Im Rahmen der Vorstellung von "Nextcloud Hub 26 Summer", also dem neuen Nextcloud-Release hat die Firma unter anderem "Nextcloud Office für den Desktop" vorgestellt. Dabei handelt es sich um "Euro-Office Desktop", einem Fork der bekannten ONLYOFFICE-Suite. Neben der webbasierten Version gibt es damit auch die Desktop-Variante für Windows, macOS und Linux.
Wer die ganze Geschichte hinter ONLYOFFICE und Euro-Office lesen möchte, findet bei uns einige Artikel dazu.
Die erste Version von Euro-Office Desktop tauchte vor ein paar Tagen bei GitHub auf. Der Begriff "erste Version" ist irreführend, weil die Versionsnummer 9.3.5-2 lautet. Offensichtlich entspricht das der ONLYOFFICE-Version zum Zeitpunkt des Forks oder später. Tatsächlich zeigt ONLYOFFICE zurzeit die Version 10 an. Im About-Dialog sieht man das Copyright der Firma Ascensio Systems SIA aus Riga, also dem Unternehmen hinter ONLYOFFICE.
Bis Euro-Office Desktop in den Repositories, als Flatpak oder AppImage erscheint, dürfte es noch eine Weile dauern. Im oben genannten GitHub-Repo gibt es Pakete für mehrere Architekturen in den Formaten DEB, RPM, EXE, DMG, sowie ein paar Tarballs und den Quellcode. Da ich nichts für Arch gefunden habe (ausser im AUR), habe ich die EXE auf einem Windows-PC installiert. Im AUR liegt die Version 9.3.5_2-1, doch wegen der Vorfälle in den letzten Monaten, lasse ich lieber die Finger davon.
Euro-Office bietet vier Module, die den klassischen Funktionsumfang von Office-Suiten abdecken:
Gegenüber der 10er-Version von ONLYOFFICE fehlen hier die KI-Funktionen, die erst in der letzten Version hinzugekommen sind. Auffällig ist die Microsoft-Formate-First Strategie, die in den letzten Monaten kontrovers diskutiert wurde. Selbstverständlich unterstützt Euro-Office das Open Document Format, aber es hat keine prioritäre Position in der Suite.
Wie ihr im Screenshot seht, unterscheidet sich Euro-Office nicht (oder kaum) von ONLYOFFICE, was nach dem kürzlich erfolgten Fork nicht wundert. Im Gegensatz zu anderen Office-Suiten, z. B. LibreOffice, werden verschiedene Dokumente als Reiter in einem Fenster geöffnet. Ganz oben rechts, im Euro-Office-Reiter, finden sich die Starter für neue Dokumente, eine Liste der zuletzt geöffneten Dateien und ein Vorlagen-Browser.
Ausserdem gibt es die Möglichkeit, die Desktop-Version von Euro-Office mit der Online-Version in der Nextcloud zu verbinden, um kollaborativ arbeiten zu können. Mangels Office-Installation in meiner Nextcloud, konnte ich diese Funktion nicht testen. Für die Akzeptanz eines Desktop-Office im Unternehmensumfeld wird diese Funktion als wichtig angesehen. Aus demselben Grund stellt man die Microsoft-Formate in den Vordergrund. Damit wird umsteigewilligen Organisationen der Wechsel erleichtert, da sie neben der Anwendung nicht gleich das Dokumentenformat umstellen müssen.
Mehr möchte ich zu Euro-Office zurzeit nicht schreiben, weil es bislang nahezu deckungsgleich mit ONLYOFFICE ist und der Einzug in die Repos der Distributionen noch aussteht.
Titelbild: https://nextcloud.com/de/blog/nextcloud-hub26-summer/




Sehr erfreulich. Ich bin gespannt, das zu testen und zu schauen, ob es _fürmich besser geeignet ist als LibreOffice. Leider muss auch ich noch auf ein Distributions- oder distributions-unabhängiges Paket warten (ich hoffe ja auf ein Flatpak). Ein Ausführen der .tar.gz hat schon mal nicht funktioniert, weil eine ooxml-Bibliothek fehlt. 😑
Wichtig für mich auch: OnlyOffice hat mit Version 10 aus den letzten Tagen die Suite wohl komplett auf KI umgebaut. Und das will und brauche ich nicht, weswegen es überhaupt nicht in Frage kommt!
Hallo Ralf, vielen Dank für Deinen Artikel. Kannst Du mir evtl. den GitHub Pfad für die Win exe nennen, ich finde da keine Installations exe. Kann aber auch daran liegen, dass ich mich nicht so gut bei Github auskenne.
VG aus München Patric
Hier ist der Link zur Win-EXE:
https://github.com/Euro-Office/DesktopEditors/releases/download/v9.3.5-2/Euro-Office-DesktopEditors-Standalone-9.3.5.0-x64.exe
Ich nutze Arch und AUR und habe von der KI (Claude Opus) ein Frontend für paru bauen lassen, das die AUR-Pakete automatisch von der KI auf Schadsoftware überprüft.
Sieht erstmal nett aus, scheint aber sehr schnell hergerichtet zu sein. Das Debianpaket heißt euro-office-euro-office. Tatsächlich kann man es starten, allerdings für meinen Bildschirm nur mit winziger Schrift. Unter »Einstellungen« lässt sich der Zoom-Faktor einstellen, aber dann stürzt das Ganze einfach ab. Ich glaube, ich warte mal noch ein paar Jahre ...
"Bei Nextcloud Office für den Desktop handelt es sich um Euro-Office Desktop, einem Fork der ONLYOFFICE-Suite." ... OK, Könnte sein, daß ich mir das erst noch "aufmalen" muss, aber schön wenn da was vorangeht!
Aussehen tut es wie ein "noch sehr unaufgeräumtes" Libreoffice. Tatsächlich neu scheinen mir die Tabs/ Reiter zu sein. Wozu da aber links nochmal eine Leiste ist, hat sich mir auf dem Bild bislang noch nicht erschlossen (...Groupware? Nextcloud?).
Das LO betreibe ich seit Jahren prolemlos auf 1024600 Bildpunkten, d.h. auch den Kram rechts blende ich ggf. nur ein, und meine Iconleiste ist ein*zeilig. – Ja, mir ist bekannt daß "heutige" Bildschirme größer sind :D
Hi Ralf,
ich habe gesehen, dass man auch eine Nextcloud verbinden kann. Leider habe ich keine Instanz, jedoch würde mich brennend interessieren ob die Zusammenarbeit von Desktop Instanz und Online Instanz funktioniert. Wenn das geht wäre das tatsächlich ein Gamechanger.
LG
Vielleicht lohnt sich ja auch ein Blick auf Elixir Office von Gaël Duval? Scheint ein Fork von Euro-Office zu sein, der sich graphisch an Microsoft anlehnt. https://github.com/leag1234/elixiroffice
Auf meinem Ionos Workspace läuft es jetzt schon einige Zeit, auf dem Desktop finde ich es aktuell mühsam. Es funktioniert, die Installation ist nur unter Linux nicht gut. Ich nutze Fedora Kinoite und OpenSuse Kalpa. Bei beiden bleibt zur Installation wegen fehlendem flatpak nur die Toolbox/Distrobox. Und unter Opensuse Tumbleweed ist das RPM nutzlos, vermutlich ist es auf Fedora maßgeschneidert. Das gewöhnliche Archiv gibt es hingegen nicht beim Nextcloud Office Desktop, sondern nur bei der von der Community(?) geführten Entwicklerversion, die aber aktuell wohl das gleiche sind... Und wer ist nun diese Community? Es wäre meiner Meinung nach sinnvoll gewesen gleich zu Beginn eine Version in Flathub und Snap Store zu packen. Damit hat der Nutzer keine sorgen. Übrigens, updates.... Da muss man sich auch scheinbar noch selbst kümmern...