Mittendrin statt nur dabei

Mo, 4. Oktober 2021, Lioh Möller

Ein Grossteil der Entwicklung von GNU/Linux und Freier Software findet immer noch im Rahmen von Unternehmen wie Red Hat, SUSE oder Intel statt. Dabei hat jeder Nutzer die Möglichkeit Verbesserungen einzubringen, oder neue Impulse zu setzen. Doch was hindert interessierte Anwender daran, sich aktiver an einer Weiterentwicklung zu beteiligen?

Möglicherweise hat insbesondere GNU/Linux mittlerweile einen so hohen Reifegrad erreicht, dass Verbesserungen kaum noch als notwendig erachtet werden, vielleicht werden diese sogar abgelehnt, weil der aktuelle Ist-Zustand ja funktioniert.

Vor einigen Jahren hingegen wurden die meisten Anwender irgendwann fast gezwungenermassen zu Beitragenden, da beispielsweise die verwendete Hardware noch nicht richtig unterstützt wurde. In Zeiten von Wayland und Container Paketformaten kommen reguläre Nutzer kaum noch in die Verlegenheit sich tiefer mit der Technologie auseinanderzusetzen, ausser es besteht ein starkes Interesse in diesem Bereich.

Dies führt zwangsläufig zu einer Opferrolle, weil Anwender nicht mehr selbst aktiv die Weiterentwicklung mit gestalten, was (Mer)Curius in einem Blogpost deutlich dargestellt hat.

Wer Freie Software nur als Konsument bezieht, verpasst letztendlich einen grossen Teil des Gemeinschaftsgefühles und nimmt an Erfolgen nur noch indirekt teil. Dadurch verschiebt sich der Blickwinkel in eine Richtung wie es bereits von kommerziellen Softwareanbietern bekannt ist. Auch dort gibt es drei Gruppen von Anwendern, welche leicht zusammengefasst werden können. Zum einen gibt es Hyper, die jeden neuen Trend mitfeiern und dies auch lautstark teilen. Im Mittelfeld befinden sich die klassischen Anwender, die stillschweigend konsumieren, was ihnen vorgesetzt wird. Auf der anderen Seite des Spektrums findet man die Meckerer, die jegliche Änderung verteufeln.

Dazu muss es in der GNU/Linux Community nicht kommen, wenn wir uns wieder mehr als Gemeinschaft von Beitragenden wahrnehmen, anstatt in die Opferrolle zu verfallen oder uns lediglich als Anwender wahrnehmen.

Am einfachsten geht dies, indem man aktiv beiträgt, und zwar weit über einen Kommentar auf einen Artikel hinaus. Unsere Plattform bietet dir die Möglichkeit, dich als Autor, Mitpodcaster oder in der Technik einzubringen und so findet jeder Interessierte in eigentlich fast allen Freien Projekten einen Platz sich zu beteiligen. Der erste Schritt in diese Richtung muss allerdings von jedem selbst ausgehen. Ist dieser getan, erwartet einen in der heutigen Zeit in den allermeisten Fällen eine offene und herzliche Community, die gerne bereit ist, auch Einsteiger zu unterstützen, zu Beitragenden zu werden.