Haiku (Teil 2): Der Aufbau des Desktops

Mi, 14. April 2021, Niklas

Nachdem wir im letzten Teil die Geschichte von Haiku behandelt haben, wollen wir uns heute anschauen, was das System eigentlich so kann. Wie bereits erwähnt, orientiert es sich weder an Unix, noch an Windows, wodurch es einige sehr interessante Eigenheiten hat.

Haiku ist ein rein grafisches Betriebssystem. Es startet immer direkt in den Desktop. Ein Vollbildterminal, was beispielsweise auf Linux jederzeit mit STRG+ALT+F2 zu erreichen wäre, existiert hier nicht. Das ist auch gar nicht notwendig, denn die Desktopumgebung ist hier sehr fortschrittlich und lässt einen alles mit wenigen Mausklicks erledigen.

Das Erste, was einen neuen Nutzer nach dem Start des Systems irritieren könnte, ist das Fehlen der Taskleiste. Nun, das ist nicht ganz korrekt, sie existiert sehr wohl, aber nicht in der gewohnten Form, sondern in Form eines Rechtecks am oberen rechten Bildschirmrand. Sie wird bei Haiku Deskbar genannt.

Der obere Knopf mit der Feder öffnet eine Art Startmenü, in der zweiten Zeile befinden sich die Tray Icons und darunter sind die geöffneten Programme aufgelistet.

Hilfe!!! Da ist ein Tracker in der Taskleiste aufgelistet und geht auch nicht weg!? Überwacht Haiku mich etwa?!

Kein Grund zur Sorge. Die Bezeichnung Tracker hat hier nichts mit den fragwürdigen Praktiken der Werbeindustrie zu tun, sondern ist der Name von Haikus Dateimanager. Dieser ist ähnlich tief ins System verwurzelt, wie der Explorer von Windows und ist auch für die Darstellung des Desktops verantwortlich, weshalb er permanent läuft.

Eine weitere Besonderheit der Haiku-Desktopumgebung sind die Titelleisten von Fenstern. Diese füllen hier nicht die gesamte Fensterbreite aus, sondern sind nur so lang, wie Platz für den Titel benötigt wird. Was man damit alles machen kann und warum die Arbeit damit viel bequemer sein kann, als mit herkömmlichen Titelleisten, darauf werde ich am Freitag näher eingehen.

Mit einem Klick auf das linke Quadrat wird ein Fenster geschlossen. Die beiden verschachtelten Quadrate maximieren ein Fenster oder bringen es zurück zur ursprünglichen Grösse. Mit Linksklick auf die Titelleiste holt man das Fenster nach vorne, mit Rechtsklick schiebt man es ganz nach hinten und mit Doppelklick kann man es minimieren.

Ein sehr praktisches Werkzeug zum Wechseln zwischen den Fenstern ist der Twitcher. Er erscheint mit der Tastenkombination STRG+Tab. Anschliessend hält man STRG gedrückt und kann mit wiederholtem Drücken von Tab das gewünschte Fenster auswählen. Statt Tab können auch die Pfeiltasten links und rechts oder die Maus zur Auswahl benutzt werden.

Mit den Pfeiltasten hoch und runter kann man ein bestimmtes Fenster des ausgewählten Programms auswählen. Ausserdem gibt es die Möglichkeit, ein Programm durch Drücken von Q direkt aus dem Twitcher heraus zu schliessen. Mit der Taste H minimiert man alle Fenster des gewählten Programms.

Für den Fall, dass die Anzahl der tatsächlich vorhandenen Bildschirme nicht ausreichen sollte, kann man bei Haiku virtuelle Arbeitsflächen benutzen. Davon werden bis zu 32 Stück unterstützt. Zum Vergleich: KDE Plasma unterstützt nur 20, bei Windows war so eine Funktion bis Version 10 gar nicht verfügbar. Die Arbeitsflächen können auf Haiku in Reihen und Spalten eingeteilt werden.

Der Wechsel zwischen den Arbeitsflächen erfolgt über eine Kombination aus ALT und den F-Tasten. Alternativ kann auch STRG+ALT in Kombination mit den Pfeiltasten verwendet werden. Wer es gerne etwas einfacher haben möchte, kann auch die Arbeitsflächenübersicht verwenden. Jede Arbeitsfläche kann eine eigene Bildschirmauflösung, eine eigene Farbtiefe und einen eigenen Desktophintergrund haben.

Habt ihr jetzt Lust bekommen, Haiku selbst einmal auszuprobieren? Das freut mich. Morgen wird eine Schritt-für-Schritt-Anleitung folgen, wie ihr Haiku auf eurem Computer installieren könnt.

Quellen: