Meinen Arbeitsplatz habe ich in München, aber ich lebe mit meiner Familie gut 2 Zugstunden entfernt. Zu viel um täglich zu pendeln. Deshalb habe ich ein kleines Appartement gemietet, das einen großen Nachteil hat: Es hat eine Nachtspeicherheizung, die auch wirklich nur zwischen 22 und 6 Uhr Strom bekommt. Diese Nachtspeicherheizung wird über ein Drehrad eingestellt, das ziemlich schlecht zugänglich ist. Deshalb kann man auch nicht sehen, auf welche Stufe die Heizung eingestellt ist. Mit einem kleinen Spiegel, einer Taschenlampe und ein paar Verrenkungen geht es. Ich konnte mir aber nie merken, in welche Richtung ich zum Hoch- bzw. Runterdrehen der Heizung drehen muss.
Und so kam es wie es kommen musste (das ist schon fast 10 Jahre her), am letzten Morgen bevor ich in den Weihnachtsurlaub ging, habe ich die Heizung abgedreht (ohne Spiegel,... da ich etwas spät dran war und noch Arbeit erledigt werden wollte). Also ich dachte, ich hätte die Heizung abgedreht. In Wirklichkeit hatte ich sie voll aufgedreht. Das merkte ich dann, als ich im neuen Jahr zurück kam. Im Appartement war es saunaähnlich. Um die 26°C und die nächste Abrechnung zeigte mir, dass ich über die Weihnachtsferien über 100€ verheizt hatte - im wahrsten Sinne des Wortes.
Da musste also eine Lösung her. In dem Appartement habe ich kein Festnetz (lohnt sich nicht) sondern nur mobiles Internet. Aber wenn ich was mache, dann richtig. Eine Fernsteuerung musste her. Ohne Internet schwierig. Aber ich fand eine Lösung im Gammu-Projekt. Dies ermöglicht das Empfangen und Senden von SMS über einen UMTS-Stick und Linux. Na also.
Einen Raspi hatte ich noch rumliegen, einen UMTS-Stick auch. Ein Mobilfunk-Anbieter hatte auch einen Prepaid-Tarif, den man mit Kleinbeträgen aufladen konnte, so dass mich der Spaß pro Jahr keine 5€ für die SMS gekostet hat.
Der Aufbau ist recht einfach und auf dem Bild zu erkennen. Auf dem Raspi läuft Linux mit gammu (für SMS) und python. Das System ist seit Ewigkeiten nicht aktualisiert. Das ist unkritisch, da es ja keinen Kontakt zum Internet hat. An dem Raspi habe ich einen Schrittmotor-Kontroller und einen einfachen Schrittmotor sowie einen D1820-Temperaturesensor gekoppelt. Der Temperatursensor misst stündlich die Temperatur und schreibt sie in Logs. Daraus werden tägliche Durchschnitts-, Minimal- und Maximal-Temperatur berechnet. Einmal wöchentlich, am Tag bevor ich normalerweise zur Arbeit fahre, bekomme ich eine SMS mit diesen Werten auf mein Handy. Mit meinem Handy kann ich im Gegenzug per SMS Kommandos zur Ansteuerung der Heizung oder z.B. zur Statusabfrage an das System schicken. Das System verarbeitet nur SMSen, die von meinem Handy kommen. Je nach Kommando wird dann der Motor ein Stückchen in die eine oder andere Richtung gedreht. Die Software weiß in welche Richtung! Ich gebe nur eine Art Zielposition ("Stufe 0" bis "Stufe 9") ein. Über einen Zahnriemen wird so der Drehknopf der Heizung gedreht, auch wenn der Drehknopf keine Zähne hat. Mit genug Reibung und Riemenspannung funktioniert das trotzdem. Und zwar mittlerweile schon viele Jahre. Für mich eine erfolgreiche "Zweitheim"-Automatisierung.
Mehr Details zu dem System gibt's in meinem Artikel auf hackaday.io. Die Python-Skripte zur Steuerung sind auf Codeberg.
Quellen:
https://hackaday.io/project/166317-sms-controlled-heating-control
https://codeberg.org/mabe42/sms-controlled-heating-control
https://wammu.eu/gammu/

Großartige Lösung! Ich liebe diesen Fricklerspirit! Hast Du das schon im Fingerforum gepostet? https://www.fingers-welt.de/ Ich wünsche ich hätte mehr Zeit für sowas.
Ich hoffe, du hast das hier auch zum Wettbewerb "Heimautomatisierung" eingereicht!?!
Das war die Idee. Und wenn ich mich nicht vertippt habe, dann habe ich auch den richtigen Tag vergeben.