Die Manjaro-Krise 2026: Ein Schiff das schon lange sinkt - ein ausführlicher Kommentar

  Samuel Rüegger   Lesezeit: 19 Minuten  🗪 20 Kommentare Auf Mastodon ansehen

Das Manjaro 2.0 Manifest ist das sichtbare Ergebnis jahrelanger Führungsfehler, Machtmissbrauch und technischer Vernachlässigung und stellt das Projekt vor zwei Szenarien.

die manjaro-krise 2026: ein schiff das schon lange sinkt - ein ausführlicher kommentar

Die Manjaro-Krise 2026: Ein Schiff das schon lange sinkt - mein Kommentar

Einleitung: Warum mich das nicht völlig kalt lässt

Ich muss zu Beginn eine kleine persönliche Anekdote teilen, die vielleicht erklärt, warum mich diese Krise mehr beschäftigt als der durchschnittliche Linux-Beobachter: Vor vielen Jahren (müsste gegen 2007 oder 2008 gewesen sein), hatte ich kurz mit Philip Müller beim Paldo Linux Projekt zu tun. Paldo war eine der Stationen in Müllers Entwicklerkarriere, bevor er 2011 zusammen mit Roland und Guillaume das Manjaro-Projekt gründete. Paldo ist ein Schweizer Projekt, eine schlanke, ambitionierte Distribution mit eigenem Paketmanager namens Upkg und starkem Gnome-Fokus. Die Distribution wurde von den Entwicklern der Programmiersprache "Vala" ins Leben gerufen.

Ich war zu dieser Zeit ein kleiner Maintainer, der eine handvoll Pakete bei Paldo Linux betreute. Philipp versuchte in der Zeit KDE in Paldo zu integrieren und eine "Paldo KDE Version" zu machen.

Ich sage das nicht, um mich wichtig zu machen, die Berührungspunkte waren sehr flüchtig und liegen sehr lange zurück. Ich sage das, weil es die aktuelle Situation für mich persönlich etwas greifbarer macht. Philip Müller war damals ein enthusiastischer, technisch versierter Mensch mit einem unglaublichen Antrieb.

Er hatte viele tolle Ideen und ein richtiges Feuer, das in ihm brannte, man merkte richtig, dass er etwas Grosses aufbauen wollte. Und das hat er mit Manjaro dann auch getan. Das Resultat war eine Distribution, die die Linux-Welt stark bereichert hat. Umso schmerzhafter ist es, zu beobachten, dass das Projekt 2026 an einem Punkt angelangt ist, der keinen wirklich guten Ausweg mehr zu lassen scheint.

Das Manjaro 2.0 Manifest legt einen tiefgreifenden Konflikt zwischen der ehrenamtlichen Entwicklerbasis und der Manjaro GmbH & Co. KG offen und es ist kein Konflikt, der plötzlich entstanden ist. Er hat sich über Jahre aufgebaut, durch eine Serie peinlicher Vorfälle, durch Machtmissbrauch, durch das Ignorieren von Teamvorschlägen und durch eine Führungsstruktur, die einem wachsenden Projekt schlicht nicht gerecht wurde.

Was mich an dieser Situation fasziniert und gleichzeitig frustriert, ist die Tatsache, dass es eigentlich keine gute Lösung mehr gibt. Die verbleibenden Szenarien, die sich aus dem Manifest ergeben, sind mit erheblichen Risiken verbunden. Und ich möchte in diesem Kommentar das sorgfältig durchleuchten.

Das Manifest: Was wird eigentlich gefordert?

Bevor man die Szenarien durchdenken kann, lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und sich anzuschauen, was das Manjaro 2.0 Manifest überhaupt fordert, denn es ist mehr als ein emotionaler Hilferuf. Es ist ein strukturiertes Dokument mit konkreten organisatorischen, technischen und finanziellen Forderungen.

Die Kernforderung: Weg von der GmbH, hin zum e.V.

Die zentrale und alles überragende Forderung des Manifests ist die Überführung des Projekts von der bestehenden Manjaro GmbH & Co. KG in einen eingetragenen Verein (e.V.) nach deutschem Recht. Das Team argumentiert, dass die GmbH-Struktur mit ihrer Machtkonzentration bei einer Einzelperson strukturell inkompatibel sei mit einem gesunden Community-Projekt. Der Verein soll das Projekt rechtlich tragen, während die GmbH in eine beratende oder rein kommerzielle Nebenrolle übergeht.

Konkret schlägt das Manifest vor, dass die GmbH dem neuen Verein eine exklusive Lizenz auf die Marke "Manjaro" bis Ende 2029 gewährt und das Warenzeichen danach für einen symbolischen Euro überträgt. Bis dahin soll die Infrastruktur wie Domains, Foren, GitHub-Organisationen etc. schrittweise in den Verein überführt werden.

Governance: Flache Hierarchien und Abstimmungspflicht

Auf der Governance-Ebene fordert das Manifest eine fundamentale Demokratisierung der Entscheidungsstrukturen. Anstelle einer "traditionellen Führungshierarchie" soll eine flache Struktur treten, in der Teammitglieder auf Augenhöhe mitbestimmen. Für bedeutende Entscheidungen sind verbindliche Abstimmungszeiträume von zwei bis vier Wochen vorgesehen und niemand soll alleine und ohne Konsens über das Schicksal des Projekts entscheiden können.

Dazu kommt eine klare Forderung nach transparenter Finanzverwaltung: Spendengelder, die über Plattformen wie OpenCollective gesammelt werden, sollen ausschliesslich für Projektaktivitäten verwendet werden und nicht, wie das Manifest dem GmbH-Inhaber vorwirft, für Geschäftsreisen und andere firmenbezogene Zwecke.

Technische Zugriffsrechte: Das praktische Alltagsproblem

Neben den strukturellen Forderungen enthält das Manifest eine Reihe sehr konkreter technischer Anforderungen, die das eigentliche Tagesgeschäft betreffen. Das Team fordert uneingeschränkten Zugriff auf die Infrastruktur, die es täglich braucht: Wartungsrechte für Server, Zugang zu Build-Systemen, Kontrolle über Repository-Schlüssel und Zertifikatsmanagement.

Das ist keine abstrakte Machtfrage, es ist das direkte Resultat der TLS-Desaster der vergangenen Jahre. Wenn ein Teammitglied ein ablaufendes Zertifikat sieht und es nicht erneuern kann, weil die entsprechenden Zugriffsrechte bei einer einzelnen Person liegen, die nicht erreichbar ist, dann ist das kein Organisationsproblem auf dem Papier sondern ein handfestes, öffentlich sichtbares Versagen.

Der Streik als Druckmittel

Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat das Team parallel zum Manifest einen "Generalstreik" ausgerufen. Dieser betrifft alle administrativen und moderativen Aufgaben im Forum sowie nicht-essentielle Entwicklungsarbeiten. Neue Forenregistrierungen wurden eingefroren, die Moderation eingestellt.

Das ist eine nachvollziehbare Reaktion von Menschen, die jahrelang frustriert wurden. Aber es ist auch ein zweischneidiges Schwert: Die unmittelbaren Leidtragenden sind die Nutzer: jene, die bei systemkritischen Fehlern Hilfe im Forum suchen und nun niemanden mehr finden. Und das ausgerechnet in einem Moment, in dem Pamac reihenweise Systeme in einen unbootbaren Zustand versetzt.

Die Reaktion der GmbH: Halbherzige Offenheit mit Drohpotenzial

Philip Müllers Antwort auf das Manifest ist aufschlussreich. Er sagt, er habe grundsätzlich keine Einwände gegen die Gründung eines Vereins stellt aber gleichzeitig Bedingungen, die eine wirklich unabhängige Überführung nahezu unmöglich machen. Vermögenswerte, die für den Betrieb der GmbH relevant sind, müssen im Unternehmen verbleiben. Und wer Handlungen unternimmt, die dem Ruf oder dem Geschäft der Firma schaden, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Diese Drohkulisse sagt alles über die tatsächliche Verhandlungsbereitschaft aus. "Ich habe nichts dagegen" und "ich werde euch verklagen, wenn ihr mir schadet" passen nicht in denselben Satz, ausser man will bewusst eine Situation schaffen, in der die andere Seite faktisch handlungsunfähig bleibt.

Die Vorgeschichte: Wie man ein Projekt systematisch gegen die Wand fährt

Bevor ich zu den Szenarien komme, muss ich kurz auf das eingehen, was uns überhaupt hierher gebracht hat. Der Kern der Unzufriedenheit liegt in einer wahrgenommenen Stagnation und dem Verlust an professioneller Glaubwürdigkeit. Als primäre Ursache wird die Zentralisierung der Macht bei Philip Müller identifiziert, dem Inhaber der GmbH.

Das klingt nach einer harmlosen organisatorischen Kritik. Aber wer die Geschichte von Manjaro verfolgt hat, weiss: Das geht tiefer. Bereits 2020 gab es einen Eklat, als Philip Müller den damaligen Schatzmeister Jonathon Fernyhough aus seinem Amt entfernte und sogar aus dem Forum verbannte, weil dieser Nein zu einer Laptop-Anschaffung gesagt hatte. Müller ersetzte Fernyhough daraufhin durch sich selbst, um in Zukunft solche Ausgaben leichter genehmigen zu können. Das ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster.

Ein weiteres prominentes Beispiel für die technischen Fehlleistungen ist das wiederholte Versäumnis, TLS-Zertifikate rechtzeitig zu erneuern, trotz Angeboten von Teammitgliedern, Automatisierungstools einzuführen, die das Problem ein für allemal gelöst hätten. Das ist nicht ein Fehler. Das ist ein Systemversagen. In einer Welt, in der Let's Encrypt und certbot das Problem längst trivial machen, ist ein abgelaufenes Zertifikat auf einer Linux-Projektseite nicht nur peinlich: Es ist ein Zeichen dafür, dass jemand aktiv verhindert hat, dass das Problem strukturell gelöst wird.

Von der Gruppe, die das Projekt vor fünf bis zehn Jahren aktiv gestaltete, sind Berichten zufolge nur noch zwei Mitglieder übrig. Diese Abwanderung erfahrener Entwickler hat zu einer gefährlichen Ausdünnung der technischen Kompetenz geführt, was sich in der Vernachlässigung von Kernkomponenten wie Manjaro ARM und dem Paketmanager Pamac widerspiegelt.

Das ist das eigentliche Kernproblem. Nicht das Manifest. Nicht Philip Müller per se. Sondern die jahrelange Abwanderung von Wissen und Kompetenz, die ein Projekt langsam aber sicher aushöhlt.

Szenario 1: Das Manifest wird erfüllt, der Vereins-Weg und seine Fallstricke

Nehmen wir an, Philip Müller gibt nach. Das Manifest wird in seiner Gesamtheit umgesetzt, ein eingetragener Verein in Deutschland wird gegründet, und das Projekt beginnt seinen Neustart unter demokratischerer Führung. Klingt gut auf dem Papier, aber ich glaube nicht, dass es so einfach ist.

1.1 Die rechtliche Falle der Markenrechte

Das erste und vielleicht entscheidende Problem: Der Name "Manjaro" und das Logo sind eingetragene Warenzeichen der Manjaro GmbH & Co. KG. Das Manifest schlägt vor, dass die GmbH dem neuen Verein eine exklusive Lizenz bis Ende 2029 gewährt und die Marke danach für einen symbolischen Euro überträgt.

Das klingt vernünftig, auf dem Papier. Aber in der Praxis bedeutet das, dass der neue Verein für drei Jahre lang unter dem wohlwollenden Veto eines Unternehmens operiert, mit dem er sich gerade im offenen Konflikt befindet. Was passiert, wenn der Verein eine Entscheidung trifft, die der GmbH nicht passt? Was passiert, wenn die Lizenz als Druckmittel eingesetzt wird? Es gibt keine glaubwürdige Garantie, dass das nicht geschieht.

Da die GmbH die Kontrolle über Domains, Foren-Infrastruktur und GitHub-Organisationen behält, steht der Verein vor der absurden Situation, ein Projekt potenziell ohne seinen Namen und seine technische Basis weiterführen zu müssen. Das ist keine Partnerschaft auf Augenhöhe. Das ist ein Abhängigkeitsverhältnis, das den Keim des nächsten Konflikts schon in sich trägt.

1.2 Das Illusions-Problem flacher Hierarchien

Das Manifest fordert eine "flache Struktur" anstelle einer traditionellen "Führungshierarchie". In der Theorie klingt das nach demokratischer Teilhabe. In der Praxis führen solche Modelle bei Organisationen der Grösse von Manjaro jedoch regelmässig zum Scheitern. Ohne klare Verantwortlichkeiten entstehen informelle Machtstrukturen, sogenannte "Shadow Hierarchies" die intransparent sind und keine echte Rechenschaftspflicht gegenüber der Basis haben.

Ich kenne das aus der Open-Source-Welt. Die Idee der absoluten Gleichheit klingt schön in Manifesten. In der Realität übernimmt immer jemand de-facto die Führung nur ohne formellen Titel und ohne formelle Kontrolle. Das ist gefährlicher als eine klare Hierarchie, weil es die Verantwortlichkeit verschleiert und Konflikte nicht löst, sondern nur verlagert.

Das vorgeschlagene Wahlsystem sieht für bedeutende Entscheidungen Abstimmungszeiträume von zwei bis vier Wochen vor. In einer Branche, in der Sicherheitslücken innerhalb von Stunden gepatcht werden müssen, ist ein solches System eine ernsthafte Gefahr für die Integrität einer Distribution.

Man stelle sich das konkret vor: Eine kritische CVE taucht auf. Der Patch ist verfügbar. Aber zuerst muss eine Abstimmung darüber stattfinden, wer zuständig ist, wer die Ressourcen genehmigt, wer den Release-Prozess anstösst. Drei Wochen später ist der Patch draussen. In der Zwischenzeit wurden Manjaro-Systeme kompromittiert. Das ist kein hypothetisches Szenario, sondern die logische Konsequenz des vorgeschlagenen Governance-Modells.

1.3 Die finanzielle Realität: Spenden ersetzen keine Geschäftsmodelle

Die Abspaltung des Entwicklerteams in einen Verein ohne die Einnahmen aus Hardware-Partnerschaften könnte zu einer sofortigen Zahlungsunfähigkeit führen. Manjaro betreibt ein globales CDN, Spiegelserver und umfangreiche Build-Systeme. Das kostet monatlich fünfstellige Beträge, wenn man Gehälter, Serverkosten und Reisen zu Konferenzen zusammenrechnet.

Grosse Provider verlangen oft Sicherheiten und eine etablierte Firmenstruktur für Business-Accounts. Ein frisch gegründeter Verein ohne nennenswertes Kapital wird kaum in der Lage sein, dieselben Konditionen zu erhalten wie eine GmbH mit jahrelanger Vertragsgeschichte.

Das ist kein Detail. Das ist eine existenzielle Frage. Wenn CDN77 oder Hetzner sagen "wir brauchen einen Handelsregister-Eintrag und eine Kreditwürdigkeit", dann hat der neue Verein ein akutes Problem, das sich nicht durch Community-Enthusiasmus lösen lässt.

Das Team hofft auf Spenden über OpenCollective. Doch Spenden sind volatil. Ein Verein ist nicht in der Lage, ein strukturelles Finanzierungsdefizit allein durch Community-Spenden aufzufangen. Insbesondere dann nicht, wenn die Reputation des Projekts bereits beschädigt ist und potenzielle Spender zunehmend zu anderen Distributionen abwandern.

1.4 Hardware-Partner im Schwebezustand

Hardware-Partner wie Slimbook oder Star Labs benötigen Vertragspartner, die für Fehler und Supportgarantien rechtlich einstehen können. Ein Verein, der von unbezahlten Freiwiligen geführt wird, stellt für diese Unternehmen ein unkalkulierbares Risiko dar.

Slimbook verkauft den Manjaro Slimbook III für weit über tausend Euro. Star Labs bietet Linux-Laptops mit tiefer Coreboot-Integration an. Das sind keine Hobbyisten, das sind Unternehmen, die langfristige Vertragssicherheit benötigen, um ihren Kunden Support-Garantien geben zu können. Ein Wechsel dieser Partner zu stabileren Distributionen wie Ubuntu oder Fedora ist in diesem Szenario mittelfristig sehr wahrscheinlich.

Und damit verliert Manjaro nicht nur Einnahmen. Es verliert sein wichtigstes Argument gegenüber rein Community-getriebenen Distributionen: die professionelle Hardware-Integration und Zertifizierung.

1.5 Pamac: Das ungelöste Problem bleibt ungelöst

Der Paketmanager Pamac, lange das Aushängeschild von Manjaro für Benutzerfreundlichkeit, befindet sich in einem desolaten Zustand. Updates brechen mit Fehlermeldungen ab und hinterlassen das System in einem unbootbaren Zustand. Da der Hauptentwickler von Pamac seit Ende 2025 nicht mehr aktiv ist und keine Vertretung eingearbeitet wurde, gibt es schlicht niemanden, der diese kritischen Bugs beheben kann.

Das Manifest fordert zwar mehr Zugriffsrechte, um solche Probleme zu lösen, aber es beantwortet die entscheidende Frage nicht: Wer soll das konkret tun? Mit welchen Ressourcen? Pamac ist ein komplexes Werkzeug mit langer technischer Geschichte. Es braucht jemanden, der Vollzeit daran arbeiten kann, und einen Verein, der diesen Jemand bezahlen kann. Beides ist unter dem vorgeschlagenen Modell hochgradig unsicher.

Ohne funktionierende Pamac verliert Manjaro sein wichtigstes Alleinstellungsmerkmal gegenüber Arch Linux oder EndeavourOS. Pamac war immer das Gesicht von Manjaro für Nutzer, die den Komfort einer grafischen Paketverwaltung brauchen oder wollen. Wenn es dauerhaft defekt ist und niemand es repariert, warum sollte jemand bei Manjaro bleiben?

1.6 Zwischenfazit Szenario 1

Szenario 1 ist nicht unmöglich. Aber es erfordert, dass eine ganze Reihe von Dingen gleichzeitig klappen: Philip Müller muss dauerhaft kooperativ bleiben, die Hardware-Partner müssen abwarten, die Community muss ausreichend und konstant spenden, neue qualifizierte Entwickler müssen gefunden und gehalten werden, und der Verein muss trotz flacher Hierarchie schnell und effektiv entscheiden können. Die Wahrscheinlichkeit, dass all das gelingt? Ich schätze sie niedrig ein.

Szenario 2: Der Hard Fork - "Kili" oder wie man eine Distribution neu erfindet

Das zweite Szenario ist dasjenige, über das die Community bereits offen spricht: Ein harter Fork unter einem neuen Namen. In der Community wird bereits eine Abspaltung unter einem neuen Namen diskutiert. Das Team ist nicht naiv genug, anzunehmen, dass die GmbH Marke und Community einfach kampflos aufgibt.

Als Arbeitsname kursiert "Kili", eine Anspielung auf den Kilimandscharo, aus dem auch "Manjaro" seinen Namen ableitet. Klingt poetisch, ist aber ein ausserordentlich steiniger Weg.

2.1 Das Marken-Vakuum und der Brand-Neustart

Ein Fork bedeutet zunächst einmal: kompletter Neustart der Markenidentität. Kein "Manjaro"-Logo, keine "Manjaro"-Domain, kein "Manjaro"-Forum. Das ist mehr als ein Name, das sind Jahre an organisch gewachsener Sichtbarkeit, SEO-Stärke, Reddit-Communities, YouTube-Tutorials, Wiki-Einträgen und Hardware-Vorinstallationen.

Die Distrowatch-Statistiken für "Kili" beginnen bei Null. Die Reddit-Community r/ManjaroLinux gehört de facto der GmbH. Das Forum auf manjaro.org verbleibt in deren Händen. Der neue Fork muss von Grund auf eine Community aufbauen und das in einem Moment, in dem die potenzielle Nutzerschaft aus dem laufenden Konflikt heraus verunsichert und gespalten ist.

Das hat Parallelen zu einem der bekanntesten Forks der Open-Source-Geschichte: OpenOffice und LibreOffice. Als das LibreOffice-Team 2010 aus dem damaligen OpenOffice.org forkte, war die technische Überlegenheit des Forks schnell offensichtlich. Bessere Entwicklungsgeschwindigkeit, aktivere Community, mehr Features. Trotzdem installieren bis heute viele Nutzer reflexartig OpenOffice, obwohl es de facto ungewartet ist und seit Jahren kaum noch weiterentwickelt wird.

Der Name ist bekannter, der Google-Treffer stand weiter oben, und viele haben schlicht nie mitbekommen, dass es eine bessere Alternative gibt.

Genau dieses Szenario droht auch hier: Kili könnte technisch das bessere Projekt werden, aber Manjaro (GmbH) bleibt der bekannte Name. Nutzer, die "Manjaro download" googeln, landen weiterhin auf manjaro.org. Hardware mit vorinstalliertem Manjaro läuft weiter. Und der Fork kämpft jahrelang gegen die schiere Trägheit der Markenbekanntheit: Nicht gegen schlechte Technik, sondern gegen die Gewohnheit der Leute.

2.2 Der technische Neustart: Was bleibt, was geht verloren?

Technisch gesehen ist ein Fork machbar, der Code ist Open Source. Pamac, die MHWD-Hardware-Erkennung, die Kernel-Infrastruktur. Alles unter freien Lizenzen. Ein Fork könnte all das nehmen und damit weiterarbeiten.

Aber Repositorys sind nicht Open Source. Manjaro unterhält eigene Repositorys, die Arch-Pakete um etwa zwei Wochen verzögert freigeben und eigene Patches einpflegen. Ein Fork muss diese Infrastruktur von Grund auf neu aufbauen, neue Spiegelserver, neues CDN, neue Build-Pipelines. Das benötigt Zeit, Geld und vor allem Leute mit dem entsprechenden technischen Wissen.

Und genau hier liegt das eigentliche Problem. Von der ursprünglichen Kerngruppe, die das Projekt aufgebaut hat, sind nur noch zwei Mitglieder aktiv. Ein Fork, der mit zwei Kernentwicklern und einer motivierten, aber technisch heterogenen Community startet, ist ein gewaltiges Wagnis. Die Frage ist nicht, ob der Fork technisch möglich ist, sondern ob die nötige menschliche Ausdauer und organisatorische Kapazität vorhanden ist, um ihn langfristig zu betreiben.

2.3 Die Community-Spaltung: Wer geht wohin?

Ein Hard Fork spaltet die Community, das ist unvermeidlich. Und die Spaltung wird nicht ordentlich verlaufen. Die aktiven Entwickler, die das Manifest unterzeichnet haben, gehen zu "Kili". Die Power-User, die dem Team loyal folgen, gehen mit. Aber was ist mit den vielen Manjaro-Nutzern, die einfach eine funktionierende Distribution wollen und sich kaum für interne Governance-Streitigkeiten interessieren?

Die bleiben möglicherweise bei Manjaro, der GmbH-Version weil der Name bekannt und weil ihre Hardware mit "Manjaro" beschriftet ist. Das Resultat: Manjaro (GmbH) lebt technisch weiter, aber ohne die besten Entwickler. Kili (Fork) hat die motiviertesten Entwickler, aber ohne die Nutzerbase, die Infrastruktur und die Markenbekanntheit.

Ähnliche Muster hat man bei Mandriva und anderen Distributionen gesehen. Selten endet das für beide Seiten gut.

2.4 Die Hardware-Partner: Verträge, die nicht einfach mitkommen

Die Hardware-Partnerschaften von Manjaro sind an die GmbH gebunden, sowohl rechtlich, vertraglich als auch namentlich. Slimbook wird nicht von heute auf morgen auf "Kili" umstellen. Das wäre mit neuen Zertifizierungen, komplett neuen Vertragsverhandlungen und erheblichem Reputationsrisiko gegenüber ihren eigenen Kunden verbunden.

Ein neuer Fork muss von Null an Vertrauen bei Hardware-Herstellern aufbauen. Das dauert Jahre, nicht Monate. In der Zwischenzeit konkurriert Kili ohne Hardware-Alleinstellungsmerkmal in einem Markt, der bereits gut bedient wird.

CachyOS hat sich als performance-orientierte Alternative mit eigenem Installer und optimierten Kerneln etabliert. EndeavourOS bietet eine nahe am Upstream-Arch liegende Erfahrung mit freundlicher Community und hat die Rolle der klassischen "Community-Distribution" übernommen.

2.5 Das Naming-Problem: Mehr als nur Marketing

Ich mache mir konkrete Gedanken über den Namen "Kili". Es ist ein netter Name. Aber er bricht die Assoziationskette, die Manjaro über mehr als ein Jahrzehnt aufgebaut hat. Wenn jemand "Manjaro" googelt, findet er Tutorials, Videos, ArchWiki-Einträge, Hardware-Empfehlungen: Kurz ein gewachsenes Ökosystem an Informationen. Wenn jemand "Kili Linux" googelt, findet er zunächst mal nichts.

Das ist kein triviales Problem. Die meisten Nutzer kommen durch Mundpropaganda und Online-Suche zu einer Distribution. Wie erklärt man einem nicht-technischen Nutzer, der "Manjaro" auf seinem vorinstallierten Laptop hat, warum er jetzt "Kili" installieren soll und warum das eigentlich dasselbe ist, aber nicht?

2.6 Das Timing: Schlechtestmöglich

In der breiteren Community werden ernsthafte Zweifel geäussert, ob das grundlegende Konzept von Manjaro - Arch-Pakete um zwei Wochen zu verzögern - überhaupt noch einen relevanten Mehrwert bietet. Arch Linux hat den Installationsprozess mit eigenem Installer inzwischen stark vereinfacht, und ein einfaches Skript kann heute im Grunde dasselbe leisten wie Manjaros Verzögerungsmechanismus.

Das ist hart, aber es ist eine legitime Frage. Als Manjaro 2011 gegründet wurde, war die manuelle Arch-Installation eine echte Hürde. Die Hardware-Erkennung per MHWD war ein echter Vorteil. Die Paketverzögerung machte für unerfahrene Nutzer einen spürbaren Unterschied.

Heute gibt es archinstall. Es gibt EndeavourOS. Es gibt CachyOS. Was ist der einzigartige Platz eines Kili-Forks in diesem Feld? "Wir sind Manjaro, aber ohne den schlechten Chef" ist keine Distribution, das ist eine politische Aussage. Und politische Aussagen tragen keine Distributionen langfristig.

2.7 Zwischenfazit Szenario 2

Ein Hard Fork ist in gewisser Weise ehrlicher als die Halbheit von Szenario 1. Er schneidet den Knoten durch und gibt den Entwicklern die Freiheit, die sie brauchen und verdienen. Aber er ist auch risikoreicher. Die ersten zwei bis drei Jahre eines neuen Forks sind sehr brutal sowohl technisch, finanziell und in Bezug auf die Community-Aufbauarbeit.

Vergleiche mit erfolgreichen Forks wie CoMaps werden in der Community gezogen, aber CoMaps bewegte sich in einem völlig anderen Kontext. Eine Linux-Distribution mit eigenem Repository, eigenem CDN, eigener Hardware-Zertifizierung und jahrelang gewachsener Nutzererwartung ist eine ganz andere Grössenordnung.

Persönliches Fazit: Das traurige Ende einer Ära

Wer Philip Müller und die Anfänge von Manjaro aus der Nähe kannte, sei es aus dem Paldo-Umfeld oder anderen frühen Linux-Communities, der weiss, dass dort echte Leidenschaft am Werk war. Müller begann bei Paldo, indem er eine Live-CD mit einem eigenen grafischen Installer in Pascal programmierte – aus reinem Enthusiasmus. Das war kein Karriereschachzug. Das war jemand, der die Linux-Welt besser machen wollte.

Umso mehr schmerzt es, zu sehen, wohin diese Reise geführt hat. Das Muster der Machtkonzentration und des Umgangs mit kritischen Stimmen ist seit mindestens 2020 öffentlich dokumentiert. Das Manifest 2026 ist nicht der Ursprung der Krise, sondern ihr sichtbarer Höhepunkt.

Und ich sage das ohne Häme: Keines der zwei Szenarien klingt überzeugend. Szenario 1: Der Vereins-Weg ist zu abhängig von einem dauerhaft kooperativen Philip Müller, zu langsam in der Entscheidungsfindung und finanziell zu fragil. Szenario 2: Der Fork, kommt zu spät in einem Markt, der bereits gut besetzt ist, und ohne klares Alleinstellungsmerkmal, das über politische Symbolik hinausgeht.

Der nachhaltigste Weg wäre eine professionelle Mediation gewesen, mit neutralem Management und klar vertraglich zugesicherten Mitbestimmungsrechten für die Community. Aber der Zug für diesen Weg ist offensichtlich abgefahren.

Was ich mir wünsche? Dass die talentierten Entwickler, die hinter dem Manifest stehen, ihre Energie nicht in den aussichtslosen Kampf um eine stagnierende Marke stecken, sondern in Projekte fliessen lassen, die diese Energie produktiv nutzen können. EndeavourOS, CachyOS, oder direkt im Arch-Upstream-Projekt selbst – da gibt es mehr als genug sinnvolle Arbeit zu tun.

Das Manifest ist in seiner jetzigen Form das Dokument eines drohenden Untergangs, und ich sage das mit echtem Respekt vor den Menschen, die es verfasst haben. Ihre Frustration ist berechtigt. Ihr Mut, sie öffentlich zu formulieren, verdient starke Anerkennung. Aber guter Wille allein baut keine Distribution auf und hält sie erst recht nicht am Leben.

Manjaro hat die Linux-Welt 2011 wirklich bereichert. Es hat Arch aus dem Elfenbeinturm der Power-User herausgeholt und für normale Menschen zugänglich gemacht. Das war ein echtes Verdienst. Im Jahr 2026 ist es vielleicht Zeit anzuerkennen, dass dieses Erbe nicht in einer GmbH-Struktur oder in einem neuen Verein weiterlebt. Sondern in den Projekten, die Manjaros Ideen aufgenommen, verbessert und weitergedacht haben.

Das ist kein schlechtes Vermächtnis für eine Distribution, die mit einer Live-CD und einem Pascal-Installer bei einer Schweizer Nischendistribution begann.

Quelle: https://forum.manjaro.org/t/manjaro-2-0-manifesto/186171

Titelbild: KI Generiert

Tags

Manjaro, Open-Source-Governance, Fork

AlphaElwedritsch
Geschrieben von AlphaElwedritsch am 15. März 2026 um 16:27

Sehr schön zusammengefasst. Danke

Kay
Geschrieben von Kay am 15. März 2026 um 19:47

Danke für die ausführliche Berichterstattung, sehr schön zu lesen! Und ganz genau, es gibt genug zu tun und genug Projekte die power brauchen, z.B. Calamares. EndeavourOS klar ;) Aber wir haben wirklich flache Strukturen.

Armakuni
Geschrieben von Armakuni am 15. März 2026 um 20:19

Sehr guter Artikel. Ich denke auch, dass hier gut beschrieben ist, was man bei seinen "Wünschen" bedenken sollte. Auch vieles aus der Community klingt oft plakativ und hat selten Bestand.

Ich bin über das Thema sehr überrascht. Ja, mir sind auch ein paar Problemchen bei Manjaro aufgefallen, aber so sehr habe ich die Community ehrlich gesagt nicht verfolgt, sondern habe mich an der Distro selbst orientiert. Und da hat mich Manjaro seit Anfang 2022 nie im Stich gelassen. Als Ubuntu-Nutzer war es (für mich) nicht so wild, mit Updates ein wenig zu warten. Da habe ich bei Manjaro schon gelernt, dass ich diese monatlichen Zyklen mitmachen muss. Aber da hatte ich nie ein Problem, was mein System unbrauchbar gemacht hätte. Eben dieser Ansatz, Arch verzögert zu bringen, hat mir gefallen. Jetzt fallen hier so Alternativen wie EndevaourOS. Hat bei mir in einem ersten Test nicht funktioniert, weiß der Geier warum. Da ging der Punkt eben klar an Manjaro. CachyOS ist vergleichsweise "neu" und da habe ich aktuell eben auch das Gefühl, dass hier jemand etwas besser machen will, aber langfristig dann die Puste ausgeht. Beispielsweise verstehe ich nicht, warum man dieses Wissen von CachyOS (optimiertes Kompilieren etc.) nicht in Arch zurückführt. Dann gibt es eben einen Standard-Kernel, einen RTS-Kernel und einen "Turbo"-Kernel (CachyOS).

Also langer Sinn, kurze Rede: Für mich als Nutzer ist diese ganze Diskussion hinter den Kulissen schlicht nicht nützig. Ich könnte ja als Nutzer nicht mal was dazu beitragen, was helfen könnte. Ich will einfach nur ein System, was läuft.

Und da glaube ich, kommt die Krux von Linux "auf dem Desktop" wieder zum Vorschein: Jeder meint, den goldenen Weg zu gehen und macht sein Ding. Deswegen gibt es Tausend Varianten von Linux, aber keine ist dabei, mal so richtig Microsoft und Apple das Wasser abzugraben. Deswegen ergibt sich da auch keine Strategie.

Was ich bißchen meine herauszulesen, ist: Der Philip Müller ist mehr ein Macher und kein Unternehmensführer. Wäre es nicht besser, wenn er mehr in den technischen Part geht, sich um "sein Baby" kümmert gemeinsam mit der Community, während jemand anders die GmbH leitet und ihm den Rücken freihält? Diese Variante fehlt mir völlig.

Samuel
Geschrieben von Samuel am 15. März 2026 um 20:46

Ich kenne die Finanzen der GmbH nicht. Die Frage ist halt ob die Einnahmen durch die Hardware-Verkäufe, etc reichen um Philipp zu bezahlen damit er "machen" kann - und eine weitere Person zu bezahlen "die leiten" kann.

Kann ich daher wirklich nicht sagen, da gibt es am Ende sicherlich auch wirtschaftliche Überlegungen.

Thomas
Geschrieben von Thomas am 15. März 2026 um 22:47

Danke für den guten Bericht, schade das es so gekommen ist.

Bendy Pig
Geschrieben von Bendy Pig am 16. März 2026 um 03:53

A well written piece, though I would propose the following:

  • During the 'forum strike' there were no members with unsolved pamac issues, priority is always on the community and the main setback occurring was the inability to accept new registered account as they were mostly just folks wanting to spam out the 2.0 thread.
  • The expression 'flat leadership' was a little arbritrary, it's being updated and changed... the Team are simply working it out (the idea of 'flat' also can't really apply when different folks have completely different domains and skills).

Discussion is currently civilised and it is hoped that a rebirth will come soon.

Alpha Kabine
Geschrieben von Alpha Kabine am 16. März 2026 um 10:23

Hallo an den Autor, Herr Rüegger, einer Ihrer Kernaussagen teile ich ganz und gar nicht: "Diese Drohkulisse sagt alles über die tatsächliche Verhandlungsbereitschaft aus. "Ich habe nichts dagegen" und "ich werde euch verklagen, wenn ihr mir schadet" passen nicht in denselben Satz, ausser man will bewusst eine Situation schaffen, in der die andere Seite faktisch handlungsunfähig bleibt". Philipp Müllers einzigen Worte in diesem Schmierenstück finde ich weise gewählt https://forum.manjaro.org/t/manjaro-2-0-manifesto/186171/21 ,und so steht es hier im letzten Absatz: "Finally, I would like to note that any actions or comments that could damage the business or reputation of myself or the company should be refrained from in order to ensure a mutually agreeable process and avoid legal actions." Auf Deutsch, er verbittet sich jegliche Verleumdung seiner Person. Als Hobby lese ich die Manjaro Forumsbeiträge so seit ca. 2020 täglich. Aragorn, der Haupträdelsführer, hat seit dem vielfach Philipp Müller persönlich attackiert und verbirgt auch keinesfalls seine Art wie er drauf ist, z.B. hier, https://forum.manjaro.org/t/stable-is-a-not-updated-at-2-months-why/183060/75, "Many of us on the Manjaro Staff did explain over and over what the telemetry was needed for. But it got drowned out by the alarmists¹, who even went so far as to call Manjaro spyware. ¹ Probably all of them being that privacy-aware kind of dudes who’ve signed up for an account at PornHub, and who then log into that from their Windows laptops". Auf mich wirkt das wie die Quelle purer Niedertracht. Ich bin selber lange genug Geschäftsführer einer GmbH gewesen. Ich denke, das wirkliche Versäumniss von Philipp Müller war es, die faulen Eier nicht zu entfernen. Nun ist es zu spät. Das Manifest birgt für mich mit der Forderung, die Markenrechte zu übergeben, den gleichen Ansatz wie die derzeitige US Geopolitik: unconditional surrender, Wiederstand zwecklos. Verbunden mit dem bereits umgesetzten Streik ist das versuchte Erpressung. Und bitte Philipp Müllers Worte durchlesen. Sein Vorschlag ist ein mutual agreement. Wissen eigentlich alle Involvierten was "mutual" bedeutet? Gesichtswahrend z.B. Nicht herablassend, Nicht entwürdigend. Nicht ausgrenzend. Usw. Ich denke so wie es da läuft, ist das typische Ergebniss von einer Gruppe, die sich noch nie in Person getroffen hat. Noch nie die Chemie des Anderen beschnüffelt hat (ich kann ihn nicht riechen..). Ich könnte denken, einer aus dieser Gruppe hat militärischen Hintergrund. Die e.V. tut mir jetzt schon leid. Die wissen gar nicht mit wem sie es zu tun haben werden... Und haben kein Ahnung das die e.V. in Deutschland doch eine richtige juristische Person ist...

👓
Geschrieben von 👓 am 16. März 2026 um 10:42

Ja, eine Moderation wäre dringend nötig. Mich stört das etwas, wie kommt es, das sich Philip Müller so derart verrannt hat und sich so lange jeglicher Hilfe verweigert hat?

Im übrigen ist das Problem in der Geschäftswelt nicht neu. Viele "Einzelkämpfer" die es schaffen von Grund auf etwas zu entwickeln haben meistens Probleme los zu lassen. Ich kenne ebenso jemanden. Er hat beinahe sein Unternehmen an die Wand gefahren, als er bemerkte, dass das Unternehmen so gross ist, dass er nicht mehr weiss was alles darin vor sich geht.

(Der Bekannte wollte plötzlich von der digitalen Buchaltung zurück zum Papier. weil er glaubte das die Buchaltung mit Software zu kompliziert war. Und verlangte, dass nahezu jeder Furz neu von ihm genehmigt werden muss.) https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCndersyndrom

udo
Geschrieben von udo am 17. März 2026 um 13:57

Mediation wäre vielleicht noch besser ;-)

blackcrack
Geschrieben von blackcrack am 16. März 2026 um 11:10

Oky, dann nochmal, danke für dein Feedback Ralf :) thumpsup

Moinsel !

und genau das ist es warum man keine werbung für linuxdistros macht, Mandrake und Mandriva waren auch ein ende einer ära .. und kein "härter als diamant" hat sich damals drum geschehrt obwohl Mandrake einer der Big Five war damals und "Der Streik als Druckmittel" damals wars nicht nur streik bei Mandriva, da haben dann sogar Mitarbeiterinnen mitgemacht, die damals genauso dumm waren und meinten sie müsse anderen leuten ein statement oder druck setzen oder eben hinter dem rücken mit leuten kollaborieren, die eben genau das verursachen was eben geschiet, wenn man nicht intelligent genug iss um das mit offenen worte und gegenseitige zusammenarbeit zu lösen.. Damals der rauswurf von Mandrake Erfinder, Gael, weil er eben eine lebensphase hatte die erstens nich zuträglich mehr wahr für ihn selbst, aber durch enteuschung, auch nicht für Mandriva, Gael hat Draktools als solches erfunden, doch leider war das nicht in Rust, sonst währ es immernoch ein neutrales einstellungstool für eine ganze linuxdistro und wurde nachher sogar , selbst der installer bei BernieLomax vollens entsirgt durch einen draufluller-installer, also einen squashinstaller, der nichmal einzelne rpm's überprüft bei der installierung oder onlineinstallierung und sofort meldet wenn was nicht geht, war damals echt ne schande, daß Die deutsche Community und Hauptforum Wolfgang „Wobo“ Bornath mit einzelnen angestellten in der sache zusammengearbeitet hat um eben zu bezwecken, Bero(Bernhard Rosenkränzer), Raphaël Jadot(AshLeDombos) und Jean‑Claude Vanier(jcl_vanier), Vanessa Wall(Unternehmens‑Events und Pressearbeit), nachher hat Raphael noch bei dem angehendem OpenMandriva eine ganze wikiseite, die ich und Per Øyvind Karlsen zusammen aufgebaut haben , einfach Erast, um die Wahrheit zu unterdrücken und kein "Streit" aufkommen zu lassen ... Das ist natürlich ein mieser Beigeschmack – wenn technische Macht dazu genutzt wird, die Ehrlichkeit oder unliebsame Fakten einfach wegzulöschen. Da bleibt dann leider nur das „Bah“-Gefühl zurück, wenn man sich die Mühe gemacht hat und am Ende gegen eine Wand aus Ignoranz rennt. .. Per Øyvind Karlsen als "proyvind" war damals ein angestellter der direkt im code gearbeitet hatte und hatte damals als Software-Entwickler (Software Engineer) dort gearbeitet und hat alles haut nah mitbekommen. Deshalb und weil ich das wusste, hab ich alles von Anfang bis Ende im Wiki festgehalten, proyvind hat noch ne menge mehr mitgeliefert und so gab es dann einen wikieintrag per exelance !! von A - Z und darunter war auch, was mit Gaël Duval damals war und ich wette, daß er da nichtmehr richtig mitmachte in Paris, kurtz bevor er rausgeschmissen wurde war einfach Frust daß sich anders entwickelte als Gael sich das vorstellte ! da hab ich dann noch die mail bekommen :

=========================================================================== Le vendredi 26 avril 2013 08:24:24, vous avez écrit : > Hi, > > i have so far over 60% from the History and Adventure in the Wiki, > if you want help, do it and complete it furter... , now can you say > thank you to Gaël Duval with you Alias unter the tanks write > > http://wiki.openmandriva.org/en/The_Adventure#Say_thank_you_to_Ga.C3.ABl_Du > val_for_this_Distribution_andfounding.28Aliasonly.2Fsign._tobig.2Ag.2 > A.29

At Solutions Linux 2004 (Paris), i had together in front of me Gaël Duval and Joël Bernier (Linux-Kheops / Les logiciels du soleil / RedHat). Both have confirmed me this: « In 1998, Joël sent a Redhat 5.1 to Gaël and this is the start point of the adventure. Without this shipment, Mandrake would not be born. »

Please insert it in the wiki and publish it. My mail was rejected and I have no time to search the reason...

-- Pierre Jarillon - http://pjarillon.free.fr/ Vice-président de l'ABUL : http://abul.org Microsoft is for computers what McDonald is for French gastronomy

Bis daß dann der umsturtz von Mandriva linux kam, daß aus reiner Dummheit von beiden Seiten das desaster fabizierten, nachher haben Bero(Bernhard Rosenkränzer), Raphaël Jadot(AshLeDombos) als erster Chairman und Jean‑Claude Vanier(jcl_vanier) und noch andere die distriebution in die Hande gelegt bekommen, was absolut der schlechteste Platz ever war.. da ich zwar auch angefragt wurde nach Frankreich zum treffen zu kommen, ich aber kein Geld hab, konnte ich da auch nich hin kommen um dann vielleicht selber das dann auf zu fangen .. Tja, Linuxgeek und Kohle, jo, so war das damals ... da war noh viel mehr, da ich Gael damals bei/vor start von den Draktools schon mit ihm gemailt hatte.. also alles, wirklich alles von Mandriake bis OpenMandriva mitbekommen hatte .. wie die distriebution per rpm-beschädigen bis hin zu openmandriva aufgebaut wurde.. Weshalb ich nich OpenMandriva benutze, weil es auf Lügen aufgebaut wurde, darum nutze ich derzeit Fedora, weil urpmi gekillt wurde und das Drakconf gekillt wurde, und die draktools include dem installer gekillt wurde, also, was iss das anders als fedora, nur mit dem anderen comiler, dann bleib ich doch lieber beim standart .. fedora(Redhat) eben, weil OpenMandriva nichtsmehr besonderes hat.. das einzige was mich von Fedora wegholen könnte, währe eine richtig deutsche Distribution die nicht von den US-Act's und Gesetzen abhängig ist.. und rom benutzt udn die DSGVO vollständig einhält, denn alle anderen Distros sind meistens in den USA Heimisch und genau da liegt die krucks .. Was vielleicht interresant währe, eine Deutsche Distriebution aus den angeln zu heben, die die DSGVO einhält, nix mit 2FA oder so n kram zu tun hat, rpm und deb händeln kann, also mischwesen und beide Repositorys rpm&deb einbauen kann apt/dnf iss eh schon fast gleich ..und dann noch draktools benutzt, eben ne neuere version, vielleicht auf Rust und js aufgebaut und in X11 und Wayland starten kann, dann hätten wir nämlich ein Systemeinstellungstool, daß unabhängig von irgendwelchen WM's arbeiten würde, wie früher in Mandrake ..

liebe Grüße Blacky

blackcrack blackysgate.de /net

gryps
Geschrieben von gryps am 16. März 2026 um 13:06

Ich wurde ziemlich überrascht, als diese Diskussion in meiner Inbox landete. Noch mehr wunderte mich aber, dass mich das kümmerte. Inzwischen laufen alle Computer die regelmäßig in der Familie genutzt werden auf Garuda Linux oder EndeavourOS - problemlos. Dass ich noch immer ein Login im Manjaro-Forum habe und einige der Sektionen und Themen abonniert habe ist eine Mischung aus Bequemlichkeit und Rückversicherung. Sollten es die Bleeding-Edge-Distros zu weit treiben, kann man ja immer noch zu Manjaro zurückkehren. Das scheint nicht mehr wirklich so sicher.

Dass es mit einem reinen Community-Ansatz funktionieren kann eine Distribution über Jahrzehnte zu betreiben zeigt Debian. Dort auch keine ganz flache Hierarchie, aber sie ist durch Wahlen bestimmt. Nun weiss ich aber nicht, ob eine Distribution mit (Semi-)Rolling-Release sich am dicken langsamen Tanker Debian orientieren kann und soll.

mawe
Geschrieben von mawe am 16. März 2026 um 14:47

Philip Müller hat das Projek und das Unternehmen gegründet und ihm steht in meinen Augen das Recht zu, zu entscheiden was geht und was nicht geht. Ein Manifest zu verfassen, finde ich persönlich schon als sehr frech. Ich sehe es eher so, wem es bei Manjaro nicht gefällt, der kann ja gehen.

Ein Unternehmen ist doch kein Basisdemokratisches Gebilde, der oder die Inhaber bestimmen wo es hingeht. Nun Forderungen zu stellen, die quasi dieses Unternehmen "kalt machen", muß irgendwas sein, was in einem Paralleluniversum vielleicht funktionieren kann.

Der diskutierte Fork, ich verstehe nicht, warum die Gegner den nicht längst gestartet haben. Da können sie dann selbst entscheiden. Manjaro gehört ihnen nicht, es zu fordern - ohne Gegenleistung - wie gesagt, einfach nur frech.

Marco Huck
Geschrieben von Marco Huck am 16. März 2026 um 18:31

Das war gestern ein Schock vom Zustand des Teams/der Distribution zu lesen! Ich verwende Manjaro seit Jahren auf zwei Notebooks für typische Alltagsaufgaben und Java-Programmierung zu meiner vollsten Zufriedenheit. Ja, es gab hier und da mal ein Problemchen, aber ich habe noch kein Betriebssystem gesehen, was nicht hin und wieder mal Probleme bereitet (und ich bin seit 1984 mit Computern beschäftigt). Die aktuelle Lage sieht jedenfalls nicht gut aus, und man muss davon ausgehen, dass Manjaro verschwindet. Das ist sehr schade und ich drücke den aktiven Entwicklern die Daumen, dass es vielleicht doch irgendwie gut geht.

Christopher
Geschrieben von Christopher am 16. März 2026 um 21:02

Auf linuxnews.de läuft auch aktuell dazu eine schöne Diskussion.

Kobold
Geschrieben von Kobold am 16. März 2026 um 21:05

EndeavourOS oder CachyOS können nicht mal ansatzweise das bieten was Manjaro liefert, sorry aber der Artikel ist ein schlechter witz.

Ich benutze Manjaro über 6 Jahre und ich kann klar sagen, das der Artikel teilweise extrem fehlerhaft ist.

Ralf Hersel Admin
Geschrieben von Ralf Hersel am 16. März 2026 um 23:05

Ich kann nicht so schnell neue Artikel schreiben, wie Du kommentierst. Lies mal, was am Mi oder Do kommt.

Rolf
Geschrieben von Rolf am 17. März 2026 um 00:08

Ich war mal bei Manjaro, aber die Stabilität ließ zu wünschen übrig, und Pamac hatte auch Macken. Jetzt bin ich bei CachyOS, das läuft bisher sehr gut.

Reto
Geschrieben von Reto am 17. März 2026 um 15:54

Danke für den profunden und ausführlichen Zustandsbericht!

Wirklich sehr schade! Ich bin langjähriger und super zufriedener Manjaro Nutzer, habe es auf mehreren Endgeräten, erst neulich schrieb ich hier einen Blogbeitrag über Manjaro (Die Schöne und das Biest). Und wie es der Teufel will, hatte ich just letzte Woche meinen ersten und damit bislang einzigen schwerwiegenden Fehler im Paketmanagement. Da ich gerade einen guten Lauf bei Gentoo habe - und ohne das geht es nicht ;) - werde ich wohl auf allen Geräten wechseln. Vielleicht noch zu früh für einen Abgesang - man nehme es als Mutmacher: "Liebes Manjaro-Team, ihr habt mir über viele Jahre eine fantastische Linuxerfahrung ermöglicht. Es ist eine großartig kuratierte Distribution, gerade auch für Detachables und Covertibles, mit herausragender Connectivity zu allen möglichen Geräten welche man anstöpseln oder drahtlos anschießen kann - das muss ich berufsbedingt tatsächlich sehr oft. Pamac war eine großartige Entwicklung, nicht nur für unerfahrene Nutzer an der Konsole, sondern auch toll zum Stöbern. Ich hoffe, dass das alles erhalten bleibt - wie auch immer. DANKE!"

Tom
Geschrieben von Tom am 18. März 2026 um 09:34

Another one bites the dust. Dabei sind die Probleme - es ist die Governance - keinesfalls unbekannt noch sonderlich neu. Das soll keinesfalls die Leistungen des Projektes und Philip Müller als Person schmälern, er hat viel erreicht. Aber irgendwo war dieser Konflikt vorhersehbar.

Von weit älteren Distributionen wie Debian wurden diese lange Zeit vorher gelöst. Nicht immer lautlos, nicht immer für alle zufriedenstellend, aber so ist das halt bei Community-Projekten. Ich habe großen Respekt vor etablierten Distros mit einem hohen Organisations- und Reifegrad wie Debian, wo Prozesse und Regeln Sinn haben, auch wenn sich dieser einem nicht sofort erschliesst man vielleicht loszieht und was eigenes, besseres machen will.

Das ist für mich persönlich Argument seit Jahrzehnten, bei Debain als Basis für meinen Technik-Stack zu bleinen und von "jüngeren" Distros die Finger zu lassen.

ShalokShalom
Geschrieben von ShalokShalom am 21. März 2026 um 09:04

Philip ist schon bei Chakra einstimmig rausgeflogen, der war immer schon eine Führungsperson, mit der sich kaum jemand wohl gefühlt hat. Und zu der Zeit als er dort rausgeflogen ist, da war Manjaro schon mindestens ein halbes Jahr online.

Ich habe damals selbst noch selbst mit Roland gesprochen, der wie ich aus Österreich stammt, und er hat Manjaro einfach relativ schnell wieder verlassen, und Philip die Distro überlassen. Dieser hat Manjaro nicht gekannt, bis jemand aus seinem Team bei Chakra ihn darauf aufmerksam gemacht hat, da sie sich den Installer von Manjaro näher anschauen wollten.

Es stimmt also nicht, dass er es gegründet hat. Von einem Guillaume weiß ich nichts, dass kann sein das sich der damals stark im Hintergrund gehalten hat, und dann auch schnell gegangen (worden) ist.

Es stimmt auch nicht, dass jeder mit einem Script das gleiche erreicht was Manjaro mit seinen verzögerten Repos liefert, doch da das ein völliger Blödsinn ist, möchte ich auch gar nicht darauf eingehen.

Das beste das passieren könnte, ist wenn dieses Projekt sich auflöst, und die Leute zu richtigen Arch distros wie Garuda, Cachy oder dergleichen wechseln. Die Verzögerungstaktik von Manjaro macht so gar keinen Sinn, weil er die Distro forkt, und damit die bereits getesten Versionskombinationen über den Haufen wirft.

Es ist richtig so, als wollten sie sich überlegen, die Distro gezielt instabilier, und vor allem inkompatibel zum AUR zu machen, was ein großer Grund für viele ist, Arch überhaupt zu verwenden. Ganz einmal abgesehen vom Chaotic-AUR.