Wer nicht weiss, warum "Neuigkeiten von Manjaro" von Interesse sein könnten, sei auf diese beiden Artikel hingewiesen:
Bei der Titelfindung für diesen Artikel habe ich mich schwergetan. Der Titel hätte auch "Ralf probiert zum x-ten Mal andere Arch-basierte Distros aus und versucht, ein sinnvolles Paketmanagement zu installieren", doch der wäre zu lang gewesen.
Arch Linux versus CachyOS
Mit der Angst im Nacken, dass Manjaro in den ewigen Jagdgründen verschwindet, habe ich CachyOS und pures Arch Linux wiedermal in einer virtuellen Maschine (GNOME-Boxes) installiert. Zuerst ging es mir darum, die Geschwindigkeit der beiden Distributionen miteinander zu vergleichen. Um es vorwegzunehmen: Ein solcher Vergleich funktioniert in einer virtuellen Umgebung nicht.
Bei diesen Tests haben sich zwei Erfahrungen bestätigt, die ich bei früheren Versuchen bereits festgestellt habe:
- Die Installation von CachyOS ist langsam.
- Die Installation von Arch Linux ist einfach.
Selbstverständlich gibt es Selbstquäler, die Arch auf die harte Weise installieren, vielleicht, um etwas über den Installationsprozess einer Linux-Distro lernen zu wollen. Möchte man nichts lernen, sondern nur Arch installieren, tippt man nach dem Booten der ISO archinstall ins Terminal. Exakt 7 Minuten später läuft Arch mit der zuvor ausgewählten Desktop-Umgebung. Zugegeben, die Installation von CachyOS ist mit dem Calamares-Installer ein wenig einfacher, dauert aber länger. Das mag daran liegen, dass Arch weniger Pakete installiert.
Nachdem beide Distros in den Boxen standen (ha ha) habe ich die Bootzeiten mit der Stoppuhr gemessen. Arch bootet in knapp 30 Sekunden in den GNOME-Desktop. CachyOS benötigt dafür doppelt so lange. Das ist erstaunlich, weil es dem Versprechen von CachyOS widerspricht. Wie bereits erwähnt, kann man für solche Performance-Vergleiche keine VM verwenden, sondern muss auf Eisen testen. Falls es mir einmal langweilig ist, mache ich das mal auf einem alten Notebook.
Paketverwaltung
Wie ihr mittlerweile wisst, ist für mich die Paketverwaltung eines der wichtigsten Kriterien, wenn es um die Auswahl einer Distribution geht. Seit dem Aufkommen der Container-Formate, dürfen wir uns mit mindestens zwei Paket-Formaten herumschlagen: Den nativen Paketen der jeweiligen Distribution und dem Flatpak-Format. Für System-nahe und einfache Werkzeug, nimmt man gerne die nativen Pakete, für alle anderen Anwendungen kommen Flatpaks infrage. Ja, ich sehe schon eure Kommentare vor meinem geistigen Auge. Mir geht es heute nicht um die Diskussion der Paket-Formate.
Weder Arch Linux noch CachyOS oder EndeavourOS bieten eine befriedigende Lösung für das bequeme Paketmanagement:
- Arch hat pacman und nichts Weiteres.
- CachyOS bringt eine wilde Mischung mehrerer Werkzeuge mit, darunter Oktopi.
Nichts davon erfüllt die Grundbedürfnisse einer umfassenden Paketverwaltung. Für mich gilt pamac (von Manjaro) als das Mass der Dinge. Selbstverständlich kann man pamac in allen Arch-basierten Distributionen installieren, doch das ist nicht einfach. Um pamac mit Flatpak-Unterstützung in Arch Linux zu installieren, musste meine VM über eine Stunde lang Code kompilieren. Falls jemand wissen möchte, wie das geht, liefere ich gerne auf Anfrage eine Anleitung.
So sieht Pamac in Arch aus:
Genug des Vorgeplänkels. Der Titel verspricht Neuigkeiten bei Manjaro.
Neuigkeiten bei Manjaro
Am 19. März schrieb Aragorn (aus der Manjaro-Community) im Manjaro-Forum:
Angesichts der sehr positiven Antwort von Philip heute Abend sieht es so aus, als würden wir die Distribution nicht forken – zum Glück, denn das hätte eine Menge Arbeit bedeutet und wäre für die Community sehr schlecht gewesen.
Wir werden daher nun mit der Gründung des e.V. fortfahren und anschließend versuchen, alles so umzustrukturieren, dass die alten Probleme von Manjaro von nun an vermieden werden können und sowohl die Manjaro-Distribution als auch die Manjaro GmbH von dieser neuen Zusammenarbeit profitieren.
Aragorn bezieht sich auf die Antwort von Philip Müller, dem 50 %-Geschäftsführer der Manjaro GmbH & Co. KG. Die anderen 50 % hält Roman Gilg, der eher der Manjaro-Community zugewandt ist. Müller schreibt:
Für mich fühlt sich das ein bisschen wie in „Meuterei auf der Bounty“ an. Viele von uns waren von Anfang an Teil des Manjaro-Projekts, während andere später zu unserer gemeinsamen Reise stießen. Und nun haben einige das Gefühl, als hätten sie eine Fahrkarte für die Titanic gekauft und steuerten direkt auf einen Eisberg zu…
Im Jahr 2019 haben wir den Übergang von einem Gemeinschaftsprojekt zu einem gemeinschaftsorientierten Unternehmen vollzogen und auch Vermögenswerte für kommerzielle Projekte genutzt, wie es ein normales Unternehmen tun würde. Wenn nun ein „Ausstieg in die Gemeinschaft“ oder, in unserem Fall, eine weitere Spaltung in Betracht gezogen wird, kann eine Übertragung nicht über Nacht erfolgen. Es muss eine klare Trennung von den unternehmensbezogenen Vermögenswerten erfolgen, und zwar nicht einmal mit allen hier aufgeführten Vermögenswerten.
Aus meiner Sicht muss zunächst die neue Einheit gegründet und ein Übergangsplan erstellt werden, bevor tatsächlich etwas in Gang gesetzt werden kann. Bislang habe ich nur Kommentare zu diesem Thema gesehen und darüber, wie großartig Manjaro als Linux-Distribution ist, aber keine konkreten Schritte, um die hier geäußerten Wünsche zu verwirklichen.
Ich war 2019 nicht gegen einen Verein als juristische Person, und ich bin auch jetzt nicht dagegen. Ich bin auch offen für ernsthafte Gespräche mit der neuen Organisation, falls es sie bereits gibt. In einem gemeinsamen Gespräch mit @romangg wollte er eigentlich die Führung bei der Gründung des Vereins übernehmen…
Ihr seid am Zug. Entscheidet als Community. Gründet die neue Organisation und meldet euch dann bei mir – ansonsten läuft alles wie gewohnt weiter…
Nun ja, ich würde das nicht als "sehr positive Antwort" bezeichnen. Für mich klingt das "bockig, beugend" aufgrund des hohen Drucks durch die Community. Aber das liegt im Auge des Lesers. Da Aragorn dies als positive Antwort interpretiert, ist das in Ordnung. Ich hoffe, dass sich der Verein rasch bildet, mit der GmbH übereinkommt und aus den Fehlern der Vergangenheit lernt.
Für die Manjaro-Nutzer:innen sind das gute Neuigkeiten, weil sie sich nicht mit dem Kompilieren von Pamac in Arch beschäftigen müssen.
Titelbild: https://pixabay.com/illustrations/boy-model-portrait-kid-little-boy-7565412/ (modifiziert)
Quelle: https://forum.manjaro.org/t/discussions-regarding-the-manjaro-2-0-manifesto/186311/456


Ich hoffe, die holen sich zeitnah Beratung von einem Juristen, der Open Source zugeneigt ist und der sich in Vereinsrecht wie auch Unternehmensrecht auskennt.
Kleiner Tip.....einbinden des chaotic-aur Paketquelle....Anleitung auf der Seite https://aur.chaotic.cx/. Dauert keine 2 min und man erspart sich das kompilieren bis auf die Flatpak Option.
Pamac gibt es bei CachyOS in den offiziellen Repos und muss daher nicht aus den Quellen kompiliert werden. Ich glaube es müsste sowieso vorher noch gepatcht werden, um mit den speziellen Repos von CachyOS zu funktionieren. Pamac war der Grund weshalb ich zu CachyOS gewechselt bin ;)
Ich kann zwar nicht versehen, wieso Philip so reagiert, aber gut. Allerdings befürchte ich, wenn der e. V. kommt und die Zeit wie im Manifest vorgeschrieben vergangen ist, wird er mit der GmbH & Co. KG schlecht dastehen. Im schlimmsten Fall wird der e. V. dann Forderungen finanzieller Art an die Firma stellen und in dem vermutlich nicht einfachen geschäftlichen Umfeld wird es noch schwieriger.
Was ist das eigentlich für eine Art? Man ist irgendwo beteiligt, bringt sich ein und an irgendeinem Punkt gefällt einem die Richtung ncih tmehr. Anstatt sich entweder zu arrangieren oder zu forken stellt man Forderungen. Geil, oder? :-(. Irgendwie verstehe ich es nicht. Ich hoffe die GmbH & Co. KG hat genug Geld um sich zu schützen.
Bzgl. der Softwareinstallation über pamac, em, was genau fehlt an pacman?
Schön das es mit Manjaro weiter geht, wäre Schade wenn eine der wenigen europäischen Distris verschwinden würde. Mir reicht unter Manjaro Octopi und Yay als Paketverwaltung. Für diejenigen die nicht genau wissen welche Programme sie nehmen sollen oder möchten ist ein Appstore mit Grafik sicher eine Erleichterung. Das pure Arch ist und wird ein Nerdsystem bleiben. Ich denke das ist auch so gewollt.
Mal eine blöde Frage (kann nur von einem nicht Arch User kommen 🥹): Was ist an Manjaro bzw. Arch so viel besser wie zb Debian (was ich seit über 23 Jahren erfolgreich mit Leidenschaft nutze)? Paketverwaltung und Debian ...ich kenne nichts anderes und besseres (klar kenne ich auch andere Distros). Der Hype ist für mich nur schwer nachvollziehbar. Helft mir mal auf die Sprünge! Ich sage nicht, dass eine ist besser wie das andere oder diese ist die beste🤗
Hallo Christopher
Ganz einfach: Debian und Arch sind DIE Gegensätze, wenn es um das Release-Modell geht. Debian ist stabil und Arch ist aktuell (rolling). Das bezieht sich heute mehr auf das Grundsystem als auf die Anwendungen, weil diese je länger, desto mehr über Container-Formate installiert werden: Flatpak, AppImage, Snap. Daher lässt sich ein Trend hin zu den Rolling-Distributionen beobachten, insbesondere, wenn es um Gaming geht.
Alles klar, vielen Dank Ralf. Klingt für mich nach einem irren Aufwand für die Entwickler bzw. Betreuer. Ich verstehe, dass die Pakete und Distribution dann natürlich deutlich aktueller wie zb ein Debian stable ist, dafür aber durch zb Software Regressionen deutlich anfälliger für Fehler. Vom Aufwand mal abgesehen. Das ist ein schwieriger Pfad. Wer, so wie ich, einfach nur mit dem Rechner stabil arbeiten möchte, dem kann ich das Model Debian, nur empfehlen. Ist halt nicht immer top aktuell, hat aber dafür sehr viele andere Vorzüge, die ich sehr schätze ...und ja, ich freue mich auch immer wieder auf die neuen Versionen😉, jüngst Trixie. Die Linux Welt halt. Ein bunter Blumenstrauß und für jeden etwas dabei. Vermutlich wird Linux jedoch genau deswegen nie Massen tauglich (was wir vielleicht gar nicht wollen😉).
Die Antwort von Philip Müller hatte ich die Tage auch gelesen und empfinde diese auch nicht als "sehr positiv". Immerhin scheint man sich einig zu sein. Eher aber zeigt Aragorns Antwort, dass das ganze eine pure Verzweiflungstat war. Jemanden mit etwas zu drohen, was am eigentlich nicht machen möchte (forken, Mehrarbeit etc.), zeugt auch nicht gerade von 100% Rückgrat oder "Feuer" für ein Projekt. Im Kern war das eher Sandkassenschippengehaue, von dem jemand dachte, das muss man mal öffentlich austragen. Insofern hätte ich eine Abspaltung eher dazu gewogen, wenn sie aus solchen Beweggründen stattfindet, zu hinterfragen, was den "Manjaro 2.0" (oder Kili? wie auch immer) für eine Zukunft gehabt hätte.
Thema Pamac: Da hatte ich noch nie ernste Probleme. Ich nutze die GUI und ich nutze pamac für AUR-Pakete (die Suche lässt sich mit fzf schön filtern, das mag ich). Den Rest erledigt bei mir pacman. Wenn es langsam wird, läuft pacman-mirrors an, und wenn es Schlüsselprobleme gibt (was mich persönlich am meisten nervt), dann muss ich an die Keys ran. Letzteres passiert mir, wenn ich mir mit Updates zu viel Zeit lasse. Ja, ich bin so ein Sack, der das manuell startet. Von Windows-Zeiten habe ich ein Trauma (anders kann ich es nicht nennen), dass mir entweder beim Hoch- oder Herunterfahren die Kiste einfach ungefragt Updates reinwürgt, die irgendwas kaputt machen.
Ein Beispiel, warum ich das immer noch so handhabe: Jellyfin. Das habe ich auf meinem Ubuntu Server neulich aktualisiert. Ein automatisches Update hätte einfach alles drübergebügelt und ich hätte mich gewundert, warum die Datenbank migriert wird und das ewig dauert bzw. nicht fertig wird. Beim manuellen Ablauf kann ich das Punkt für Punkt durchgehen. Das kostet mich Zeit, die ich aber an anderer Stelle spare. Sowas merkt natürlich nie einer, kennt ihr ja vielleicht…
CachyOS will ich auch demnächst auf einer zweiten Partition testen. Ist nur die Frage, wann.
Ich würde das auch als sehr positiv betrachten. Die Sichtweise, die Müller hier vermittelt ist, eine etwas skeptische. Wenn ich ehrlich bin, würde ich das - in seiner Situation - auch so machen. Organisiert euch erst mal, dann sehen wir weiter.
Das einzige was man hier kritisieren könnte, ist, dass er sich bei der Arbeit nicht einbringen möchte - weshalb er das vorgehen so wählt. Was aber auch daran liegen könnte, dass er dies - zurecht - als Angriff auf seine Person und seine Fähigkeiten ein Geschäft zu führen sieht.
Alles in allem ein sehr positives Zeichen.
Der schwierige Teil wird anschliessend die Verhandlung und - mit Sicherheit - seine nachträglichen Wünsche wie der Verein sich nochmal anpassen soll.
Wer Pamac auf Arch laufen lassen will, hat die Kontrolle über sein Leben, äh Linux verloren.
Das macht man als Arch user einfach nicht.