JusProgDNS für Linux

  Lioh Möller   Lesezeit: 2 Minuten  🗪 5 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Kinderschutz im Netz ist ein sensibles Thema. Einerseits braucht es Schutzmechanismen, andererseits sollen diese Mechanismen nicht selbst zum Hindernis werden. Genau da setzt JusProgDNS an.

jusprogdns für linux

Für Icefun, die Linux-Distribution für Kinder, habe ich eine kleine grafische Applikation entwickelt, mit der sich die DNS-Einstellungen der aktiven Internetverbindung bequem auf die JusProgDNS-Altersstufen umschalten lassen. Die Idee dahinter war, eine sichere und kindgerechte Filterung von Inhalten zu ermöglichen, ohne dabei mit unnötigen Einstellmöglichkeiten zu überfordern. Viele Eltern oder Betreuende möchten einfach nicht jedes Mal in Netzwerkkonfigurationen eintauchen, wenn ein DNS-Profil geändert werden soll. Ich wollte deshalb eine Lösung schaffen, die sich in den Alltag einfügt und ohne Spezialwissen funktioniert.

Wie die Anwendung funktioniert

Die App erkennt die primäre Internetverbindung und setzt dort die DNS-Einstellungen auf das ausgewählte JusProgDNS-Profil. Auf Wunsch lässt sich die Konfiguration auch wieder auf den vorherigen Zustand zurücksetzen. Das ist wichtig, weil man nicht nur zwischen verschiedenen Altersstufen wechseln, sondern auch jederzeit zur Standardkonfiguration zurückkehren können soll.

Technisch basiert die Lösung auf NetworkManager und greift auf die Verbindung zu, die aktuell die Default-Route bereitstellt. Das bedeutet, dass gezielt nur die aktive Verbindung angepasst wird. 

Die App lässt sich systemweit installieren und erscheint dann wie eine normale Desktop-Anwendung im Menü. 

Auch wenn die JusProgDNS-App technisch gesehen nicht gross ist, war das Projekt für mich wichtig. Ich mag Software, die eine konkrete Aufgabe gut löst, statt viele Dinge halbherzig zu versprechen. Genau das ist hier der Fall. Die Anwendung macht den DNS-Wechsel einfacher und verständlicher, für Menschen, die sich nicht mit Netzwerkkonfigurationen beschäftigen möchten.

Für mich ist das auch ein anschauliches Beispiel dafür, wie Freie Software im Alltag wirken kann. Nicht jede Verbesserung muss spektakulär sein. Manchmal reicht ein kleines Tool, das eine einzige Aufgabe sauber löst, um einen echten Unterschied zu machen.

Ausblick

Momentan ist die Anwendung auf das zentrale Umschalten der DNS-Profile ausgelegt. Sie ist bewusst schlank gehalten, damit sie zuverlässig funktioniert und sich leicht bedienen lässt. Denkbar wären später noch kleine Ergänzungen, etwa bessere Rückmeldungen in der Oberfläche oder zusätzliche Hinweise zu den einzelnen Profilen.

Für mich war aber zuerst wichtig, eine stabile und verständliche Basis zu schaffen. Genau die ist jetzt vorhanden. Und ich hoffe, dass die App im Alltag einen kleinen, aber hilfreichen Dienst leistet.

Quellcode: https://codeberg.org/Lioh/JusProgDNS

Tags

DNS, JusProgDNS, Kinderschutz

Thomas
Geschrieben von Thomas am 11. Juli 2026 um 08:35

hi, ich darf da auf LiFE ParentalControl verweisen.

Das kann derzeit:

Filterung unerwünschter Webseiten Kontrolle über einzelne Apps/Programme Reglementierung der Bildschirmzeit

Da gibt's eine genauere Beschreibung https://linux-bildung.at/2026/05/life-parental-control-ueberblick/ und hier den Quellcode https://github.com/valueerrorx/LiFE-Parental-Control

Lioh Möller
Geschrieben von Lioh Möller am 12. Juli 2026 um 15:00

Danke für den Hinweis. Das klingt sehr mächtig. Für Icefun nutze ich dazu eine Kombination aus Timekpr-nExT und dem neu entwickelten JusProgDNS.

Steffen
Geschrieben von Steffen am 12. Juli 2026 um 04:06

Selbst wenn man die Gründe für den Schutz der Jugend versteht (Beispiele: Alkohol, Tabakwaren, Altersbeschränkungen bei Filmen) und grundsätzlich unterstützt , so halte ich dass im Internet für eine ganz schwierige und nicht passend lösbare Aufgabe. DNS Sperren sind lediglich eine Form der Inhalteblockierung, die sich jederzeit realativ leicht umgehen lässt und bei der Nutzung solcher "manipulierter DNS" Server muss man sich immer auf den Anbieter bzw. seine "Art der inhaltlichen Zensur" verlassen können. Also der Sinn und Zweck der Anwendung ist nachvollziehbar, aber die Art und Weise der Problemlösung finde ich doch irgendwie nicht besonders transparent und etwas fragwürdig.

Alle Eltern, insbesondere die technisch unversierten, wünschen sich dafür eine einfache Lösung, kann man verstehen! Und die Alternativen, wie beispielsweise der Google Family Link, funktionieren wahrscheinlich genauso toll aber sind mit Sicherheit keinen Zacken besser. Also ich für meinen Teil habe meinen Kindern das Internet gezeigt, mit Ihnen viele Gespräche geführt und Fragen beantwortet, ihnen viele Dinge erklärt und bis zu einem Alter von 12 -13 Jahren sind wir immer gemeinsam ins Internet gegangen bzw. die Tür zum Nebenzimmer war stets offen. Der Rest ist offene Kommunikation und Vertrauen! Das alles ist so viel besser als Inhalte zu blockieren... und ich frage und wundere mich schon was 6 jährige alleine ohne Eltern im Internet machen!? Oder sind damit etwa diese bemitleidenswerten kleinen Knirpse gemeint, deren Eltern ständig ihr Handy zum Animationsfilmangucken abgeben und sich dann nicht weiter kümmern !? Verantwortung geht anders.

Lioh Möller
Geschrieben von Lioh Möller am 12. Juli 2026 um 14:59

Das habe ich lange Zeit genauso gesehen wie Du und ich teile auch weiterhin Deine Grundhaltung. Ein Filter befreit nicht von der erzieherischen Verantwortung. Er dient lediglich als Unterstützung und kann als Einstiegshilfe dienen.

The_Raven
Geschrieben von The_Raven am 13. Juli 2026 um 08:11

Dieses Thema (Jugendschutz) triggert mich so richtig. Da rege ich mich jedes mal darüber auf. Ich habe selber Kinder und sehe und mache das absolut genau so wie du. Allerdings habe ich sicherheitshalber einige Filter im Pi-Hole, einfach für den Fall das wenn trotzdem mal ein Kind auf etwas klickt was es nicht soll. Denn sind wir ehrlich: Das ist sehr schnell passiert! Ich sehe aber auch wie andere Eltern damit umgehen und schon rege ich mich darüber auf. Da gibt es 6 Jährige die schon ihr eigens Handy haben und ungefiltert Gewalt und Pornografie konsumieren. Hinzu kommt dann etwas später auch noch Socialmedia. Die EU diskutiert nun über ein Socialmedia-Verbot (und andere Verbote) für unter 16 Jährige. Nun bin ich völlig gespalten: Einerseits bin ich gegen jegliche Arten von Verboten. Ich meine wir leben theoretisch in einem freien Land, praktisch ist aber mittlerweile so viel verboten (und vorgeschrieben/geregelt) das man da kaum noch von "frei" reden kann. Teilweise binden sie sich auch selber die Schnürsenkel zusammen und stehen sich wegen ihren eigenen Gesetzen selber im Weg (z.B. Abschuss von Spionage-Drohnen, darf man nicht weil es verboten ist...😂🤦‍♂️). Auf der anderen Seite sehe ich aber natürlich auch den Handlungsbedarf. Es geht doch einfach nicht das 6 Jährige solche Inhalte konsumieren und die Eltern nichts, aber auch gar nichts dagegen unternehmen (ja sie finden es noch nicht einmal schlecht oder sehen das Problem nicht). Und schon befinden wir uns in mitten von diesem "Dilemma". 🙈 Die Eigenverantwortung rückt immer weiter weg und die Bevormundung kommt näher. Oft getarnt als Jungendschutz (Stichwort "Chat-Kontrolle", dazu könnte man gleich nochmal so viel schreiben aber jetzt ist erst mal gut 😉).