Über das schön kuratierte Manjaro (ich nutze übrigens GNOME) möchte ich nicht viele Worte verlieren, ich liebe es. Aber CachyOS machte mich dann doch neugierig und verleitete mich kürzlich zu einem Distro-Hopper, vor allem, weil mein gutes altes Notebook bei der Bildentwicklung mit RapidRAW immer ganz schön ins Schwitzen kam. Ich erhoffte mir einen Performance-Schub und wurde nicht enttäuscht. Allerdings nervten mich zwei Dinge an CachyOS: (1) Es ist nur minimal vorkonfiguriert und (2) wird man mehrmals täglich geradezu mit Paketupdates bombardiert, ich empfand das als sehr störend.
Zu 90% ist die Kerneloptimierung von CachyOS für die massiv bessere Performance verantwortlich, die Paketoptimierung trägt nur einen kleinen Teil dazu bei. Aus dieser Erkenntnis gebar die Idee, Manjaro mit dem CachyOS-Kernel zu betreiben, und ich darf berichten, dass es sich in der Praxis genau so darstellt: Manjaro rennt jetzt auf gleichem Niveau.
Nachahmung also empfohlen, daher hier eine Anleitung, welche ich mehrfach reproduzieren konnte. Natürlich auf eigenes Risiko – Anmerkungen und Optimierungen gerne in die Kommentare.
Ermittlung des benötigten Kompilierungs-Levels
Standard-Distributionen wie auch Manjaro kompilieren ihre Pakete so, dass diese auf allen x86-64-Architekturen von Intel und AMD lauffähig sind, der kleinste gemeinsame Nenner ist dann häufig nur V1, maximal V2.
| Level | Erschienen (ca.) | Wichtige Befehlssätze | CPU-Beispiele |
|---|---|---|---|
| v1 | 2003 | Grundlegendes 64-Bit (SSE, SSE2) | Alle 64-Bit CPUs (Oldtimer) |
| v2 | 2009 | SSE4.2, SSSE3, POPCNT | Intel Nehalem, AMD Phenom II |
| v3 | 2013 | AVX, AVX2, BMI1, BMI2 | Intel Haswell, AMD Ryzen |
| v4 | 2017 | AVX-512 | Intel Skylake-X, AMD Ryzen 7000+ |
Der Ansatz von CachyOS ist hier anders und bietet getrennte Repositorien an. Es ist aber nicht notwendig, die eigene Architektur aus der obigen Tabelle zu ermitteln, das lasse dir vom System selbst erzählen.
/lib/ld-linux-x86-64.so.2 --help | grep supported
Eine Ausgabe könnte dann so aussehen:
x86-64-v4 (supported, searched)
x86-64-v3 (supported, searched)
x86-64-v2 (supported, searched)
Bitte merke dir das höchste Level. Und nicht enttäuscht sein, wenn der ziemlich neue Rechner "nur" V3 ausspuckt. Das liegt dann daran, dass neuere CPUs als Hybridkerne aufgebaut sind (z.B. aus einer Mischung von P- und E-Kernen), von denen nicht alle V4 können. Als Performance-Verlust darf man das aber nicht werten.
Im weiteren Verlauf gehe ich vom häufigsten Fall aus, dem V3-Level. Sollte für dich V4 maßgebend sein, bitte in allen Kommandozeilen und Einträgen V3 durch V4 ersetzen.
Vorbereitung
Bevor ein neues Repositorium dazukommt, muss die Basis konsistent sein.
sudo pacman -Syu
Dann den Rechner neu starten.
Wenn man ein ziemlich frisch installiertes Manjaro betreibt, sollten alle nachfolgenden Schritte sauber durchlaufen. Hat man aber ein "historisches" System laufen (bei Rolling-Release-Distros häufig), kann es Probleme mit altem Bastelmüll, wie Headern, DKMS-Paketen etc. geben. Ich würde für diesen Fall Manjaro neu aufsetzen.
Anpassen der pacman.conf
Die beabsichtigte Neuerung zunächst in die pacman.conf einarbeiten, also ran ans Terminal.
sudo nano /etc/pacman.conf
Den Wert in der Zeile Architecture präzisieren.
Architecture = x86_64 x86_64_v3
Und ganz unten – die Position ganz unten in der pacman.conf ist wichtig: So ist sichergestellt, dass wirklich nur Kernel und Optimierungs-Tools aus dem CachyOS-Repo gezogen werden, alle anderen Pakete wie bisher von Manjaro – folgendes hinein kopieren.
[cachyos-v3]
SigLevel = PackageRequired DatabaseOptional
Include = /etc/pacman.d/cachyos-v3-mirrorlist
[cachyos-core-v3]
SigLevel = PackageRequired DatabaseOptional
Include = /etc/pacman.d/cachyos-v3-mirrorlist
[cachyos-extra-v3]
SigLevel = PackageRequired DatabaseOptional
Include = /etc/pacman.d/cachyos-v3-mirrorlist
[cachyos]
SigLevel = PackageRequired DatabaseOptional
Include = /etc/pacman.d/cachyos-mirrorlist
Und dann alles mit dem nano-Befehl STRG+O speichern und den Editor mit STRG+X beenden.
Mirrorlisten von CachyOS laden
sudo curl -o /etc/pacman.d/cachyos-v3-mirrorlist https://mirror.cachyos.org/cachyos-v3-mirrorlist
sudo curl -o /etc/pacman.d/cachyos-mirrorlist https://mirror.cachyos.org/cachyos-mirrorlist
Anmerkung: Wenn mal eine Fehlermeldung einen Mirror als down meldet, kann das ignoriert werden, das System wechselt automatisch zum nächsten verfügbaren Mirror.
Keyring
# 1. Initialisierung
sudo pacman-key --init
# 2. Identität prüfen
sudo pacman-key --populate archlinux manjaro
# 3. Hallo, ich bin der Neue.
sudo pacman-key --keyserver keyserver.ubuntu.com --recv-keys F3B607488DB35A47
# 4. Beglaubigung
sudo pacman-key --lsign-key F3B607488DB35A47
Kernel
Jetzt kommt das Herzstück ins System.
# 1. Datenbanken auffrischen (wichtig: Syy).
sudo pacman -Syy
# 2. Kernel und Optimierungs-Tools installieren.
sudo pacman -S linux-cachyos linux-cachyos-headers cachyos-settings
# 3. Und gleich mal nachschauen, ob er gut gelandet ist.
mhwd-kernel -li
Fallback
Bei mir läuft der CachyOS-Kernel seit vielen Wochen in schönster Harmonie mit Manjaro; zur Sicherheit würde ich aber Grub so konfigurieren, dass man beim Booten die Möglichkeit bekommt, auf den alten Kernel zurückzuwechseln – für den Fall der Fälle.
sudo nano /etc/default/grub
Dazu folgende Werte editieren.
# 1. Den zuletzt gebooteten Kernel merken
GRUB_DEFAULT=saved
# 2. Verweilzeit des Grub-Menu auf dem Bildschirm
GRUB_TIMEOUT=2
# 3. Aktivierung des Grub-Menus
GRUB_TIMEOUT_STYLE=menu
# 4. Immer den zuletzt gebooteten Kernel verwenden
GRUB_SAVEDEFAULT=true
Alles mit STRG+O speichern und den Editor mit STRG+X beenden.
Die Änderungen müssen final noch übernommen werden.
sudo update-grub
Warum auch immer, aber bei mir startete das System nach dem Neustart sofort mit dem CachyOS-Kernel. Überprüfen kann man das wiederum mit:
mhwd-kernel -li
Sollte in der Ausgabe "cachy" nur als noch zusätzlich verfügbarer aber momentan nicht aktiver Kernel erscheinen, dann bitte nochmals Neustart und einmalig beim Start im Grub-Menu den CachyOS-Kernel wählen. Aber eigentlich merkt man das beim Boot…du wirst sehen, was ich meine.
Ich schließe wenig originell, aber treffend: Have fun!
Wallpaper
Die Abwandlung von Michelangelos Fresko "Die Erschaffung Adams" habe ich mir als Wallpaper mithilfe von KI erstellt, dieses ziert seither als Hintergrundbild meinen Desktop; eigene Interpretationen erwünscht (Kommentare).
Quellen:
Titelbild: Michelangelos Fresko "Die Erschaffung Adams" https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Creaci%C3%B3n_de_Ad%C3%A1m.jpg mithilfe von KI angepasst.

Also lieber bekomme ich täglich Benachrichtigungen über neue Updates und kann selbst entscheiden, was ich davon installiere, als von Manjaro bevormundet zu werden und bei kritischen Updates vertröstet zu werden, nur um mir dann am Ende trotz Testing dennoch einen Systembrecher einzufangen. Außerdem kannst du Cachy-Update nach deinen Wünschen konfigurieren und nicht jeden Tag Benachrichtigungen bekommen: https://wiki.cachyos.org/configuration/post_install_setup/
Ist jedenfalls definitiv sinnvoller, als Manjaro um noch mehr Distri-fremde Dinge zu erweitern...
PS: Bin aktuell bei EndevaourOS. Noch...
Bei einem Rolling Release kannst du i.d.R. nicht wirklich frei entscheiden, was du installieren willst. Da wirst du von jedem System bevormundet. Selbst wenn du ein Paket fixierst, wird es irgendwann Abhängigkeitsprobleme geben. Das ist mir bei Ubuntu mit PPAs regelmäßig passiert. Tägliche Benachrichtigungen würden mich nur ablenken im Flow, und dann jedesmal nachzulesen, was sich ändert, macht mit Sicherheit niemand.
Richtige Brecher sind mir bei Manjaro noch nie passiert. Es schadet immer nicht, bei Benachrichtigungen ins Forum zu schauen bzw. den Ankündigungs-Thread zu abonnieren. Kein System aktualisiert sich bei mir selbst, das stoße ich immer manuell an und schaue vorher nach.
Was bei Manjaro bzw. dem Arch Unterbau "gefährlich" ist, wenn man lange mit Updates wartet, warum auch immer. Dann muss man mit den Signierschlüsseln nachhelfen. Die einzige "Bevormundung" bei Manjaro mag sein, dass bei Programminstallationen auch Aktualisierungen angestoßen werden. Das habe ich deaktiviert, aber ist eben auch mein Risiko.
Ich bin seit einiger Zeit unter anderem auch mit CachyOS KDE und Gnome unterwegs und ich kann nicht klagen. Und mir persönlich ist ein System, das kaum Programme hat, lieber als ein System, das mit Programmen zugemüllt ist, wie z. B. mit LibreOffice, was kaum ein Mensch braucht. So kann jeder das nachinstallieren, was er braucht.😀
Lieber CryptGoat, das ist eine ziemlich garstige und m.E. unzutreffende Kritik an Manjaro. Ich jedenfalls fühlte mich nie bevormundet oder vertröstet und ein Systembrecher hat in all den Jahren auch nie den Weg auf meine Festplatte gefunden.
Abgesehen davon, kann man den Track ändern wenns einem zu lange dauert. Der schnellste ist dann eh der arch-like-modus, dann ists eh wie bei den anderen auch.
Ich habe Manjaro viele Jahre benutzt. Nein, es war nicht slles schlecht. Kann auch sein, dass es inzwischen besser ist.
Abe4 mein Vertrauen ist weg. Ich habe nach ständigem Dilentantismus des Teams (u.a. ablaufende Zertifikate, die Schatzhalter-Affäre) und gelegentlichen Problemen bei den Großupdates die Schnauze voll gehabt. Wenn auf alles wie bei Arch aufpassen muss, kann ich Arch nehmen oder zumindest eine Distri, die da weniger umbiegt als Manjaro.
Wie lange bist Du schon mit diesem Setup unterwegs? Ging auch bei großen Systemupdates alles glatt?
Was für eine Grafikkarte nutzt Du denn? Beißt sich der CachyOS Kernel mit den Manjaro NVIDIA Kernelmodulen? Oder gibts die entsprechenden Nvidia Kernelmodule bei CachyOS ebenfalls?