl der Browserhersteller Brave als auch der Websuchdienst DuckDuckGo haben AMP, das umstrittene Web-Publishing-Framework von Google, ins Visier genommen. Brave stellte am Dienstag eine Funktion namens De-AMP vor, die es Nutzern des Brave-Browsers ermöglicht, von Google gehostete AMP-Seiten zu vermeiden und direkt auf Publisher-Inhalte auf Standard-Webseiten zu gehen.

"AMP schadet dem Datenschutz und der Sicherheit im Web und fördert gleichzeitig die Monopolisierung des Webs durch Google", argumentieren Shivan Kaul Sahib, Produktmanager und Ingenieur für Datenschutz bei Brave, und Peter Snyder, Senior Director of Privacy in einem Blogeintrag.

DuckDuckGo erklärte am Dienstag, dass seine App und seine Erweiterungen jetzt vor Google AMP schützen. Diejenigen, die eine Google AMP-Seite über die iOS-, Android- oder Mac-Apps von DuckDuckGo laden oder teilen oder die Chrome- oder Firefox-Erweiterungen verwenden, sehen die reguläre Webseite des Herausgebers anstelle der Google AMP-Version.

"Die AMP-Technologie ist schlecht für den Datenschutz, weil sie Google ermöglicht, die Nutzer noch mehr zu verfolgen (was ohnehin schon eine Menge ist)", erklärte DuckDuckGo via Twitter. "Und Google nutzt AMP, um sein Monopol weiter zu festigen, indem es die Technologie den Verlagen aufzwingt, indem es AMP-Links in der Suche priorisiert und Google-Anzeigen auf AMP-Seiten bevorzugt."

Für den Browser Firefox, Chromium und Microsoft Edge gibt es die Erweiterung Redirect AMP to HTML, die es Anwendern ermöglicht, sich gegen die Verwendung von AMP-Seiten zu entscheiden und stattdessen das Standard-Web zu nutzen. Der Entwickler Daniel Aleksandersen schreibt dazu:

"Vielleicht gefällt dir nicht, wie AMP auf grossen Bildschirmen aussieht, oder vielleicht möchtest du, dass das Web dezentralisiert bleibt und nicht unter der Kontrolle einiger weniger AMP-Caches steht. Was auch immer dein Grund ist, diese Erweiterung lässt dich selbst wählen."

Quellen:

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