Das muss gesagt werden #2 - Office

Do, 8. April 2021, Marc Mader
In meiner Artikelserie 'Das muss gesagt werden' geht es um meine Meinung zu Linux und quelloffener Software. Ich möchte über meine persönlichen Aufreger und Probleme bei Anwendungen, Abläufen und Einstellungen schreiben, ohne dabei päpstlicher als der Papst zu sein.
Dieses Mal geht es um Office - ein Thema, mit dem ich mich aufgrund meiner Ausbildung zum Bürokaufmann zwangsläufig beschäftigen muss. Nun ist es so, dass ich in der Ausbildung Microsoft Produkte vorgesetzt bekomme. Und im Privaten habe ich aufgrund meiner Plattformwahl LibreOffice benutzt.


Und jetzt sind wir an der Stelle, wo der Artikel richtig anfängt, denn ich muss sagen, dass LibreOffice weder intuitiv noch in irgendeiner Form durchdacht ist. Versteht mich nicht falsch, aber diese Software fühlt sich richtig festgefahren an. Als ob die Entwickler irgendetwas zusammen mischen, was gar nicht zusammen gehört.

Hier einige Beispiele für meine Ansicht:

  • es ist Unterstützung von MS Office von 2003 eingebaut, was heutzutage nur noch die wenigsten nutzen, wenn es überhaupt noch welche nutzen
  • die Oberfläche ist sehr unübersichtlich
  • ich frage mich, warum es die Möglichkeit gibt, Dokumente in HTML zu exportieren, ich glaub wohl kaum, dass jemand ein Office - Anwendung als HTML Editor benutzt
  • im Flatpak Paketformat bin ich gezwungen, die ganze Suite herunterzuladen, was auf meinem Notebook nur unnötig mehr speicher verbraucht, da ich nur Writer, Calc und Impress benutze
  • Ich könnte noch viel mehr nennen, das würde aber den Rahmen sprengen. Ich hoffe, dass meine Ansicht, dass es sich bei LibreOffice in keiner Hinsicht als hochwertige Software bezeichnet werden kann, verstanden wurde.

Projekte mit besserem Ansatz

Zum Schluss möchte ich ein paar Projekte nennen, die in meinem einem besseren Ansatz verfolgen und es begründen:

AbiWord

Diese Anwendung hat eine minimalistisch gehaltene und übersichtliche Oberfläche, ist aber auch etwas altbacken vom Aufbau her. Ich finde, dass diese Anwendung aber sehr viel Potenzial hat, was diese aber niemals ausspielen kann, wenn sich niemand findet, der diese weiterentwickelt. Man kann es mit dem Paketformat der Distribution, egal, welche du nutzt, via Kommandozeile installieren.

Gnumeric

Im Grunde genommen die gleichen Vor - und Nachteile wie AbiWord. Es ist ein Tabellenkalkulationsprogramm, dass ebenfalls wie AbiWord sehr übersichtlich gehalten ist, die Oberfläche wirkt aber genauso veraltet wie die von AbiWord. Auch diese Anwendung kann übergreifend auf allen Distributionen mit der Kommandozeile installiert werden.

Spice-Up

Eine minimalistische und moderne Anwendung für Präsentationen. Es ist eigentlich für Elementary OS entwickelt worden, mittlerweile aber auch wie Flatpak verfügbar. Einfach folgenden Befehl in die Kommandozeile eingeben: flatpak install flathub com.github.philip_scott.spice-up

Minder

Minder ist eine Mindmapping Anwendung die ebenfalls ursprünglich für Elementary OS entwickelt worden ist. Diese ist sehr modern und übersichtlich gehalten. Auch diese Anwendung kann via Flatpak installiert werden: flatpak install flathub com.github.phase1geo.minder.

Wer Minder und Spice-Up als natives Paket nutzen möchte und gleichzeitig die neueste Version von diesen zwei haben will, ist wohl gezwungen, sich das veraltete Elementary OS 5.1.7 (Hera), dass noch auf Ubuntu 18.04 (Bionic Beaver) zu holen oder auf Elementary OS 6 (Odin) zu warten.

Fazit

Es gibt bessere Alternativen für LibreOffice, die aber noch etwas Liebe benötigen. Was man am Ende benutzt, hängt ganz von den Anforderungen und den Anwendungszweck der Benutzer ab. Wem es wie mir geht, und LibreOffice zu aufgeblasen daherkommt, der kann sich die Alternativen ja mal anschauen.

Quellen

https://www.libreoffice.org/

https://github.com/phase1geo/Minder

https://www.abisource.com/download/

https://github.com/Philip-Scott/Spice-up

https://pixabay.com/photos/calculator-calculation-insurance-385506/

https://elementary.io/de/

https://flathub.org/home

https://ubuntu.com/

Pascal Garber
Geschrieben von Pascal Garber am 15. April 2021

OnlyOffice lässt sich auch als Desktop-App installieren, gefällt mir persönlich sehr gut.

tuxnix
Geschrieben von tuxnix am 13. April 2021

Da du die erwähnten Programme offenbar gar nicht benutzt, das schließe ich daraus, weil du nur das Aussehen erwähnst und keine einzige Funktion vergleichst, möchtest du einzig deiner Idee Ausdruck verleihen, dass das klassische Office Paket vielleicht nicht immer der beste Schluss ist. Ja, das geb ich dir auch Recht. Für Text, zumindest dann, wenn er ausgedruckt werden soll, benutze ich auch sehr gerne Latex. Das Ergebnis ist einfach besser. Vieles kommt aber auf den Einsatzzweck an. Es macht für viele Bereiche einfach Sinn ein paar Dinge in ein Office Paket zu bündeln.

tux.
Geschrieben von tux. am 8. April 2021

Ich bin überzeugter SoftMaker-Office-Käufer - was u.a. daran liegt, dass das sehr, sehr gute WordPerfect Office nach wie vor nur unter Windows läuft.

Open Source ist sehr oft sehr schlecht.

Remo
Geschrieben von Remo am 8. April 2021

Hallo Marc Einige Kommentare von mir:

  1. Da die MS Formate proprietär sind und sich ständig etwas ändert, wird wahrscheinlich nur das 2003 Format unterstützt.
  2. Aktuell laufen Bemühungen, die Oberfläche etwas einfacher zu gestalten. Stichwort Ribbon.
  3. So wie es aussieht, wird das flatpak nicht von LibreOffice gebaut, sondern von anderen Leuten. Du kannst da mal nachfragen, ob sie die Applikation auch Einzel als flatpak anbieten können.
  4. Da eine Writer Datei mehr oder weniger ein HMTL ist, ergibt es durchaus Sinn, eine Exportfunktion zu haben. Dann kannst du dein Dokument, wenn nötig, auch in andere Formate konvertieren. So hast du nicht wie in Punkt 1 erwähnt ein proprietäres Format, das du nicht mehr verwenden kannst.

Aber aus Anwendersicht gebe ich dir Teil recht. Im Vergleich zu den neuen MS Office Produkten sieht es schon ziemlich angestaubt aus.

ikoch
Geschrieben von ikoch am 9. April 2021

ähm, aber LibreOffice unterstützt doch auch die "neuen" MS Formate (also .docx, .xlsx, etc). Die Kritik ging m. E. in die Richtung, dass LibreOffice auch die alten MS Formate noch unterstützt. Was ich offen gesagt nicht so ganz nachvollziehen kann. Es schadet schließlich nicht, dass verschiedene Formate unterstützt werden, auch wenn sie inzwischen nicht mehr ganz so verbreitet sind.