Lakka: Mach deinen PC zur Retro-Spielekonsole

Mi, 15. Dezember 2021, Niklas

Lakka ist keine gewöhnliche Linux Distribution. Sie ist vollkommen auf Gaming ausgerichtet, und zwar auf sehr alte Spiele. Sie nutzt LibRetro und RetroArch als Emulator für eine Vielzahl alter Spielekonsolen. Die Emulatoren werden alle direkt mitgeliefert, nur die Spiele muss man selbst haben.

Lakka basiert auf der Distribution LibreELEC. Es ist sehr leichtgewichtig, das GZip komprimierte Image ist nur gut 600 MB gross. Lakka kann auf einer Vielzahl von Einplatinencomputern genutzt werden, wie zum Beispiel den meisten Versionen des beliebten Raspberry Pi. Auch eine x86 Version ist verfügbar. Ich teste es wie immer auf meinem Lenovo 3000 N200 Laptop.

Das System startet innerhalb von wenigen Sekunden vom USB-Stick in ein Live System. Alternativ kann es auch auf der Festplatte installier werden. Das User-Interface ist an die Playstation angelehnt. Es kann komplett mit einem Controller bedient werden, Maus und Tastatur sind nicht notwendig. Wer keinen Controller hat, kann allerdings auch eine Tastatur verwenden. Die Maus hat auf dem Betriebssystem keine Funktion.

Da Lakka keine Spiele mitbringt, ist es sinnvoll, zunächst die WLAN-Verbindung einzurichten. Man hat dann Zugriff auf den Online Updater, mit dem man im Bereich Content Downloader ein paar ausgewählte Spiele herunterladen kann. Bei meinem Test haben leider die wenigsten davon funktioniert. Die Verzeichnisstrukturen sind ausserdem sehr unübersichtlich, Lakka zeigt nicht nur die ausführbare Datei des Spiels, sondern alle zugehörigen Dateien.

Eine wesentlich grössere Auswahl an Spielen bieten spezielle Downloadportale für Retro Spiele, wie beispielsweise Retrostic. Das hier heruntergeladene Super Mario Kart funktioniert bei meinem Test auf Lakka einwandfrei. Da Lakka keinen eigenen Browser mitbringt, muss man die Spiele jedoch über einen anderen Computer herunterladen und per Samba auf die Lakka Installation übertragen. Der Samba Server von Lakka ist standardmässig aktiviert und wurde von meinem FreeBSD Computer ohne Weiteres gefunden.

Wer noch originale Spiel DVDs von früher hat, braucht diese nur ins DVD-Laufwerk des Lakka Computers zu legen und kann sie direkt starten oder wahlweise auch auf die Festplatte kopieren, um nicht immer die DVD zu brauchen. Diese Funktion konnte ich mangels DVDs nicht testen.

Auch Multiplayer Spiele sind mit Lakka kein Problem, es können bis zu 5 Controller angeschlossen werden, vorausgesetzt das verwendete Gerät hat so viele Anschlüsse. Über die Funktion Netplay können ausserdem mehrere Lakka Geräte miteinander verbunden werden, sodass Multiplayer Spiele auch aus der Ferne möglich sind. Eine Lakka Installation ist dabei der Server, andere können sich als Client verbinden.

Wer sich lieber online mit Spielern aus aller Welt messen möchte, findet bestimmt die Funktion Achievements interessant, die eine Integration von RetroAchievements bietet. Auf der Seite können Achievements in einer Vielzahl von Retro Spielen gesammelt werden, es gibt fast 200000 registrierte Spieler, eine Teilnahme ist kostenlos.

Fazit: Lakka bietet alles, was sich Fans von Retro Konsolen nur wünschen können und noch viel mehr, als die alten Originale konnten. Es wirkt ausgereift und ist einfach zu bedienen. Mit meinem Laptop habe ich allerdings mangels Alternativen ein denkbar schlechtes Testgerät gewählt - viel mehr Spass macht es am grossen Fernseher und mit richtigen Controllern, vor allem wenn man zusammen mit Freunden oder Familie zocken will.