Auch wenn viele von euch das Thema vermutlich bereits mitbekommen haben, hier ein erneuter Aufruf.
Europas digitale Infrastruktur basiert in vielen Bereichen auf wenigen, meist außereuropäischen Anbietern. Diese Abhängigkeiten sind der EU-Kommission scheinbar doch nicht entgangen: Aktuell bittet sie die Open-Source-Community um Feedback, wie Open Source künftig gezielt gefördert und gestärkt werden kann oder was so gar nicht gut läuft.
Ziel ist es, Open Source innerhalb der EU nachhaltig zu fördern. Dazu soll ein Konzept erarbeitet werden, das verschiedene Bereiche fördert oder die Rahmenbedingungen verbessert.
Das Feedback kann bis zum 3. Februar 2026 eingereicht werden, anschließend beginnt die Auswertungsphase. Dabei wird sowohl das konkrete Feedback auf die gewünschten Bereiche, als auch weiteres individuelles berücksichtigt. Das alles soll in das Konzept einfließen.
Was wird konkret gefragt?
Als Auszug aus dem Schreiben, welches hier auch noch einmal verlinkt ist:
Konkret werden die Interessenträger gebeten, die folgenden Fragen zu beantworten:
1. Welche Stärken und Schwächen hat der Open-Source-Sektor der EU? Welche Haupthindernisse hemmen i)
die Einführung und Aufrechterhaltung hochwertiger und sicherer Open-Source-Lösungen und ii) einen
nachhaltigen Beitrag zu Open-Source-Gemeinschaften?
2. Worin besteht der Mehrwert quelloffener Lösungen für den öffentlichen und den privaten Sektor? Bitte nennen
Sie konkrete Beispiele, einschließlich der Faktoren (z. B. Kosten, Risiko, Anbieterbindung, Sicherheit, Innovation
usw.), die für die Bewertung dieses Mehrwerts am wichtigsten sind.
3. Welche konkreten Maßnahmen und Aktionen können auf EU-Ebene durchgeführt werden, um die Entwicklung
und das Wachstum des Open-Source-Sektors der EU zu unterstützen und zur technologischen Souveränität und
Cybersicherheitsagenda der EU beizutragen?
4. Welche Technologiebereiche sollten vorrangig behandelt werden und warum?
5. In welchen Sektoren könnte eine verstärkte Nutzung quelloffener Software zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und
Cyberresilienz führen?
Wie wir sehen wird nicht nur nach negativen Punkten gefragt, auch das was bisher gut läuft ist wichtig.
Warum beantworten?
Auch wenn du als Leser vermutlich bereits viel Open Source Software einsetzt und damit glücklich bist, machen/können viele andere das nicht. Fehlende Funktionen, Lock-in-Effekte, etc. die Liste an Gründen ist lang.
Also bist du ein potenzieller Experte für dieses Thema und kannst dabei unterstützen, die Rahmenbedingungen für Open Source Projekte zu verbessern. Wer, wenn nicht die Nutzer, weiß besser was in einem Projekt gut/schlecht ist?
Quelle Titelbild: Screenshot der Projektseite

Kann wohl nicht schaden – aber allein für das Stellen genau dieser Fragen muss man die Antworten eigentlich schon kennen, daher (und weil es die EU ist) befürchte ich eher eine Alibi-Funktion: Schaut her, wir machen doch was … um dann an entscheidender Stelle (damit sind die Entscheider gemeint) nichts zu ändern … Aber wie gesagt, schaden kann es ja nicht, nützen eventuell ja doch!
Ich weiß es nicht. Ich habe bei sowas immer das Gefühl, dass es sich um eine Feigenblattoption handelt. Aus Gründen der Ausgewogenheit müssten sie dann auch die die Vertreter proprietärer Lösungen fragen, was sie vermutlich schon zur getan haben. Wenn die EU es wirklich ernst meinen würde, dann können sie doch die Verwaltungen in ganz Europa fragen, die schon länger umgestiegen sind oder sich noch im Prozess befinden. Die können sicherlich aus ihrer Praxis erzählen, was geht, wo's hängt, wie's skaliert, ... Gut, sie müssen ja irgendwo anfangen, aber wenn da kein permanenter Dialog draus wird, dann ist es eben nur ein Feigenblatt. Wie wir gemekt haben, können sich die Zeiten ganz rasch ändern und dann muss auch die Open Source Gemeinschaft drauf reagieren und ihren Einfluß haben können, und zwar unmittelbar.