Haiku Beta 3 im Test

Mo, 30. August 2021, Niklas

Wie wir schon vor einigen Wochen berichteten, hat das Haiku Projekt nach etwas mehr als einem Jahr eine neue stabile Version seines quelloffenen BeOS Nachfolgers veröffentlicht. Nach dem Start lassen sich zunächst keine Unterschiede erkennen: Desktop, Icons, Taskleiste, ... - Alles sieht aus wie immer.

Die meisten Änderungen fanden unter der Haube statt, wie etwa bei verbesserten Treibern oder aktualisieren Programmbibliotheken. Haiku Beta 3 startet sogar auf meinem Medion Akoya von 2019 ohne weiteres, welches mit Beta 2 im Bootscreen hängen geblieben ist. Da hier aber Treiber für Touchscreen und Touchpad fehlen und das WLAN nicht richtig funktioniert, beende ich dieses Experiment schnell wieder.

Die viel angepriesenen Aktualisierungen von HaikuWebKit und dem WebPositive Browser sehen beim HTML5 Test eher enttäuschend aus: Beta 2 kommt auf 382 Punkte, Beta 3 nur noch auf 367. Die Unterstützung für die Eingabefeldtypen Datum, Zeit und Monat wurden anscheinend entfernt. Tatsächlich wurden diese aber auch in Beta 2 nicht unterstützt. Die entsprechenden Eingabefelder waren unsichtbar, bekamen beim Klick darauf einen schwarzen Rahmen und konnten nicht beschrieben werden. In Beta 3 tauchen sie immerhin in Form eines normalen Textfelds auf, das von Hand ausgefüllt werden kann.

Ansonsten sind die Messergebnisse identisch, wobei in der Praxis doch erhebliche Verbesserungen bei WebPositive in Beta 3 spürbar sind. In Beta 3 werden einige zusätzliche Unicode Icons unterstützt, die bei Beta 2 noch nicht vorhanden waren, was sich bereits auf der HTML5 Test Seite zeigt. Eine vollständige Liste der Unicode Icons gibt es hier. Was hingegen leider weiterhin gar nicht unterstützt wird, sind Icon Fonts wie Font Awesome, die für die Bedienelemente von zahlreichen Webseiten verwendet werden.

Beim WLAN erkenne ich Verbesserungen, diese sind aber eher subjektiv. Das WLAN meines Testlaptops, Intel PRO Wireless 3945ABG, hat auch vorher schon funktioniert, jedoch mit regelmässigen Verbindungsabbrüchen. In Beta 3 habe ich das Gefühl, dass die Abbrüche nicht mehr so häufig auftreten, ganz behoben wurde das Problem jedoch nicht.

Gerade mit Blick auf dieses Problem sind die Verbesserungen am Paketmanagement aber sehr deutlich zu spüren. Früher musste man das komplette Systemupdate mit allen Paketen wieder von null beginnen, wenn irgendwann zwischendrin die Verbindung unterbrochen wurde. Grössere Aktualisierungen waren an meinem Testlaptop nur mit LAN Verbindung oder durch Aktualisieren der einzelnen Pakete machbar.

Seit Beta 3 kann ich das Update einfach fortsetzen, bereits heruntergeladene Pakete werden wiederverwendet. Achtung Anzeigefehler: Es sieht weiterhin so aus, als müsste alles erneut heruntergeladen werden. Die Pakete tauchen immer wieder in der Liste der Pakete zum Herunterladen auf, bis die Aktualisierung komplett abgeschlossen ist.

Erfreulich ist auch, dass der Trend zu mehr Datenschutz inzwischen auch bei Haiku angekommen ist. Keine Sorge, Telemetriefunktionen hatte das System nie, in WebPositive gab es mit Google als Suchmaschine aber eine sehr fragwürdige Voreinstellung und diese musste durch Änderung der URL umgestellt werden. In Beta 3 ist DuckDuckGo Standard und die Suchmaschine kann aus einer Liste ausgewählt werden, in der Qwant und Ecosia weitere erfreuliche Optionen darstellen, neben den üblichen Datenkraken wie Google, Bing und Yahoo.

Auch Retro-Fans können sich über Beta 3 freuen: Wem das normale Haiku Interface noch nicht Retro genug aussieht, der kann das haiku_extras Paket aus dem HaikuDepot installieren und in den "Erscheinungsbild" Einstellungen den ControlLook auf Be umstellen. Nach einem Neustart hat Haiku nun das originale Aussehen seines Vorgängers. Das haiku_extras Paket ist nicht neu, doch in Beta 2 hatte die Umstellung auf den Be ControlLook nur minimale Auswirkungen. Hinweis: Der Be ControlLook funktioniert nur mit nativen Haiku Programmen. Das Aussehen von Qt Programmen verändert sich nicht.

Fazit: Mir gefällt es. Beta 3 ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Massentauglichkeit. Haiku eignet sich schon lange für alle Alltagsaufgaben, doch die Computerwelt entwickelt sich schnell weiter. Haiku nimmt das Wichtigste mit, gerade auch mit Blick auf bessere Hardwareunterstützung und moderneres WebKit, aber rennt auch nicht blind jedem fragwürdigen Trend hinterher.

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