Für ein optimales Hörerlebnis empfehlen wir, eine Podcatcher-App zu verwenden. Zum Beispiel:
- AntennaPod (Android)
- gPodder (Desktop)
- GNOME-Podcast (GNOME-Desktop)
- Kast (KDE-Desktop)
- PodPhoenix (Ubuntu-Touch)
Der RSS-Feed für den Podcast lautet: https://gnulinux.ch/podcast/gnulinux_newscast_rss.xml. Ihr findet uns in den Podcast-Verzeichnissen unter dem Suchbegriff: "GNU/Linux".
Wenn euch der Podcast gefällt, freuen wir uns über eine Unterstützung. Vielen Dank!
Shownotes
CIW - Folge 189 - 29.07.2026 - Singularität
- Wir begrüssen alle Hörer:innen in der Post-singulären Zukunft zur Folge 189 von "Captain it's Wednesday", dem Podcast über Freie Software und Freie Gesellschaft von GNU/Linux.ch, aufgenommen am 27. Juli von Lucas Peters und Ralf Hersel. In dieser Folge reden wir über verschiedene aktuelle Themen.
- Der ExploitGym-Stunt und die Singularität?
Hausmitteilungen
- Am vergangenen Freitag wurde der 5000ste Artikel bei GNU/Linux.ch von Claudia geschrieben. Darauf sind wir stolz, weshalb wir Claudia einen Nitrokey3 geschenkt haben. Unser Dank gilt auch den anderen Autoren, die Beiträge für diesen spontanen Wettbewerb eingereicht haben. Eure Artikel werden selbstverständlich publiziert. Wir freuen uns immer über neue Autorinnen und Autoren, weil dadurch unser Spektrum erweitert und die Teilhabe der Community gestärkt wird.
Themen
Die Nachrichten sind voll von Berichten über KI. Bei gefühlt jeder zweiten Meldung geht es darum. Damit es in dieser Folge nicht nur um KI geht, versuche ich, einen Überblick zu geben.
- Ökonomie: Viele Ökonomen erwarten ein Platzen der KI-Blase. Als Gründe nennen sie:
- Investionskreislauf zwischen den grossen US-KI-Firmen und den Hardwarelieferanten, insb. NVidia. Die versteckten Schulden der Hyperscaler kumulieren mittlerweile auf 1,6 Billionen Dollar.
- Generative Modelle (Chat-Bots) sind bisher kein Geschäftsmodell. Sie kosten mehr, als sie einbringen, obwohl die Token-Preise zurzeit stark erhöht werden. Zudem kosten sie Unmengen an Strom und Wasser. Nur der Schaufelverkäufer NVidia profitiert davon.
- Besser sind Open-Weight-Modelle, die lokal laufen können. Oder spezialisierte Modelle, die bestimmte Aufgaben lösen (z. B. Medizin, Technik, Jura, Wissenschaft usw.) Damit hat auch Europa eine Chance, weil dafür keine Mega-Rechenzentren benötigt werden.
- Chinesische LLMs holen auf. Top-Modelle, wie Kimi K3 oder Qwen 3.7max, stehen den US-Frontier-Modellen (GPT 5.6 Sol oder Claude Opus 5) nur noch wenige Monate nach. Die Top Modelle aus China stehen unter einer freien Lizenz (MIT, Apache) und sind Open-Weight-Modelle. Zudem liegen die Tokenpreise der China-Modelle etwa bei der Hälfe der US-Preise.
- Arbeitsmarkt und Lehre
Unternehmen schwenken von Tokenmaxxing auf Valuemaxxing um. Durch die steigenden Tokenpreise ist nun der geschickte Einsatz und die Kombination der am besten geeigneten Modelle das Gebot der Stunde.
Die Welle der Inkompetenz: Prof. Dr. Andreas Bulling von der Universität Stuttgart schreibt zusammengefasst:
“Da rollt eine riesige Welle auf uns zu. Eine Welle ungeahnten Ausmaßes und mit verheerenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft. Die Welle der Inkompetenz.
Bei uns an der Uni sind vorlesungsbegleitende Übungen, Fachpraktika und Seminare effektiv tot. Ob Programmieraufgaben, Übungsblätter oder Textarbeit - der Anteil an KI-generierten Abgaben liegt zwischen 90% und 100%. Studis lassen ganze Bachelor- und Master-Arbeiten von KI erstellen. Code und Ausarbeitung sowieso, aber auch inklusive der ebenfalls notwendigen Vortragsfolien. Wir hatten den ersten Studi, der im persönlichen Betreuungsgespräch (keine Prüfung!) nicht mal mehr selbst geantwortet hat. Der hatte währenddessen ChatGPT offen und hat unsere Fragen einfach weitergereicht und uns die Antworten vorgelesen. Ohne Scham. Stellt man diesen Studis nur eine Nachfrage, z.B. zu ihrem Code - keine Antwort/Ahnung.
Wir bilden insofern gerade eine Generation von Studis aus, die keine Kompetenz hat und nichts genuin kann, d.h. keine auf Wissen und Verständnis basierte Expertise, außer eine KI zu bedienen.
Die ersten dieser Studis gehen jetzt in den Arbeitsmarkt. Der oben genannte mit ChatGPT ist anscheinend bei der Deutschen Bank untergekommen. Die Leute arbeiten dort vermutlich genauso weiter, werden irgendwann auch Chef:in. Erwarten von ihren Mitarbeitenden dann auch nichts anderes.
Nur für eine Gruppe von Leuten nicht. Nämlich die, die jetzt diesem Trend entgegengehen und es schaffen, sich wirklich selbst Dinge zu erarbeiten, zu verstehen und zu durchdenken, und auf dieser Basis auch Neues zu erschaffen. Diese Leute werden in nicht allzu ferner Zukunft hart umworben werden, sich jeden Job aussuchen können und sehr gut bezahlt werden.
Alle anderen, befürchte ich, werden mit ihrer selbstgewählten Inkompetenz in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, wenn KI keine "ausgeklügelten" Prompts mehr braucht.”
- KI-Antworten statt Suchergebnisse
- Eine Antwort statt Ergebnislisten führt zu massiv weniger Klicks auf die Originalseiten, von denen die Inhalte gestohlen wurden. Das führt zu Einnahmeverlusten bei werbefinanzierten Inhaltsanbietern. Das führt zu Einsparmassnahmen bei den Anbietern, z. B. durch KI-Einsatz bei der Inhaltserstellung. Das füttert wiederum KI-Modelle, was zu noch mehr KI-Slop führt. Ein Kreislauf von Inzucht
- Neues beim digitalen Euro: Es gibt nun eine Liste an Banken, welche ab 2027 am Test vom digitalen Euro dabei sind. Vermutlich das bessere Wero.
- Wie informiert ihr euch? Ich habe 32 Feeds in meinem RSS-Reader (Nextcloud-News), um die freie Tech-Bubble zu verfolgen und um Ideen für neue Artikel zu finden. Ausserdem höre ich regelmässig 30 Podcasts, die zu meiner Meinungsbildung beitragen. Videos schaue ich eher selten an, weil mir diese Formate zu lange dauern, bis das Wesentliche zum Vorschein kommt. Alle paar Wochen kaufe ich mir “Die Zeit” im sehr unhandlichen Papierformat, aus nostalgischen Gründen und weil sie hintergründige Artikel schreiben. Jetzt überlege ich mir, die Republik.ch wieder zu abonnieren, um freien Journalismus zu unterstützen.
Outro
Euer Feedback zählt! Kommentiert zur Podcast-Folge oder schreibt uns einfach über Matrix, Mastodon oder per E‑Mail. Nehmt aktiv an der Community teil. Ihr könnt Artikel schreiben, Themen diskutieren oder selbst beim Podcast mitmachen. Bei GNU/Linux.ch wird eure Stimme nicht nur gelesen, sondern auch gehört.
Quellen
- KI
- OpenAI bricht bei Hugging Face ein: https://openai.com/de-DE/index/hugging-face-model-evaluation-security-incident/
- Technologische Singularität: https://de.wikipedia.org/wiki/Technologische_Singularität
- Versteckte Schulden: https://www.golem.de/news/rechenzentren-und-ki-versteckte-konzernschulden-wachsen-auf-1-65-billionen-us-dollar-2607-211107.html
- Tokenmaxxing: https://www.forbes.com/sites/timkeary/2026/06/02/why-tokenmaxxing-is-out-and-valuemaxxing-is-in/,
https://www.golem.de/news/tokens-sap-will-ausgaben-fuer-ki-deutlich-einschraenken-2607-211276.html - LLM-Charts: https://llm-stats.com/
- https://www.vis.uni-stuttgart.de/en/team/Bulling/
- https://fedifreu.de/@abulling/116976224197565150
- Digitaler Euro: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/digitales/einfuehrung-digitaler-euro-100.html
- Informationsbeschaffung

Danke für den Hinweis auf den Bulling-Post! Das ist an Hochschulen ein echtes Problem. Bei Lösungen stehen wir da noch sehr am Anfang. Verstärkt mündliche Prüfungen - ohne Smartphone! - kann in manchen Fällen ein Weg sein. Umsetzung von Projekten, auch mit KI-Unterstützung, ist auch eine Möglichkeit. Aber das kann nur für einen kleinen Teil der Prüfungen umgesetzt werden (schon aus personellen Gründen). Wahrscheinlich werden Arbeitgeber bei der Ersteinstellung verstärkt dazu übergehen, sich nicht auf Zertifikate zu verlassen, sondern eigene - kontrollierte - Prüfungen im Haus voranzustellen. Aber wie gesagt: eine richtige Lösung ist da noch nicht in Sicht ...
Hallo Herbert. Das ist nicht nur an Hochschulen, sondern in der gesamten Gesellschaft ein Problem. Gestern habe ich mich mit einem Freund auf ein Feierabendbierchen getroffen. Er hatte bei unserem Gespräch ständig ChatGPT vor dem Mund, um seine Antworten überprüfen zu lassen. Ich übertreibe ein wenig, aber die Fähigkeit, eine selbstbestimmte Geistesleistung zu äussern, nimmt ab.
Hallo, das ist die logische Folge. Die Verblödung der Menschheit hat läuft. Frage: Was macht GnuLinux.ch gegen den Diebstahl der Inhalte (auf GnuLinux.ch) durch AI-Crawler ?
Ich denke auch, dass es mit der KI langsam reicht. Die Blase muss eigentlich nicht weitergetrieben werden, aber wir Menschen sind halt nicht so vernünftig. Ich nutze zwar auch KI, um vor allen Dingen Technikthemen, zum Beispiel, was unter welchem Linux-Mint oder Ubuntu funktioniert oder nicht. Oder wenn ich im Linux-Bash-Skript eine Regex brauche, dann lasse ich mir die per KI zusammenstellen, bevor ich da ewig rumfummel. Das hilft wirklich sehr, aber es ist schon gut, wenn man weiß was die Skripte so machen. Manchmal kommt auch nicht so tolles raus, und dann ist es gut, wenn man zumindest ein bisschen Ahnung von dem Thema hat. Wenn ich mich mit Freunden treffe, treffe ich mich mit Freunden, und dann habe ich auch nicht ChatGPT dabei. Aber manche begreifen es halt nicht.
Ich nutze sehr gerne eine KI-Sprache zu Texten für mein Handy, weil ich mir dann nicht die Finger wundschreiben muss. Ich nutze da Wispr Flow zur Zeit in der kostenlosen Version unter Android. Ansonsten habe ich auch eine Nextcloud-RSS Reader mit ungefähr 80 Feeds. Ich kann die auch gerne mal hier zur Verfügung stellen. Vielleicht entdeckt der ein oder andere noch ein paar interessante Sachen, hauptsächlich zu Linux-Einsteiger- und fortgeschrittenen Themen, digitale Souveränität, Privatsphäre und so in dem Dreh. Meine RSS Feeds: https://matzes.wolkesicher.de/s/6PnH5yNNr7zp8ND
Ansonsten habe ich noch einen Mastodon-Account, wo ich mir auch Sachen wie nextpolitik.org, Volksverpetzer und so weiter, ein paar auch hauptsächlich zu Datenschutz, Privatsphäre und so Sachen, abonniert habe, ohne dass in der Timeline ein Algorithmus ist. Das ist sehr angenehm.
Ansonsten, wie gesagt, finde ich es auch schön, wenn ihr einfach mal über verschiedene Themen redet. Hatten wir ja schon mal. Immer gerne Podcasts höre ich wenige, hauptsächlich euren eigentlich, wenn ich Essen koche oder so, sonst reicht mir einfach die Zeit dafür nicht.
Ja, alles Liebe macht weiter so. Bis denn! Tschüß!
Mir hat es gut gefallen, dass der Begriff Token kurz erklärt wurde. Ich habe festgestellt, dass viele so tun, als kennen sie alle Fachbegriffe, aber auf Nachfrage kommen sie dann ins Schleudern, wenn sie es erklären sollen. Deshalb solche kurzen Erklärungen bitte in Zukunft ruhig öfter machen, denn nicht alle, die zuhören, sind vom Fach.