RSS - das vergessene Format

Do, 9. Dezember 2021, Ralf Hersel

Standards wie RSS sind vielleicht die am meisten unterschätzte und am wenigsten genutzte Funktion des Internets. RSS-Feeds sind einfache Textdateien, die von jeder Webseite unter einer festen Adresse veröffentlicht werden, mit einem Link oder dem üblichen RSS-Symbol. Diese Feeds werden laufend mit Schlagzeilen, Auszügen und Links zu den Vollversionen der neuesten Einträge auf der betreffenden Webseite aktualisiert. Mithilfe von Programmen, die als RSS-Reader oder Aggregatoren bezeichnet werden, kann man dann automatisch so viele RSS-Feeds herunterladen und lesen, wie und wann man möchte.

Die Abkürzung RSS bedeutet 'Really Simple Syndication' (etwa: sehr einfache Verbreitung) und besteht aus einer standardisierten XML-Datei mit der Endung .rss oder .xml. Früher konnten solche RSS-Feeds direkt im Webbrowser abonniert und gelesen werden. Heute führt ein Klick auf dieses Icon (in Firefox) entweder zur Anzeige der Rohdaten, oder zum Speichern-unter Dialog. Damit können viele Leute nichts anfangen.

Vorteile

Kürzlich gab es in unserem Büro eine Diskussion über Newsletter. Als ich den Begriff RSS, als opt-in Möglichkeit aufbrachte, waren die Augen gross und die Stirnfalten tief. Niemand wusste, was RSS bedeutet. Dabei ist Syndication über News-Feeds eine tolle Sache mit vielen Vorteilen:

  • RSS spart Zeit. Sehr viel Zeit. Es gibt kaum etwas Effizienteres als einen einzigen, auch offline nutzbaren "Einstiegspunkt" für alle Arten von Nachrichten, von wichtigen Ereignissen bis hin zu Blogbeiträgen von Freunden.
  • RSS-Feeds sind ungefiltert. Es gibt keine Algorithmen. Im Gegensatz zu den sozialen Medien kann man bei RSS immer sicher sein, alle Nachrichten zu erhalten. Ausserdem steht es jedem frei, sie zu ignorieren oder zu priorisieren. Bei RSS ist der einzige Filter die eigene bewusste Auswahl von Nachrichtenquellen.
  • RSS wird nicht zentral überwacht. Alle Daten bleiben bei dir. Die Verfolgung von Verhaltensweisen bleibt auf dem eigenen Computer, falls sie dort überhaupt stattfindet.

Leider ist RSS für viele Webseiten heute kein Thema mehr, sodass die Option oft vor den Lesern verborgen wird. Beispiel gefällig? Wie lange braucht ihr, um auf der Webseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Link zum RSS-Feed zu finden? Wenn ihr ihn gefunden habt, wundert ihr euch vielleicht, warum dort kein Link auf den Feed angeboten wird. Stattdessen findet man eine Bastelanleitung für die FAZ-URL. Ihr seht es, RSS wird sehr oft stiefmütterlich behandelt.

Anwendungen

Wer RSS-Feeds nutzen möchte, hat mehrere Möglichkeiten:

  1. Online über RSS-Plattformen (nein, macht das nicht)
  2. Online über selbst gehostete Reader (gute Idee)
  3. Offline über Browser-Plugins (der praktische Ansatz)
  4. Offline über RSS-Reader Anwendungen

Die erste Möglichkeit ist Mist, weshalb ich dazu gar nichts schreiben möchte. Bei denen braucht ihr einen Account, sodass doch wieder jeder weiss, welche News ihr konsumiert.

Der zweite Vorschlag ist besser, und meine bevorzugte Lösung. Da ich meine eigene Nextcloud-Instanz hoste, bzw. beim Provider um die Ecke hosten lasse, kann ich die sehr gute RSS-App Nextcloud News verwenden. Der grosse Vorteil davon ist, dass mein News-Feed auf allen Geräten synchron ist (es gibt eine Android-App).

Nextcloud News App

Wer es bequem mag, und direkt aus dem Webbrowser einen RSS-Feed aufrufen möchte, kann ein Browers-Plugin verwenden. In Firefox findet man eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wenn man nach dem Stichwort 'RSS' im Add-ons Verzeichnis sucht. Leider waren meine Versuche, ein gutes und freies Add-on zu finden, nicht von Erfolg gekrönt. Entweder funktionierten die Browser-Erweiterungen gar nicht, oder die Funktionalität war unzureichend. Eventuell haben die Leser bessere Erfahrung gemacht und können in den Kommentaren einen Tipp abgeben.

Bei den offline RSS-Readern sieht es besser aus. Da gibt es für jeden Geschmack etwas. Für KDE-User gibt es den Reader Akregator, die GNOME-Anwender finden mit GNOME-Feeds eine gute Lösung und für alle anderen gilt Liferea als das Mass der Dinge.

Akregator

GNOME-Feeds

Liferea

Aber auch für die Freunde des Terminals gibt es Anwendungen, wie Snownews, Newsboat oder Miniflux. Keine dieser CLI-Programme konnte mich überzeugen. Screenshots erspare ich euch.

Fazit

Das vergessene RSS-Format findet man unberechtigterweise auf immer weniger Webseiten. Falls es einen RSS-Feed gibt, wird dieser meistens gut versteckt. Warum das so ist, darüber kann ich nur spekulieren. Vermutlich wollen euch die News-Seiten in ihr Ökosystem ziehen und scheuen deshalb die Tracking-freie Konsumation ihrer Inhalte.

Wenn ihr einen geeigneten RSS-Reader sucht, empfehle ich die erwähnten Desktop-Anwendungen oder den News-Reader in Nextcloud. Die Webbrowser-Addons sind nicht gut, ebenso wie die Terminal-Programme.

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