Enlightenment Desktop

Fr, 12. Februar 2021, Niklas

Es gibt inzwischen viele Desktop-Oberflächen für Linux. Eines haben die meisten davon gemeinsam: Sie basieren auf GTK oder Qt und sind häufig Forks von GNOME oder KDE. Damit ähneln sie sich in Funktionalität und Aussehen häufig. Wer mal etwas ganz anderes ausprobieren möchte, findet vielleicht Gefallen an Enlightenment.

Die erste Version von Enlightenment wurde bereits im Jahr 1996 veröffentlicht und damit vor Xfce (1997), KDE (1998) und GNOME (1999), den drei ältesten weit verbreiteten Desktop Oberflächen. Gestartet ist es nur als Window Manager und wurde im Laufe der Zeit zu einer vollwertigen Desktop-Oberfläche erweitert.

Enlightenment ist allerdings anders aufgebaut, als die meisten anderen Desktops. Sein dunkles Design mit strahlendem Blau und vielen Farbverläufen wirkt ein bisschen wie Science-Fiction. Man setzt den beliebten Flat Designs etwas entgegen, was meiner Meinung nach schöner ist, aber es wirkt trotzdem sehr modern. Es hat viele verschachtelte Menüs, die vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig sind.

Statt GTK oder Qt setzt Enlightenment auf eine Eigenentwicklung namens Enlightenment Foundation Libraries, die ähnliche Funktionen anbietet. Es gibt bereits ein paar Programme auf Basis der Enlightenment Foundation Libraries, auch wenn deren Anzahl natürlich nicht an die der GTK und Qt Programme heranreicht. Der grösste Teil der EFL basierten Programme stammt vom Enlightenment Team selbst.

Die Besonderheit dieser Programme ist, dass sie sich hervorragend in die Desktop-Oberfläche einfügen und eine durchgängige Benutzererfahrung bieten. Zu den Enlightenment Programmen gehören das Terminal Terminology, der Media Player Rage, der Bildbetrachter Ephoto sowie die im Screenshot gezeigte Enlightenment IDE (EDI). Um die Auswahl an Programmen im Enlightenment Design zu erweitern, gibt es ausserdem das GTK Theme E17gtk, mit dem GTK Programme annähernd so aussehen, wie EFL Programme.

Enlightenment punktet durch unglaublich viele Einstellungsmöglichkeiten, die alle grafisch anpassbar sind. Gespeichert werden sie im Binärformat. Allein für diese Einstellungen hat Enlightenment eine ganze Kategorie im Startmenü. Es ist ausserdem sehr leistungsfähig und ressourcenschonend, weshalb es sich auch für den Einsatz in vernetzten Geräten eignet. Die Enlightenment Foundation Libraries kommen auch beim IoT Betriebssystem Tizen zum Einsatz. Samsung, das Tizen in vielen seiner Geräte einsetzt, unterstützt auch das Enlightenment Projekt.

Ich kann jedem, der sich bereits etwas besser mit Linux auskennt und auf der Suche nach einem ganz neuen Desktop ist, wirklich ans Herz legen, Enlightenment eine Chance zu geben. Für Anfänger ist es jedoch nicht geeignet. Es kann erstmal sehr verwirrend sein, auch wenn die Taskleiste und das Startmenü in den Screenshots ein bisschen an Windows erinnern. Ersteres ist nur deshalb der Fall, weil ich bei meiner Installation einige Einstellungen angepasst habe.

Quellen: