GNOME 41 - Erste Erfahrungen

Di, 23. November 2021, Ralf Hersel

Hinweis: "Dieser Beitrag ist nur eine Momentaufnahme meiner aktuellen Erfahrungen mit dem GNOME 41 Desktop."

Das Manjaro-Team hat sich viel Zeit gelassen, bis sie das Update des GNOME 41 Desktops  auf die Benutzer losgelassen haben. Normalerweise erscheinen die Manjaro-Updates wöchentlich; dieses Mal dauerte es fast einen Monat, bis die Neuerungen herausgegeben wurden. Ein Grund dafür waren unter anderem die massiven Änderungen beim GNOME-Desktop.

Aufgrund der langen Wartezeit auf das Update, waren ca. 1 bis 3 Gigabyte zu installieren. Da stockt dem Manjaro-Anwender kurz der Atem, und man fragt sich: "will it blend?"

Im Screenshot habe ich diejenigen Probleme zusammengefasst, die ich bisher entdeckt habe. Bei mir hielt sich die Update-Grösse mit 1 GB noch in Grenzen. Beim Update selbst gab es überhaupt keine Probleme; in dieser Hinsicht gehört Manjaros Paketmanagement (Pacman) zu den Besten. Die Überraschungen kamen dann beim Desktop selbst, und bei den Anwendungen.

Als Testumgebung dient hier mein Haupt-Computer: ein HP-Prodesk mit Intel-GPU, Intel i7, 16 GB RAM und Manjaro GNOME mit Wayland und Dash-to-Panel.

1. ZIM

ZIM ist ein Desktop-Wiki, welches sich sehr gut als Knowledge-Base eignet und von mir seit ewigen Zeiten für das Sammeln von Informations-Schnipseln verwendet wird. Die Anwendung ist sehr gutmütig und hat bei mir in den letzten 10 Jahren nie Probleme bereitet. Da musste erst GNOME 41 kommen. Nun funktioniert das Auf-/Zuklappen im Baum nicht mehr. Wenigstens funktioniert das über die Tastatur noch einwandfrei.

2. Toolbar-Icons

Von diesem Problem sind nur wenige Anwendungen betroffen. Ausserdem bin ich mir nicht sicher, ob der Effekt erst mit GNOME 41 aufgetreten ist. Mit Manjaros Standardeinstellungen für die Symbole (GNOME Tweak Tool, aka. Optimierungen: 'Papirus-...') haben einige Anwendungen defekte Toolbar-Icons, zum Beispiel Evolution. Eine Umstellen auf die Adwaita-Symbole löst das Problem, führt jedoch zu einem unstimmigen Aussehen in anderen Anwendung, wie Nautilus (GNOME-Dateien). Die Adwaita-Symbole passen nicht zu den diversen Farbeinstellungen der Maia-Themen. Hier braucht es noch eine bessere Abstimmung durch das Manjaro-Team.

3. Screenshot Anwendungen

Bei GNOME gibt es die Standardanwendung zum Erstellen von Bildschirmaufnahmen (Stills, keine Videos). Diese Anwendung ist jedoch unzureichend, da sie keine Annotationen in den Screenshots erlaubt. Für gelegentliche Bildschirmbilder mag das genügen, ist jedoch bei häufigerer Anwendung unpraktisch, da man anschliessend eine Bildbearbeitung starten muss, um Pfeile, Texte, Rahmen, Nummerierungen, usw. einzufügen. Ein gutes Beispiel ist der Screenshot in diesem Artikel, den ich mit Flameshot erstellt und annotiert habe.

Seit GNOME 41 verlangt der Desktop eine Berechtigung für das Erstellen von Bildschirmaufnahmen, was eine begrüssenswerte Sicherheitsmassnahme ist. Leider führt diese Änderung dazu, dass die besten Screenshotter (Flameshot und Shutter) nicht mehr wie gewohnt laufen. Bis gestern funktionierte keines dieser Werkzeuge mehr; heute hat Flameshot die Version 0.10.2-0.1 nachgelegt. Wer sich für die interessanten Hintergründe interessiert, kann sie hier nachlesen. Mit dem letzten Update laufen die Screenshots mit Flameshot wieder, wobei man jede einzelne Aufnahme erlauben muss.

4. Indicator Icons

Standardmässig liefert Manjaro die Shell-Extension 'AppIndicator and KStatusNotifierItem Support', um Tray-Icons (rechts oben im Panel) darstellen zu können. Seit GNOME 41 liefert diese Erweiterung verzerrte und farblich falsche Icons. Nach einem Austausch gegen die Shell-Extension 'Tray Icons: Reloaded', ist das Verzerren verschwunden, die Farben sind aber immer noch falsch.

5. KeePassXC

KeePassXC ist das Werkzeug der Wahl, wenn es um die Verwaltung von Passwörtern geht. Auch diese Anwendung funktioniert seit Jahren plattformübergreifend ohne nennenswerte Schwierigkeiten. GNOME 41 beschert dieser Anwendung eine enorme Icon-Grösse. Über die Anwendungseinstellungen konnte ich dieses Manko nicht beseitigen. Es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler hier in Kürze für Abhilfe sorgen.

Fazit

Dieser Beitrag ist nur eine Momentaufnahme meiner aktuellen Erfahrungen mit dem GNOME 41 Desktop unter Manjaro und Wayland. Ob die Probleme von der Desktopumgebung, der Distribution oder Wayland abhängigen, kann ich zurzeit nicht beurteilen. Viele weitere Probleme mögen auftauchen; bekannte Ärgernisse werden wieder verschwinden.

Der GNOME-Desktop ist meiner Meinung nach der innovativste und mutigste Desktop. Abgesehen von KDE-Plasma, trauen sich die wenigsten Arbeitsumgebungen solche Sprünge. Und falls Probleme auftauchen, lautet die Devise: Luft anhalten und warten, bis diese überwunden sind.

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