Ist Nextcloud Talk eine Alternative zu üblichen Messengern ?

Fr, 5. November 2021, Norbert Rüthers

Beim Thema "welchen Messenger soll man nutzen"  tauchen in der allgemeinen Diskussion immer wieder dieselben Kandidaten auf. WhatsApp, Telegram, Signal und vielleicht noch Threema.

Das artet schon mal gerne in einen heftigen Glaubenskrieg aus, der mit mehr oder weniger plausiblen Argumenten belegt wird. Dazu kommt, dass ein Messenger sich nur dann durchsetzen wird, wenn auch genügend Leute ihn benutzen. Leider hat diese magische Grenze bis auf WhatsApp noch niemand durchbrochen.

Ich kann aus Erfahrung sagen, dass zwar mittlerweile viele Leute Alternativen zu WhatsApp installiert haben, aber kaum jemand hat deswegen WhatsApp gelöscht. Mittlerweile habe ich alle oben genannten Messenger plus einem Matrix-Client installiert, weil der eine diesen und der andere jenen benutzt.

Aber egal was auch an Argumenten aufgeführt wird. Alle Messenger laufen über fremd verwaltete Server. Letztlich weiss man nie was trotz Verschlüsselungsversprechen im Hintergrund (vielleicht auch nur zukünftig) passiert. Also was liegt näher, als einmal einen Dienst zu benutzen, der auf dem eigenen Server läuft.

Ich und wahrscheinlich auch viele andere haben eine Nextcloud Instanz zu Hause in Betrieb.

Innerhalb von Nextcloud gibt es einen Dienst, der sich Nextcloud Talk nennt. Lange Zeit unbenutzt habe ich mich nun einmal näher damit beschäftigt. Falls Talk noch nicht sichtbar ist, kann es über die Nextcloud App-Verwaltung installiert werden. Natürlich ist es klar, dass Nextcloud Talk keine globalen Messenger ersetzen kann. Im Freundes und Verwandtenkreis, in kleinen bis mittleren Firmen aber durchaus eine Alternative sein kann

Natürlich stellte ich mir sofort die Frage, ob so etwas performant genug ist, um im Alltag zu bestehen?

Das offizielle Feature liste, sieht wie folgt aus:

  • Vollständig vor Ort, 100% Open Source
  • Selbst gehostet, damit keine Metadaten auslaufen können
  • Verschlüsselte Peer-to-Peer-Audio-/Videoanrufe
  • WebRTC für plattformübergreifende Unterstützung
  • Leistungsstarke Funktionen zur Verbindung mit anderen Plattformen
  • Individuelle und Gruppenanrufe & Chat
  • Mobile Apps für Android und iOS
  • Einfache Bildschirmfreigabe
  • Integration mit Nextcloud Files und Groupware
  • Mobile Anrufe & Chat mit Push-Benachrichtigungen
  • Befehle zur Integration mit anderen Tools
  • Webinare & öffentliche Web-Meetings (mit Hochleistungsserver nutzbar)
  • SIP-Brücke: Einwahl per Telefon (mit Hochleistungsserver nutzbar)

Soweit so gut. Ich habe also die Nextcloud Talk APP auf zwei Smartphones installiert.

Die Einrichtung ging problemlos und warf keine Fragen auf. Nach Eingabe der Serveradresse https://.......... und Benutzername und Passwort war es auch schon erledigt. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die App nicht allzu sehr von den Konkurrenten. Um einen  neuen Chat zu starten, muss man einfach einen Benutzer, der natürlich ebenfalls einen Account auf der Nextcloud Instanz haben muss, auswählen mit Talk übertragene Dateien werden ebenfalls innerhalb von Nextcloud Talk auf dem heimischen Server (und nur dort) gespeichert. Eine reibungslose Kommunikation über Gerätegrenzen hinweg ist also gegeben. Theoretisch jedenfalls. Ob das alles auch auf einem privat gehosteten Nextcloud Pi mit womöglich schmaler Bandbreite realisierbar ist, steht auf einem anderen Blatt.

Fazit

Die Nutzungsmöglichkeit  der verschiedenen Features hängen stark von der verwendeten Hardware sowie der zur Verfügung stehenden Netzwerkbandbreite ab. Mein Szenario ist ein Fujitsu Server und ein 80MBit  DSL-Anschluss

  • Textchats incl. Versand und Empfang von Audio, Bild und Videodateien sind problemlos und ein Einsatz im Familien und Freundeskreis daher möglich
  • Telefonie ebenfalls wenn nicht gerade viel Gespräche parallel laufen
  • Bei Videochats gilt dasselbe für die Anzahl der Teilnehmer

Also einfach mal selber ausprobieren.

Quelle: https://nextcloud.com/talk/

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