Euro-Office schreitet voran

  Ralf Hersel   Lesezeit: 2 Minuten  🗪 13 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Bei der neuen europäischen Office-Suite geht es voran. Die Lizenzfrage ist geklärt, der Umbau nimmt Fahrt auf und weitere Organisationen beteiligen sich an dem Projekt. In Kürze soll eine Roadmap erscheinen.

euro-office schreitet voran

Über Euro-Office haben wir bereits vor ein paar Wochen geschrieben. Dabei handelt es sich um einen Fork der lettischen Office-Suite ONLYOFFICE. Danach entstand eine lizenzrechtliche Irritation, weil die Firma Ascensio System SIA die AGPL-Lizenz mit Zusätzen erweitert hat, die im Widerspruch zur Grundlizenz stehen. Mittlerweile wurde die Lizenzfrage zugunsten von Euro-Office geklärt. Wer mehr darüber wissen möchte, findet alle Details in diesem Blog-Beitrag (englisch) von Nextcloud. Die Free Software Foundation und weitere Lizenzrechtler waren überzeugt, dass sich die Softwarefreiheit nicht durch Anhänge aushebeln lässt, die der AGPL widersprechen.

Euro-Office wird von einer wachsenden Anzahl von Organisationen getragen,  die am 27. März die Anwendung zur Entwicklung einer vertrauenswürdigen, souveränen Office-Suite auf Grundlage bestehender Open-Source-Komponenten angekündigt hat. Zu den unterstützenden Organisationen gehörten zu Beginn: IONOS, Nextcloud, Eurostack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian und BTactic. Nun sind zwei weitere Firmen hinzugekommen:

Open-Xchange kennt ihr vermutlich. Diese Anwendung ist auch ein Baustein des openDesks für E-Mail und Kalender-Funktionalität. Office EU ist weniger bekannt:

Office EU ist eine umfassende, cloudbasierte Office-Suite (ähnlich wie Microsoft 365 oder Google Workspace), die zu 100 % in europäischem Besitz ist und vollständig auf europäischer Infrastruktur betrieben wird.

Tatsächlich handelt es sich dabei um eine Ankündigung, hinter der noch kein installierbares Produkt steckt.

Der Umbau schreitet voran

Der Umbau von ONLYOFFICE zu Euro-Office befindet sich am Anfang. Gestern hat Nextcloud einen Zwischenbericht (englisch) über erste Fortschritte bei Performance und Sicherheit veröffentlicht. Als nächste Schritte sind die Verbesserung des Open Document Formats, Nextcloud-Integration und mobile Apps vorgesehen. Für die nächsten Tage ist die Veröffentlichung einer Roadmap angekündigt.

Weitere Neuigkeiten sind geplant für den Nextcloud Summit (München, 9. Juni). Die finale Agenda steht noch nicht, aber das französische Bildungsministerium hat bereits eine Keynote zugesagt. Zudem ist eine Expertenrunde geplant mit Aline Blankertz, Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker und Prof. Dr. Johanna Pirker.

Titelbild: https://nextcloud.com/blog/euro-office-building-momentum/

Quellen:

https://nextcloud.com/blog/euro-office-building-momentum/

https://nextcloud.com/summit

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euro-office, Office, Roadmap

mw
Geschrieben von mw am 23. April 2026 um 09:26

"Die Lizenzfrage ist geklärt". Soso, eher nicht, denn ONLYOFFICE widerspricht der Darstellung von EUROOFFICE. Das ist eher ein Wunschgedanke des Konsortiums und die Klärung wird wahrscheinlich erst in Monaten oder Jahren durch ein litauisches Gericht erfolgen. Die Forderungen von ONLYOFFICE sind recht und billig und von EUROOFFICE auch leicht zu erfüllen, allein man will den Entwickler, weil russisch und damit böse, nicht die Ehre geben, sie zu erwähnen.

Naja
Geschrieben von Naja am 23. April 2026 um 15:10

Wenn ich mich recht erinnere war der Knackpunkt das Logo, ohne das Onlyoffice ihrer Ansicht nach nicht verwendet werden darf. Nicht die Erwähnung.

cgdi
Geschrieben von cgdi am 23. April 2026 um 15:24

Die Lizenzfrage war nie unklar. Onlyoffice kann selbstverständlich klagen, hat halt keinerlei Aussicht auf Erfolg. Außer natürlich sie klagen in Moskau, dort könnten sie den Prozess sogar gewinnen... Im übrigen wird der Entwickler im Fork selbstverständlich "erwähnt", wie es die Lizenz verlangt.

Alex
Geschrieben von Alex am 23. April 2026 um 11:50

So wünschenswert europäische Cloud-Lösungen auf Open-Source-Basis auch sind, so hat diese Aktion von Ionos, Nextcloud etc. doch Geschmäckle. Du hattest ja in dem erwähnten früheren Beitrag (https://gnulinux.ch/euro-office-forkt-onlyoffice) einige von den unschönen Erklärungen aufgeführt. Hier ist noch ein relativ aktuelles Posting von den Only-Office-Machern dazu: https://www.onlyoffice.com/blog/2026/04/open-letter-to-the-euro-office-team#09

Was mich bei der ganzen unschönen Aktion aber wirklich ankotzt, ist die Tatsache, dass die zuvor genannten Firmen einseitige politische Befindlichkeiten (Kontaktschuld) in ein wichtiges OpenSource-Projekt hineingetragen haben.

mozarella
Geschrieben von mozarella am 23. April 2026 um 17:45

Was ich immer noch nicht verstehe, wieso muß man unbedingt Onlyoffice nehmen? Wieso nimmt man nicht einfach LibreOffice, was ja soweit die Grundlage für Onlyoffice ist? Gerade wenn juristisch und / oder politisch noch einiges im Unklaren liegt?

Johannes
Geschrieben von Johannes am 23. April 2026 um 19:09

OnlyOffice ist eine eigenständige Software. LibreOffice ist nicht die Grundlage von OnlyOffice. Viele kommen mit OnlyOffice besser zurecht und es scheint z.B. kompatibler zu MS Word zu sein. OnlyOffice ist schon ein sehr gutes Programm!

mozarella
Geschrieben von mozarella am 24. April 2026 um 07:55

Wußte ich jetzt nicht. Ich hatte OnlyOffice mal auf meinem iPhone installiert, sei eine Möglichkeit, LibreOffice auf iOS zu betreiben, hieß es. Ich nutze LibreOffice schon sehr lange, davor NeoOffice auf dem Mac und OpenOffice seit Verison 0.x auf Windows und Linux. Hatte noch nie Probleme damit, MS-Office-Dateien zu öffnen und zu bearbeiten. Ich schätze mal, ich werde dabei bleiben, auch wenn EuroOffice kommen sollte.

JR
Geschrieben von JR am 23. April 2026 um 22:09

Nein OnlyOffice ist eingenständig und hat eine bessere Kompatibilität zu MS Office als LibreOffice.

Experte
Geschrieben von Experte am 24. April 2026 um 06:17

Libreoffice ist technisch festgefahren.

Skr
Geschrieben von Skr am 24. April 2026 um 12:45

Kannst du das bitte näher erläutern?!

Jan
Geschrieben von Jan am 24. April 2026 um 14:13

Wie kommst du darauf, das LibreOffice technisch festgefahren sein soll. Bist du ein Entwickler und steckst in dem Projekt drin? Bitte kein unqualifizierten Komentare.

Gabriel
Geschrieben von Gabriel am 24. April 2026 um 08:21

Ascensio könnte ja auch einfach versuchen mit an den Tisch zu sitzen von Euro Office. Man könnte dann die Entwicklungsarbeit anders aufteilen und schneller voran kommen. Only Office könnte ja den russischen Markt bedienen, so hätte man wenigstens vom neugeschriebenen Code etwas, anstelle von eines verlorenen Prozesses in der Zukunft.

thomas
Geschrieben von thomas am 24. April 2026 um 20:48

onlyoffice hat vor allem im web-bereich einen großen technischen vorsprung im verleich zu libreoffice. es läuft quasi beim client im browser und braucht daher wenig ressourcen am server. collabora - die web-version von libreoffice - braucht einen fetten server um ein paar user bedienen zu können. onlyoffice skaliert hier viel besser. möchte libreoffice hier konkurenzfähig bleiben/werden, bräuchte es einen "web-client" basierten ansatz, der die last vom server zum client bringt. nur die "gui" auf den client zu bringen mag technsich ein interessanter ansatz sein, aber doch veraltet.