Micro - der beste CLI-Text-Editor

Mo, 19. April 2021, Joël Schurter

Einige mögen ihn und wollen nichts anderes mehr, andere hassen ihn - der Terminal-Text-Editor Vim (und weitere). Ich gehöre eher zur letzteren Gruppe. Vor einiger Zeit bekam ich von einem netten Mitglied der GNU/Linux.ch Community den Tipp, ich sollte mir mal Micro anschauen. Installiert, ausprobiert, geblieben. Aus meiner Sicht ist Micro der beste CLI-Text-Editor überhaupt.

Micro ist eher unbekannt, hat jedoch einige ziemlich grosse Vorteile gegenüber anderen Text-Editoren für die gute alte Command Line.

Features

  • Simpel
    Für Anfänger gibt es kaum einen wichtigeren Punkt als diesen: Ein Programm muss einfach zu installieren und auch einfach zu nutzen sein. Beides ist bei Micro der Fall. Der Text-Editor ist in vielen Linux-Distros in den offiziellen Paketquellen verfügbar. Ansonsten kann man Micro auch über folgenden Befehl installieren: curl https://getmic.ro | bash
    Auch die allgemeine Bedienung ist sehr einfach gehalten, so unterstützt Micro beispielsweise die normalen Tastenkombinationen strg+c/v/q etc. und lässt sich grösstenteils auch mit der Maus bedienen.

  • Vielseitig
    Micro ist zwar von der Bedienung und Installation her grundsätzlich sehr einfach gehalten, "unter der Haube" lässt sich aber vom Syntax Highlighting Theme (siehe nachfolgender Punkt) bis zu den Tastenkombinationen und Befehlen alles sehr gut konfigurieren. Die Einstellungen kann man entweder über die integrierte Befehlszeile (aufrufbar mit strg+e) oder über die settings.json Datei im Verzeichnis ~/.config/micro bearbeiten. Falls einem die Tastenkombinationen nicht passen, kann man diese auch in der keybindings.json Datei im selben Verzeichnis bearbeiten. Weitere Informationen dazu hier (Optionen) und hier (Befehle).

  • Syntax Highlighting
    Wie man es von vielen Text-Editoren kennt, bietet auch Micro ein hervorragendes Syntax Highlighting. So unterstützt Micro über 75 Programmiersprachen, das Syntax Highlighting sollte also fast jedem zur Verfügung stehen. Falls nicht, kann man ein solches auch selber erstellen. Weitere Infos zum Syntax Highlighting in Micro gibt es hier.

Look-and-feel

Im Vergleich zu Vim, Nano und anderen CLI-Text-Editoren fühlt sich Micro wie ein grafischer Text-Editor an, mit dem grossen Unterschied, dass Micro viel schneller ist, da es ja im Grunde genommen doch nichts als ein Terminal-Programm ist. In einem der nächsten grossen Updates ist geplant, viele (oder alle) Vim-Befehle in Micro zu implementieren. Somit kann man dann die Vorteile von Vim gepaart mit den Vorteilen von Micro in einem einzigen Text-Editor geniessen.

Fazit

Micro ist für mich der beste Text-Editor für das Terminal. Im Gegensatz zu Vim, Nano und weiteren CLI-Text-Editoren kann ich in Micro mit den gewohnten Tastenkombinationen strg+c/v/q etc. arbeiten, was für mich einen enormen Vorteil darstellt, da ich mich nicht umgewöhnen muss. Verglichen zu grafischen Editoren ist Micro um einiges schneller, was für mich beim Bearbeiten von grösseren Dateien und allgemein beim Bearbeiten von Texten ein grosser Vorteil darstellt. Ich kann Micro also nur empfehlen.

Webseite von Micro: https://micro-editor.github.io

UbIx
Geschrieben von UbIx am 20. April 2021

Wer so wie ich noch aus Zeiten von Wordstar stammt, sollte sich 'Joe anschauen, der bei jeder mir bekannten distro dabei ist. Für alle anderen ist er sicher nicht die erste Wahl. TurboPascal Freunde sollten auch einen Blick auf den Editor im 'mc' (midnight commander) werfen.

tux.
Geschrieben von tux. am 20. April 2021

Mit WordTsar gibt es auch eine sehr gute Neufassung von WordStar.

sebastian
Geschrieben von sebastian am 19. April 2021

IMHO...

"Einfache Installation" ist für Anfänger und Umsteiger sicher ein wichtiges Kriterium. Unbekannte shell scripte aus dem Internet blind ausführen ist aber meines Erachtens ein NO GO. Da kann man IMHO auch gleich ad- und spyware infizierte setup.exe aus dem Internet laden.

curl https://getmic.ro | bash

Mag zwar einfach sein, ist dann aber doch eher was, was man als Erfahrener User macht, nachdem man geschaut hat ob das script auch keinen Unfug treibt.

Anfängern sollte man da dringend von abraten. Bitte lasst uns diese Methode nicht als Standard etablieren...

Uxx
Geschrieben von Uxx am 22. April 2021

Wenn du der Website nicht traust, warum traust du dann dem Binary, das installiert wird? Also das Shellskript zu prüfen, kann man sich IMHO sparen. Die Malware kann man viel besser im Binary verpacken.

Joël Admin
Geschrieben von Joël am 19. April 2021

Genau, deswegen habe ich auch gesagt, man soll erstmal in den Paketquellen schauen. Und wenn der Befehl so auf der Projektseite steht, habe ich da keine Bedenken, mir sowas runterzuladen. Trotzdem, einfach irgendwas von irgendwo herunterladen sollte man natürlich nicht. Gerne kannst du mir zeigen, wie man Micro ausserhalb der offiziellen Paketquellen und ohne genannten Befehl auf vertrauenswürdige Weise installiert, dann tausche ich den Downloadbefehl dadurch aus.

tux.
Geschrieben von tux. am 19. April 2021

NEIN VIM NEIN EMACS NEIN NANO NEIN JOE NEIN ED(1)! Ich hoffe, die hier erwartbare Diskussion ist damit abgefrühstückt... ;-)

Zum Inhalt: Micro ist gar nicht so schlecht, wenn man keine Lust auf große Konfigurationsorgien hat und trotzdem ein halbwegs komfortables Programm mit "typischen Features" haben möchte. Persönlich habe ich das Problem, dass ich mich an Emacs gewöhnt habe, das macht auch die Arbeit mit anderen guten Konsoleneditoren wie GRIEF etwas umständlicher, weil man da natürlich andere Tastenkürzel hat. (Für mich wäre wahrscheinlich mg der beste Konsoleneditor - zurzeit wechsle ich, je nach Code, auf meinen Servern zwischen nvi, ed und eben auch Emacs über TRAMP.)

Es ist übrigens eine sehr dumme Idee, Code aus dem Web in bash zu "pipen", ohne vorher reinzugucken.

Joël Admin
Geschrieben von Joël am 19. April 2021

Das stimmt, wenn man sich was anderes gewohnt ist, möchte man nicht wechseln. Es ist eine sehr dumme Idee, wenn man von einer unbekannten Webseite Code herunterlädt. Bei einer offiziellen Projektwebseite habe ich da aber keine Bedenken. Reinschauen in den Code ist aber trotzdem nie verkehrt.