Kill the Messenger

Do, 11. März 2021, Ralf Hersel

Wir hatten es ja lange nicht mehr von den Messengern und ich möchte euch nicht mit dem hundertsten Artikel zu Signal versus Threema versus Telegram langweilen. Dennoch kann ich euch einen schönen Beitrag der Leser-finanzierten Online-Zeitung Republik nicht vorenthalten. Darin wird auf unterhaltsame Art dargelegt, dass die Wahl nicht zwischen Pest und Cholera stattfinden sollte, sondern ein Paradigmenwechsel erforderlich ist: Cappuccino statt Nespresso!

In den letzten Monaten ging die Diskussion über 'den richtigen und besten Messenger' meist in die falsche Richtung. Es wurden Features verglichen, Algorithmen zur Verschlüsselung angezweifelt, Geschäftsmodelle hinterfragt und die US-Jurisdiktion als Killer-Argument aufgeführt. Was jedoch nur in Nebensätzen berücksichtigt wurde, ist das Grundprinzip föderierter Kommunikation: standardisierte Protokolle.

Fast alle Kommunikations-Anwendungen (E-Mail, Micro-Blogging, Messenger, Telefonie, usw.) lassen sich aufgrund der Protokoll-Standardisierung unterscheiden. Diese ist entweder proprietär oder offen. Zur Verdeutlichung seien hier einige Beispiele (auch aus dem Alltag) genannt:

Offene Protokolle

  • Wasserversorgung, Elektrizität, Schrauben/Muttern, die metrische Masseinheit
  • E-Mail (IMAP, POP3), XMPP/Jabber, Matrix
  • Cappuccino

Geschlossene Protokolle

  • Signal, Threema, Telegram, WhatsApp, usw.
  • Apple, Microsoft, Amazon, Google
  • Nespresso

Das Gebot der Stunde sind nicht die geschlossenen, von Firmen oder Stiftungen kontrollierten Protokolle, sondern offene Standards, wie wir sie seit Jahrhunderten kennen. Standardisierung hat immer der Zivilgesellschaft genutzt und den Wettbewerb zugunsten der Konsumentinnen gefördert. Die geschlossenen Protokolle haben immer nur auf das Konto von Wenigen eingezahlt und Innovation behindert.

Die heutige Diskussion dreht sich zu sehr darum, ob der Apple- oder Google-Schraubenzieher der richtige ist, ob das Signal- oder Telegram-Protokoll das richtige ist. Selbstverständlich sind beide Varianten gleich schlecht, weil sie Menschen ausschliessen. Der Signal-Schraubenzieher passt eben nicht auf meine Threema-Freunde. Die Lösung liegt offensichtlich in einem standardisierten Messaging-Protokoll das keine Teilnehmer ausschliesst und alle Messenger-Clients erlaubt. Und ja, das gibt es - das Matrix-Protokoll schliesst niemanden aus und erlaubt beliebig viele Clients auf allen Plattformen.

Ich wünsche gute Unterhaltung beim Lesen des Republik-Artikels "Kill the Messenger":

Quellen

Original Link: https://www.republik.ch/2021/02/24/kill-the-messenger

Artikel der Republik als: PDF

Pascal Garber
Geschrieben von Pascal Garber am 17. März 2021

Ich bin momentan von Delta Chat sehr begeistert und funktioniert in meinen Tests erstaunlich gut. Delta Chat setzt ebenfalls auf ein offenes Protokoll und zwar E-Mail und verschlüsselt die Kommunikation ebenfalls durch ein offenen Standard "Autocrypt". Wer also zum Beispiel sowieso einen eigenen E-Mail-Server nutzt ist damit dann ebenfalls komplett unabhängig und sicher (bis darauf, dass dein Chat-Partner zum Beispiel auch Gmail mit Delta Chat nutzen kann und Google dann entsprechende Metadaten hat, aber immerhin nur für diesen Chat Partner). Hinzu kommt noch, dass man damit auch mit Leuten Chatten kann die kein Delta Chat haben, indem sie einfach über ihr E-Mail-Programm auf deine Nachricht antworten können, allerdings funktioniert dann die automatische Verschlüsselung nicht.