NFT: Der Furz im Glas

Do, 10. Februar 2022, Ralf Hersel

Am Donnerstagmorgen gibt es hier etwas Übelriechendes: Fürze im Glas. Es geht um den letzten Unsinn der Neuzeit, nämlich um Non Fungible Tokens. Während sich nun die meisten von euch angewidert auf andere Webseiten stürzen, bleiben vielleicht ein paar treue Leser und Leserinnen bei diesem Artikel.

Fürze bei https://fartjarsnft.com/

Ein Non-Fungible Token (NFT) ist ein nicht austauschbares digitales Objekt. Es besteht im Kern aus einem geschützten Verweis auf eine digitale Ressource, zum Beispiel digitale Bilder im Internet. NFTs sind eine besondere Form von Tokens, die nicht teilbar oder austauschbar sind. Sie werden beispielsweise genutzt, um digitale Bilddateien als Einzelstücke gezeichnet als Quasi-Unikate handelbar zu machen. Der Handel, die Herstellung und der angebliche Eigentumsnachweis wird hierbei in einer Blockchain abgebildet. Was genau der Handel des geschützten Verweises und das angebliche Eigentumsrecht daran ausdrückt, ist nicht allgemeingültig festgelegt. Besonders fehlt ihm die Aussagekraft über die Validität und Integrität der digitalen Ressource (URL). Nicht selten entsteht der falsche Eindruck, das Bild selbst (obwohl nur Ziel der URL) oder weitgehende, womöglich exklusive Nutzungsrechte am Bild durch den Kauf des NFTs zu erwerben.

Die Tiktok-Influencerin, Stephanie Matto, hat aufgehört ihre Darmwinde für 1.000 Dollar pro Glas zu verkaufen. Dafür gibt es sie jetzt in Form von Cartoon-Bildern als NFT. Die selbst bezeichnende „Fartrepreneurin“ hat eine Webseite eingerichtet, auf der 5.000 Furzglas-NFTs für 0,05 Ether verkauft werden, was beim aktuellen Wechselkurs etwa 143 Euro entspricht. Dabei fallen allerdings noch die (passend) genannten Ether-Gasgebühren (Transaktionsgebühren auf der Blockchain) an.

Weitere skurrile NFT-Auktionen gibt es hier. Was hat das jetzt mit freier Software und freier Gesellschaft zu tun? Mit FOSS hat das überhaupt nichts zu tun, wohl aber mit Freier Gesellschaft. Eine Gesellschaft ist/wird dann frei, wenn sie aufgeklärt, informiert und selbstbestimmt handeln kann. Dazu gehört es auch, technologischen Unsinn (NFTs, Blockchain für alles) zu erkennen und zu verstehen.

In diesem Sinne erklärt Fefe den NFT-Unsinn so:

  • Erstens: NFTs können von jedem eingestellt werden, in den aller seltensten Fällen ist das der Urheber oder auch nur der Rechteinhaber.
  • Zweitens verwaltet da niemand etwas über die Blockchain, sondern alle rufen die APIs von Opensea auf.
  • Drittens ist die Zuordnung nicht eindeutig, denn in der Blockchain können zwei NFTs auf denselben Inhalt zeigen.
  • Viertens gibt es keinen Besitzer-Mechanismus, den die Blockchain benutzen könnte. Nur weil da irgendwas steht, heisst das keineswegs, dass das a) korrekt, b) eine natürliche Person und c) tatsächlich der Eigentümer des Tokens (geschweige denn des im Token verlinkten Inhalts) ist.

Deshalb mein Rat: lasst die Finger von der NFT-Scharlatanerie und verwendet euer Geld für sinnvolle Sachen.

Falls ihr bis hierhin durchgehalten habt, könnt ihr gerne kommentieren, ob ihr ab und zu solche Themen lesen möchtet. Ich hätte da noch einen Artikel über das Web3 auf Lager.

Quellen: